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Gesetz bestraft Nächstenliebe

Gesetz bestraft Nächstenliebe
Pfarrer Josef Karber neben der Schutzmantelmadonna
«Man kann sich auch aus Liebe strafbar machen: So lautet das Gerichtsurteil gegen einen Geistlichen in Zürich» fasste ein Zeitungsbeitrag den Prozess gegen Pfarrer Josef Karber zusammen. Dieser hatte einer kranken, papierlosen Frau über Jahre ein Zimmer zur Verfügung gestellt und wurde nun dafür verurteilt.
13. Juni 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich / 1 Kommentar

Beim Eintreten ins Pfarrhaus Liebfrauen Zürich nimmt neben dem Eingang eine Schutzmantelmadonna den Besucher in Empfang. Dann erst folgt der Schalter des Pfarreisekretariats. Pfarrer Karber deutet auf die Figur und sagt entschlossen: «Das ist doch unser Auftrag als Kirche: Wir müssen Zeichen setzen und die Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte stellen.» In kurzer Zeit sind erstaunlich viele, durchwegs sehr positive und ermutigende Echos auf die Berichte über den Prozess bei ihm eingetroffen.

«Viele sind froh, dass sich die Kirche auch mal von einer anderen Seite in den Medien zeigt – und dass einer sich zu einer mutigen Tat durchringen kann, obwohl Sanktionen drohen.»

Eine Ermutigung ist für ihn auch, dass Josef Annen als Verterter des Bischofs in Zürich und als oberster Chef des Pfarrers ihm den Rücken stärkt. Schweiz Aktuell berichtete am 12. Juni nach der Urteilsverkündung in einem Beitrag und Josef Annen sprach Klartext:

«Wir leben aus einem kirchlichen Auftrag heraus. Das Gesetz ist selbstverständlich zu beachten aber höher steht der Auftrag aus der christlichen Botschaft. Im Zweifelsfall sind wir für den Mensch, der an Leib und Seele bedroht ist. Ich muss ihm einfach helfen. Das kann im Einzelfall gegen die geltende Gesetzgebung sein. Das ist einfach so.»

Jede Woche über 30 Hilfesuchende im Pfarrhaus

Im Pfarrhaus Liebfrauen klopfen über das ganze Jahr gesehen um die 1500 Notleidende an und suchen Hilfe. In dem einen Fall der armenischen Frau war Pfarrer Karber schnell klar, dass er zu besonderen Massnahmen greifen musste:

«Mein Handeln hat der krebskranken Frau eine medizinische Behandlung in einem ruhigen und geschützten Rahmen ermöglicht. Eine Chemotherapie mit täglichem Wechsel der Unterkunft wäre für die Sans-Papier-Frau ein Ding der Unmenschlichkeit gewesen.»

Konsequenzen des Weiheversprechens

Auf die Frage, was er denn erreicht habe, antwortet er: «Die Frau hat heute ein legales Bleiberecht. Sie braucht keine Kontrolle mehr zu fürchten und kann weiterhin medizinisch betreut werden.»

Bei der Weihe hat Josef Karber nicht nur gehorsam und Ehelosigkeit versprochen, sondern auch, dass er sich in besonderer Weise für Notleidende einsetzen wird. Dieses Versprechen ist für ihn Programm, denn wie er mit einem Schmunzeln sagt: «Die schönen Worte von der Kanzel brauchen immer noch eine Hand.»

Kommentare 1
Pia Lingg-Keller schrieb am
2019-06-17 16:28
Herr Karber

Das ist wichtig und richtig!
Herzlichen Dank

Pia Lingg
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