Kirche aktuell

Fortpflanzungsmedizin aus religiöser Sicht

Fortpflanzungsmedizin aus religiöser Sicht
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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20. November 2014

Was ist die Haltung verschiedener Religionen zu reproduktionsmedizinischen Massnahmen wie In-vitro-Fertilisation, Samenspende, Eizellspende, Leihmutterschaft und Egg-freezing? Die Paulus-Akademie fragte nach und lud zu einer Diskussion ein.

„Was ist erlaubt, was verboten?“

Diese Frage gab Dr. Susanne Brauer , Studienleiterin Bioethik, Medizin und Life Sciences der Paulus-Akademie zu Beginn der Veranstaltung in die Runde.

Katholische Kirche: Leben beginnt mit Verschmelzung

„Nicht mehr viel“, war die Antwort von Prof. Barbara Biedermann , Mitglied der Bioethik Kommission der Schweizer Bischofskonferenz .

Denn die zwei grossen Leitlinien der katholischen Lehre als Grundlage legen fest, dass Sexualität und Fortpflanzung zusammen und in die Ehe gehören und das Leben mit der Verschmelzung von Eizelle und Samen beginnt.

Aus katholischer Sicht grosse Mühe bereite vor allem die Tatsache, dass bei Techniken wie der In-Vitro-Fertilisation und dem Egg-Freezing bestimmte Embryonen ausgewählt und andere weggeworfen werden.  Auf dem Weg zur künstlichen Befruchtung werden tausende Embryonen vernichtet, auch sind all diese Techniken ohne Hormonkur der betroffenen Frauen nicht möglich. Noch ist die Medizin nicht soweit, dass man genau einen Embryo entstehen und einpflanzen lassen kann.

Diskussionsrunde

Interreligiöse Diskussionsrunde zum Thema Fortpflanzungsmedizin FOTO Catherine Hauser

Judentum: mit eigenem Ei/Samen unproblematisch

Im Judentum gibt es keine einheitliche Lehrmeinung.

„Geh zum Rabbi und besprich es mit ihm“ , sagt Marcel Yair Ebel , Rabbiner der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich

Aus Sicht des Judentums sei Kinderlosigkeit jedoch eine Krankheit, und man solle und dürfe alles unternehmen, um der Frau bzw. der Familie zu helfen.  Aufgrund der zentralen Rolle der Abstammung im Judentum ist es jedoch von grosser Relevanz, welcher Religion die Spenderin, der Spender angehören. Eine In-Vitro-Fertilisation eines verheirateten Paares mit eigenen Samen bzw. Eizellen ist aus jüdischer Sicht unproblematisch.

Islam: Fremdspende unerlaubt

Auch im Islam, so Dr. Rifa’at Lenzin , Co-Leiterin für den Fachbereich Islam beim Zürcher Lehrhaus , würde diese Form der Fortpflanzungstechnik akzeptiert, wenn der Samen vom Ehemann stammt.

Eine Fremdspende, ob Samen- und Eizellspende ist jedoch nicht erlaubt, denn nur das Biologische begründe eine Elternschaft.

Das Recht auf Abstammung ist im Islam, der sich an der Sharia orientiert, sehr wichtig.

Reformierte Kirche: von rigider Ablehung bis grenzenloser Offenheit

Für Prof.  Frank Mathwig , Ethikbeauftragter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, war eine klare Antwort schwierig, weil die Positionen innerhalb der verschiedenen protestantischen Richtungen sehr unterschiedlich sind. Es gäbe keine doktrinäre Position. Es gäbe rigide Positionen, die der katholischen Lehre nicht unähnlich seien und andere, welche alles erlauben würden.  Das sei dann ähnlich wie bei den Juden „Geh zum Pfarrer und besprich es mit ihm“. Immerhin: Ein roter Faden, der ausgemacht werden könne, sei das Kindswohl, auch das des ungeborenen Kindes. Dabei sei die Definition, wann ein Kind ein Kind sei, abgekoppelt von der Definition der Eltern.

Der Schluss der Diskussion galt dem Kindswohl, nicht nur dem des ungeborenen und kleinen Kindes, sondern auch dem älteren und später erwachsenen Kindes, das wissen möchte, von wem es abstammt. Dass dies bei all den Techniken schwierige Fragen aufwerfe, da war man sich einig.

Woher komme ich? Diese Frage wird auch von Kindern gestellt werden, welche dank medizinischen Fortpflanzungstechniken gezeugt wurden.

In einem Beitrag in der Zeitschrift Aufbruch fasst Journalistin Martina Läubli die Diskussion zusammen und bietet weitere Hintergründe zum Thema.