Kirche aktuell

Jubiläum Planen in der Kirche - 50 Jahre SPI

Planen in der Kirche - 50 Jahre SPI
Bereichsleiter Spezialseelsorge
Markus Köferli
Author
Wer einen Plan macht, will nicht nur die Gegenwart irgendwie überleben. Wer einen Plan macht, rechnet mit Zukunft, gestaltet die Veränderung der Gegenwart und setzt auf das Verstehen und Mitwirken aller Betroffenen und Beteiligten – damals wie heute.
31. Januar 2019 / 1 Kommentar

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) hat Mitte Januar 2019 zur Feier ihres 50-jährigen Wirkens eingeladen. Die Aufgaben, die sich das in St. Gallen domizilierte SPI gibt, bilden sich in den Tätigkeitsworten „forschen, beraten und planen“ ab. An der Jubiläumsveranstaltung hat man sich auf das Planen konzentriert.

Das Planen steht in alter St. Galler Tradition: Vor 1200 Jahren wurde auf dem St. Galler Klosterplan ein Entwurf des Zusammenlebens von Jungen und Alten, von Kranken und Gesunden, von Arbeitern und Gelehrten skizziert. Ein Architekturplan, der für alle Lebensbereiche der idealisierten Klostergemeinschaft die passenden Räume vorsah: Leben und Sterben, Lernen und Arbeiten, Beten und Gottesdienst, Krankheit und Gesundheit.

Auf Planung kann auch heute nicht verzichtet werden. „Ein Verzicht auf Planung hiesse nichts anderes, als die Zukunft schon aufzugeben, unsere Mitverantwortung für Kirche und Welt zu verneinen und letztlich auch, auf jeden Anspruch der Gemeinschaft zu verzichten – die Planung der Kirche hat ja mehr im Blick als die individuelle Heilsvorsorge.“ (Arnd Bünker, derzeitiger Leiter des SPI)

Beispiel

Vor 15 Jahren konnte ich miterleben, wie der Planungsprozess begann, der die Katholische Behindertenseelsorge im Kanton Zürich von einer eher assistentialistischen Arbeitsstelle mit Angeboten für Menschen mit einer intellektuellen Behinderung, für Menschen mit einer Körperbehinderung, für Aphasiker, für Gehörlose und Schwerhörige, für Blinde und Sehbehinderte, zu einer Dienststelle wandelte, die die Menschen mit Behinderungen zu den Experten machte.

Besinnungswoche der Behindertenseelsorge

Das Seelsorgeteam unter der Leitung von Erich Jermann nahm Kontakt auf mit der Selbst-Bestimmt-Leben-Bewegung in der Schweiz und in andern Ländern. Regelmässige Weiterbildungstage mit einem in der USA wirkenden Ehepaar, selbst Betroffene, und der Einbezug von Menschen mit Behinderungen, die bei der Behindertenseelsorge in Zürich ein- und ausgingen, entwickelten eine Strategie, die mit drei Begriffen umrissen werden konnte: gemeinsam – barrierefrei – selbstbestimmt.

Die Nachhaltigkeit dieser Strategie, die entscheidend durch das Mitwirken der Betroffenen gelang und durch das Modell der inklusiven Theologie (integrative Diakonie und Ethik; Anerkennung der gleichen Autonomie und Würde) begründet ist, zeigt sich beispielsweise heute dadurch, dass die meisten Pfarreien im Kanton Zürich Inklusionsbeauftragte haben. So bringt eine junge Frau mit Down-Syndrom ihre Talente an einen Jugendanlass ein. Eine Gehörlose gebärdet im Gottesdienst das Vaterunser. Eine Frau im Rollstuhl übernimmt an der Kirchgemeindeversammlung das Traktandum „Barrierefreie Kirche“.

Durch die Planung des Strategieprozesses und den Einbezug der Betroffenen kam zum Ausdruck: Inklusion bedeutet, dass viele Menschen mit Behinderungen keine „Sonderinstitutionen“ mehr möchten, sondern einfach am normalen gesellschaftlichen und kirchlichen Leben teilnehmen.

Innovation und Entwicklung

In einem an der Jubiläumsveranstaltung angebotenen Atelier zur Experimentierkultur wurden Thesen zur Diskussion gestellt, die dem „Planen“ das Absolutistische und Dirigistische nehmen:

  • Wer wirkliche Innovation will, kann nicht „kontrollieren“ und muss damit rechnen, überrascht zu werden.
  • Das Neue lässt sich nicht planen, aber manchmal plant es für einem.
  • Unsere Aufgabe besteht darin, dem Neuen Wege zu bahnen und nicht Neues zu erfinden.

Pastoralplan

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich kennt den seit 1999 bestehenden Pastoralplan „Für eine lebendige und solidarische Kirche“. Hier ist die Akzentuierung einer „Geh-hin-Kirche“ und der Diakonie festgehalten. Damit kann eine Kirche, die in der Gesellschaft relevant sein will, gestaltet werden. Das ist gut so.

Was mir aber fehlt, ist eine Personalplanung, die dieser Akzentuierung dient. Mit welchem Schuhwerk, mit welchen Personen, mit welchen Professionen wollen wir die Ziele des Patoralplans erreichen? Da ist man schlecht beraten, einfach Lücken zu füllen. Die heutige kirchliche Personalsituation erfordert Planung. Notwendig und unerlässlich ist, nicht reaktiv, sondern vorausschauend zu handeln.

 

Markus Köferli ist Bereichsleiter Spezialseelsorge des Synodalrats und Verwaltungsratsmitglied des SPI

Literatur: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut (Hg.), Die Menschen ins Zentrum stellen, 50 Jahre SPI. Forschen, Beraten und Planen für die katholische Kirche in der Schweiz. St. Gallen 2019