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Was lange gärt, wird Verfassung

Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Kommunikation Generalvikariat, Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe und Mediator.

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Heute, am 25. März, begehen wir in der katholischen Kirche das Hochfest der Verkündigung des Herrn. Der Evangelist Lukas berichtet, dass ein Engel Maria die Botschaft überbracht hat, dass sie schwanger werde und einen Sohn namens Jesus gebären werde
25. März 2022

Jede Schwangerschaft, auch in der Bibel, dauert neun Monate und so freuen wir uns schon auf das Geburtsfest an Weihnachten. Wenn die Kirche schwanger geht, kann es allerdings etwas länger dauern. So hat im Vatikan am Josefstag nach sage und schreibe 108 Monaten Schwangerschaft (neun Jahre!) die neue Verfassung für die Kurie das Licht der Öffentlichkeit erblickt, ist 250 Paragrafen schwer und 54 Seiten lang. Und dann wars erst noch eine Sturzgeburt, unerwartet und ohne grosse Ankündigung.

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Die Dauer des vatikanischen Reformprozesses lässt darauf schliessen, dass Papst Franziskus mit erbittertem Widerstand in der Kurie zu kämpfen hatte. Jetzt verordnet er mit «Praedicate Evangelium» nicht nur neue Strukturen, sondern gleich ein ganzes Programm. Sinn und Zweck der Kurie ist, das Evangelium zu verkünden und nicht, hinter dicken historischen Mauern klerikale Machtkämpfe zu führen. Franziskus schleift kurzerhand dieses geistig zementierte Bollwerk, in dem in Zukunft fast alle hohen Kurienämter auch von Laien ausgeübt werden können. Schweissperlen auf die Stirn treiben dürfte manchem Monsignore die fünfjährige Amtszeitbeschränkung. Interessant ist auch die vorangetriebene Dezentralisierung der Kirche und das Stärken der Ortskirchen. So sollen bei Bischofsernennungen nicht mehr nur die Vorschläge der Diözese, sondern auch in geeigneter Form Angehörige des Volkes Gottes in den Diözesen miteinbezogen werden. An Pfingsten tritt die neue Verfassung in Kraft. Der Heilige Geist hat zu tun. Viel zu tun.

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Bereits jetzt hellauf begeistert ist der Luzerner Kirchenrechtler Adrian Loretan, der sagt: «Der Vatikan hat endlich verstanden, dass bei Leitungsfragen die Kompetenz wichtiger ist als der Weihestatus». Loretan geht davon aus, dass der eingeleitete Kulturwandel nicht ignoriert werden kann. Das Dokument ist erst in Italienisch veröffentlicht, der verbindliche, lateinische Text folgt später. Als Lateiner und Theologe warte ich erst mal den verbindlichen Text ab. Das generische Maskulinum im Lateinischen bietet nämlich eine Fülle von Interpretationsspielraum, wo dann im entscheidenden Moment die Übersetzung klarmacht, dass eben doch nur die testosterongesteuerten Menschen gemeint sein könnten, wenn es um Leitungsaufgaben geht. Skeptisch sieht dies auch Felix Neumann, der in seiner ausführlichen Analyse «Sparsamer und mit mehr Frauen?» auf den zweiten Blick noch viele Fragen ortet. Sicherheitshalber hat der Sekretär des Kardinalsrats, Bischof Marco Mellino, bei der Präsentation der neuen Verfassung schon mal dezent darauf hingewiesen, dass «nicht alle Vatikanbehörden künftig gleich gut von Laien geleitet werden können.» Veni sancte spiritus!

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Gemeinsames Beten verbindet und stärkt die Hoffnung, dass sich eine ausweglos scheinende Situation zum Guten wenden könnte. Viele Menschen treffen sich in Kirchen, um für die Opfer von Kriegen und die Menschen auf der Flucht zu beten. Acht byzantinische und orientalisch-orthodoxe Kirchen laden am Sonntag zur gemeinsamen Friedenspilgerfahrt zur Schwarzen Madonna nach Einsiedeln ein. Auch wenn in Sozialen Medien behauptet wird, gegen Putin zu beten, wäre eine echte Hilfe, wissen wir aus Erfahrung, dass Beten für etwas hilfreicher ist.

 

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Dem Gebet folgen viele konkrete Taten, wenn es um die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen aus der Ukraine geht. Dies wertschätzte Religionsministerin Jacqueline Fehr beim jährlichen Treffen mit den Spitzen der anerkannten Religionsgemeinschaften. In der anschliessenden Medienmitteilung schreibt sie: «Alle Religionsgemeinschaften im Kanton Zürich leisten für die Menschen auf der Flucht mit grossem Einsatz wichtige und wertvolle Hilfe, die rasch und unkompliziert in Anspruch genommen werden kann. Die Religionsgemeinschaften sind für die Bewältigung der aktuellen Krise gut aufgestellt: Sie können auf eine bewährte Organisation und zahlreiche Helfende zurückgreifen.»

Wer sich in irgendeiner Form engagieren oder die Caritas Zürich in ihrem Wirken unterstützen möchte, findet hier Informationen.

 

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Gemeinsam ihre Stimme erhoben haben die reformierte und die katholische Kirche im Kanton Zürich letzte Woche, um sich für die «Villa Sonnenberg» stark zu machen, die zum Spital Affoltern gehört. Hier verbringen Schwerkranke die letzten Tage und Stunden ihres Lebens in einer würdevollen Umgebung und bestens betreut von Palliative-Care-Fachleuten. Gesundheitsministerin Natalie Rickli will das Spital Affoltern von der Spitalliste streichen. Für die Kirchen ist klar: Eine mögliche Schliessung des Spitals Affoltern darf nicht auch das Ende der «Villa Sonnenberg» bedeuten.

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Wenn Ihnen an diesem Wochenende jemand eine Rose überreicht, geht es nicht um die nächste Staffel der Bachelorette oder des Bachelors, sondern um die alljährliche Rosenaktion von Fastenaktion, HEKS und Partner sein. Der Erlös fliesst in Projekte, die Menschen im Süden in ihrem Ringen um Recht auf Nahrung und ein würdiges Leben unterstützen. Jede verschenkte Rose macht mehrfach glücklich. Selbstverständlich können Sie Rosen auch virtuell und mit einer Grussbotschaft an einen Lieben Menschen verschenken.

Neben Rosen gibt es auch Mauerblümchen und die sind nicht zu unterschätzen. Ihre Kraft kann Mauern sprengen, vielleicht gerade heute auch Kirchenmauern, die brüchig geworden sind. Daniel Ammann war Ende der 80er Jahre Beauftragter für Jugendarbeit der katholischen Kirche im Kanton Zürich und lädt ein zum Thema «Männerarbeit und Männerseelsorge: Was es gibt -was es braucht». Er bringt an einer Tagung Männer zusammen: aus kirchlichen Arbeitsfeldern wie Jugendarbeit, Pastoral und Seelsorge in Spitälern oder in Beratungsstellen. Klingt spannend. Wenn sich in naher Zukunft Vertreter aus der römischen Kurie sich anmelden, hat der Heilige Geist ganze Arbeit geleistet…

Trotz Zeitumstellung wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende, frohes Zusammensein mit anderen Menschen und einen gesegneten Sonntag. Bleiben Sie gesund. Und katholisch.

 

Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

 

PS: Haben Sie gewusst: Elefanten haben eine Tragzeit von 22 Monaten…

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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