Kirche aktuell

Hilfsangebote von Caritas Gutscheine für Geflüchtete, offene Märkte für Arme

Caritas Zürich ist gefordert. Sie unterstützt – zusammen mit der Schwesterkirche – Pfarreien, Kirchgemeinden und Freiwilligenorganisationen bei der Abgabe von Lebensmittelgutscheinen für Flüchtlinge. Und in ihren drei Märkten in Zürich und Winterthur können Armutsbetroffene noch immer günstig einkaufen. Die Not wächst, und die Anfragen an die Kurzberatung nehmen stetig zu. Im Gespräch mit Caritas-Direktor Max Elmiger.
15. April 2020 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Was hat sich mit der Corona-Krise für Caritas Zürich verändert?

Max Elmiger: Zwei Bereiche fordern uns besonders: die Unterstützung von Geflüchteten in den Pfarreien und Kirchgemeinden einerseits und von Armutsbetroffenen über unsere drei Caritas-Märkte in Zürich und Winterthur, welche noch immer geöffnet sind. Weiter bereiten wir uns vor auf eine Zunahme der Hilfesuchenden in der telefonischen Kurzberatung. Wenn Ende April die Miete oder Krankenkassenprämie nicht mehr bezahlt werden können, dann wird die Situation für viele prekär.

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Zur Unterstützung der Flüchtlinge: Wo liegen hier die Herausforderungen?

Mit dem Notstand sind die meisten Ausgabestellen für vergünstigte oder kostenlose Lebensmittel an Armutsbetroffene in den Gemeinden eingestellt. Dies betrifft Geflüchtete, insbesondere jene mit vorläufiger Annahme (F) und Asylsuchende (N) besonders hart. Sie erhalten nicht nach den SKOS-Richtlinien, sondern nach den viel tieferen Ansätzen der Asylvorsorge Unterstützung. Damit haben sie weniger Geld für den Lebensbedarf als Personen in der Sozialhilfe.

Was könnt ihr nun diesen Menschen anbieten?

Die beiden Fachstellen der katholischen und reformierten Kirche unterstützen seit fast zwei Wochen Pfarreien und Kirchgemeinden im ganzen Kanton mit der Rückfinanzierung von Lebensmittelgutscheinen für Flüchtlinge mit dem Status F und N. Bis Ende März konnten so 71 Familien und 23 Einzelpersonen Gutscheine abgegeben werden. Einzelne Freiwilligenorganisationen helfen Flüchtlingen auch mit eigenen Aktionen.

Von wie viel Geld sprechen wir da?

Für diese Aktion konnten wir 15'000 Franken auftreiben. Dieses Geld war nach wenigen Tagen aufgebraucht und wir mussten weitere Anfragen auf eine Warteliste setzen. Seit heute stehen uns weitere 30'000 Franken zur Verfügung. Je nach Familiengrösse beträgt der Lebensmittelgutschein zwischen 80 und 250 Franken.

Und woher kommt das Geld?

Wir haben das Glück, dass wir von der Caritas ganz unbürokratisch auf 40'000 der 45'000 Franken aus bestehenden Fonds zurückgreifen können. Weitere 5'000 Franken sagte uns eine Stiftung zu.

Zu den Caritas-Märkten: Werden euch die Türen eingerannt?

Ja, in den ersten paar Tagen nach der Ausrufung von Notrecht verzeichneten wir einen drei- bis viermal höheren Umsatz. Das hat sich aber wieder eingependelt. Geblieben ist, dass es auch in unseren Märkten bei einigen Artikeln zu Engpässen kommt, wie beispielsweise bei Teigwaren, Milch oder eben auch Toilettenpapier.

Wo seid ihr besonders herausgefordert?

Hier kämpfen wir einerseits aufgrund der engen Verhältnisse in den Läden mit den Vorgaben des BAG wie Abstandhalten und der Kontrolle durch Tröpfchensystem. Zum andern sind wir bei den Mitarbeitenden, welche vielfach aus Arbeitsprogrammen kommen, aufgrund von Absenzen und Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Aus diesem Grund haben wir auch die Öffnungszeiten eingeschränkt. Und einige Kundinnen und Kunden sind ob der Situation doch sehr angespannt.

Können weiterhin alle Personen mit knappem Budget in den Märkten einkaufen?

Ja, grundsätzlich schon. Es gilt aber nach wie vor, dass nur Menschen in finanzieller Not, mit einem kleinen Einkommen und einer gültigen Karte in den Märkten einkaufen dürfen. Neben der Caritas-Markt-Karte und der KulturLegi haben in der jetzigen Situation auch Personen Zutritt, die bisher bei Tischlein deck dich günstige Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs eingekauft haben.

Wie komme ich zu einer Karte, wenn ich noch keine habe?  

Personen mit schmalen Budgets, die eine Karte beantragen, kriegen diese innerhalb von kurzer 2, 3 Tagen. Und alle Karten sind bis Ende Mai gültig, auch wenn sie abgelaufen sind.

 

Die drei Caritas-Märkte in Zürich Kreis 4 und in Zürich-Oerlikon sowie in Winterthur sind weiterhin offen.

Zürich Kreis 4, Reitergasse 1: Mo 13 -18.30 Uhr, Di-Fr 9-18.30 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Zürich-Oerlikon, Schwamendingerstrasse 41: Mo-Fr 10-13 und 14-18.30 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Winterthur, Zürcherstrasse 77: Mo 13-18.30 Uhr, Di-Fr 9-18.30 Uhr, Sa 10-16 Uhr

Die katholische und reformierte Kirche unterstützen die Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit Kirchgemeinden und Pfarreien mit Angeboten und Aktivitäten. Die Fachstelle Flüchtlinge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich wird von Caritas Zürich betrieben.

Priska Alldis, 044 366 68 09
E-Mail: p.alldis@caritas-zuerich.ch
Web: www.caritas-zuerich.ch/was-wir-tun/fachstelle-fluechtlinge