Kirche aktuell

züri liest im jenseits Jacqueline Straub will Priesterin werden

Im Rahmen von Zürich liest ist Katholisch Stadt Zürich Gastgeber an vier Veranstaltungen. Zum eigentlichen Highlight gehörte die Lesung mit Jacqueline Straub am Mittwoch im «Jenseits im Viadukt». Die junge Theologin, die katholische Priesterin werden möchte, sprach dabei gewohnt offen.
24. Oktober 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich / 1 Kommentar

Jacqueline Straub, wie haben Sie die Neugier der Leute im «jenseits» erlebt?

Ich spürte das Interesse an der Thematik «Frauen in der Kirche». Ebenso war auch das Bedürfnis zu spüren, dass Veränderungen in der Kirche gewünscht werden. Eine Frau sagte in der Diskussion denn auch, dass es ihr zu langsam gehe und dass sie hoffe, dass wegweisende Entscheidungen in der Kirche schneller getroffen werden.

 

Gibt es denn so etwas wie eine Hauptbotschaft, die Sie an Ihren Lesungen und Auftritten weitergeben möchten?

Zum einen möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es Reformen in der katholischen Kirche braucht. Zum anderen setze ich mich für meine persönliche Berufung ein - dass ich eines Tages Priesterin sein kann. Mir ist es aber geradeso wichtig, den Menschen Mut zu machen, sich wieder in der Kirche zu engagieren und die Kirche und den Glauben nicht aufzugeben, nur weil es im Moment nicht ganz einfach ist.

 

Hand auf's Herz: Fühlen Sie sich mit ihrem Anliegen in der Kirche ernst genommen oder eher belächelt?

Ich bekomme sehr viel Unterstützung von Menschen. Sei es von Ehrenamtlichen oder Hauptamtlichen. Auch etliche Priester unterstützen meine Anliegen und ermutigen mich, nicht aufzugeben. Aber natürlich, ja: Es gibt auch jene, die mich als dumm und naiv bezeichnen. Oder noch schärfer als Zerstörerin der Kirche …

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Müsste sich hinter ihnen nicht eine ganze Bewegung an weiteren Jacqueline Straubs bilden, um mit dem Anliegen massgeblich weiterzukommen?

Es gibt tatsächlich viele Frauen, die wie ich Priesterinnen in der katholischen Kirche werden möchten, natürlich. Die meisten sind aber nicht medial im Scheinwerferlicht wie ich. Viele von diesen sind kirchlich angestellt und fürchten negative berufliche Konsequenzen, wenn sie öffentlich ihre Berufung zur Priesterin äussern würden.

 

Wünschen Sie mehr Mut?
Ich würde mich sehr freuen, wenn noch mehr berufene Frauen öffentlich auftreten würden. Denn es gibt viele - auf der ganzen Welt, auch in konservativen Ländern wie Polen etwa.

 

In einem Satz: Warum braucht die katholische Kirche Frauen als Priesterinnen?
Weil dies im Sinne Jesu Christi ist und weil wir nur eine gerechte Kirche sind, wenn Frauen und Männer gleichberechtigt sind.

 

Und wann wird es soweit sein?

Das ist schwer zu sagen. Der momentane Druck auf die Kirche ist sehr gross. Viele an der Führungsspitze versuchen mit allen Mitteln, die männliche Bastion aufrecht zu erhalten. Ich hoffe aber, dass ich noch vor meiner Pensionierung Priesterin werden kann. 

 

Interview: Simon Brechbühler

Katholisch Stadt Zürich am Buch- und Literaturfestival «Zürich liest!»