Über uns

Grüss Gott Zürich Auf einer fiktiven Flusskreuzfahrt

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Kulturelle Umkehr – pastorale Not – bewährte Menschen
01. November 2019 / 2 Kommentare

Montag, 28. Oktober, Theologische Hochschule Chur (THC): Der Medienexperte und Präsident der Kommission für Kommunikation und Öffentlichkeit der Schweizer Bischofskonferenz Mariano Tschuor spricht als Festredner am Dies Academicus zum Thema «Zwischen Verkündigung und Sprachlosigkeit» Klartext, wenn er sagt: «Würdenträger – und andere – reagieren mitunter gereizt, wenn die grossen, publikumswirksamen Themen unserer Zeit nicht nach ihrer Fasson diskutiert werden: Zölibat, Sexualmoral, Frauen in der Kirche. Ganz zu schweigen vom Missbrauch. Viele Amtsträger gingen – und gehen immer noch – von einer vertikalen Kommunikation aus, von einer Top-Down-Logik, und glauben, so die Dinge zu regeln und aus der Welt zu schaffen. Das ist entweder naiv – oder arrogant.»

Eingeladen zum Dies war auch der Synodalrat, der aus diesem Grund seine nachmittägliche Sitzung extra von der Limmatstadt Zürich nach Chur in Räume der THC verlegt hatte. Hier an der Hochschule werden gut 50 Frauen und Männer zu Theologinnen und Theologen ausgebildet, darunter sind wenige Priesteramtskandidaten. Der Blick von der Terrasse über die Stadt Chur am Rhein ist imposant, auch wenn es leicht regnet.

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Szenenwechsel nach Rom am Tiber: Hier ist am letzten Sonntag die dreiwöchige Amazonas-Synode mit einem Schlussdokument zu Ende gegangen. Ebenso liegt von den lateinamerikanischen Bischöfen ein Katakomben-Pakt vor, der sich für eine Kirche der Armen verpflichtet. Papst Franziskus wird in den kommenden Wochen entscheiden, wie er mit den Empfehlungen der 181 Bischöfe und Ordensmännern umgeht.

 

Bei der Synode ging es einmal um den Amazonas, die bedrohten Völker und Wälder an diesem Strom. Es ging aber auch darum, wie die katholische Kirche vor Ort auf die pastorale Notsituation reagiert. Denn am Amazonas mangelt es an Priestern – in einem Ausmass, das wir uns hier in der Schweiz absolut nicht vorstellen können: So kommt in entlegenen Gebieten am Amazonasbecken lediglich einmal pro Jahr ein Priester vorbei. Im Abschlussdokument steht denn auch, dass im Kirchendienst bewährte Männer, sogenannte viri probati, künftig zu Priestern geweiht werden können. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Franziskus dagegen wohl kaum etwas einwenden werde. Oder wie die NZZ formuliert: «Will er seinem Wort von der «heilsamen Dezentralisierung» der Kirche klarere Kontur geben und nicht als Papst der blossen Ankündigungen in die Geschichte eingehen, wird er zumindest für die Amazonasregion eine Lockerung des Pflichtzölibats beschliessen müssen.» Wie das nachsynodale Schreiben von Franziskus aussehen könnte, wagt der emeritierte Neutestamentler Walter Kirchschläger aus Luzern an der Reuss zu skizzieren.

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Wenn am grossen Amazonas Einiges möglich sein soll, warum dann nicht auch am grossen Kongo-Strom oder am Mississippi oder in der Südsee, wo Würdenträger aus Fidschi und Papua-Neuguinea eine Ozeanien-Synode fordern. Wir können auf der fiktiven Flussreise durch die Welt auch an der Donau haltmachen, wo der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner den Startschuss zur Online-Petition «#Amazonien auch bei uns!» gegeben hat. Denn Amazonien ist ganz bestimmt auch in Europa. Es stellt sich daher ernsthaft die Frage: Warum sollen nicht auch in Europa, in der Schweiz bewährte Personen «personae probatae» ins Priesteramt berufen werden?

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Haben Sie es gemerkt? Ich bin der schlichten Auffassung, dass es genauso viele bewährte Frauen wie Männer gibt. Warum diese bewährten Frauen, ja die Frauen überhaupt bei dieser Amazonas-Synode wieder einmal mehr aussen vorgelassen wurden, will nicht einleuchten.

Papst Franziskus hat den Bischöfen an der Amazonas-Synode geraten, «mutige Vorstösse» vorzulegen. Das haben sie mit Einschränkung getan. Und sie haben im 30seitigen Schlussdokument zu einer ganzheitlichen Umkehr in der katholischen Kirche aufgerufen. Sie brauche eine Umkehr zur synodalen Erfahrung. Diese Aufgabe sei dringlich, um Klerikalismus und willkürliche Eingriffe zu überwinden. Das wird nur mit dem gleichberechtigten Umgang mit den Frauen zu bewältigen sein.

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Und so fährt der Ozeandampfer als Weidling auf der Aare nach Solothurn, zum Sitz des Präsidenten der Bischofskonferenz, Felix Gmür. Der Pontonier hat folgende Fragen im Gepäck: Wann beginnt der synodale Prozess in der Schweiz? Wird die Kommunikation einer Top-Down-Logik oder einer offenen Gesprächskultur entsprechen? Wann hören wir von «mutigen Vorstössen» der Schweizer Bischöfe?

 

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Heute feiern wir mit Allerheiligen ein Hochfest – das Fest aller Märtyrer und (auch unbekannten) Heiligen. Sie sind nicht nur unsere Vorbilder, sondern gelten auch als Fürsprecherinnen und Fürsprecher im Himmel. Auf sie zähle ich. Und morgen an Allerseelen werde ich das Grab meines Vaters besuchen, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Unter anderem, dass ich – so glaube und hoffe ich zumindest – immer wieder den Kern der Sache im Blickfeld habe und Klartext spreche.

Ich wünsche Ihnen allen (be)sinnliche Tage und einen guten Start in die neue Woche. Herzlich

 

Aschi Rutz

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wider. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.