Kirche aktuell

Grundkurs Palliative Care «Über das Sterben reden ist gesund»

Daniel Burger

Fachverantwortlicher Palliative Care
Palliativseelsorge. Begleitung daheim.

Daniel Burger
Lebensqualität am Lebensende bedingt oft die Entscheidung, unangemessene Behandlungen wegzulassen. Ein neuer Kurs hilft Angehörigen und Begleitpersonen, sich mit der eigenen Sterblichkeit, Tod und Trauer auseinanderzusetzen und schwerkranke sowie sterbende Menschen angemessen zu begleiten. Palliativ-Care-Experte Daniel Burger erklärt, was der Kurs bietet.
12. August 2026

Dank der heutigen Medizin kann die Lebensqualität auch im hohen Alter und bei chronischer Krankheit verbessert werden. Die andere Seite der Medaille: Sterben wird wie eine Krankheit behandelt, die man bekämpfen will. Man kann nicht mehr «einfach so» sterben. Es braucht oft eine Entscheidung: zum Beispiel die Lungenentzündung nicht mehr zu behandeln. Der Hinweis «keine lebensverlängernden Massnahmen» in der Patientenverfügung lässt die medizinischen Fachpersonen im Einzelfall im Ungewissen. Hier Patientinnen und Patienten, Hochaltrige, Angehörige und freiwillig Begleitende zu informieren und zu unterstützen, ist eine der Aufgaben von Palliative Care – der ganzheitlichen Betreuung und Behandlung von Menschen im Angesicht des Lebensendes. Aber nicht nur: Wir legen das Augenmerk auf das Leben. Wir fokussieren nicht darauf, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben - wie es die Palliative Care-Pionierin Cicely Saunders so schön gesagt hat. Und das interdisziplinär: Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Seelsorgende, Freiwillige und weitere Berufsgruppen, die sich am Krankenbett einfinden.

«Wir sind geübt im Machen, aber weniger im Geschehen lassen…»

Über das Sterben reden ist gesund, das habe ich immer wieder festgestellt. Wenn es gelingt, die Scheu vor diesem Thema zu überwinden, dann fühlt es sich wie eine Befreiung an. Es fliessen vielleicht die Tränen, aber immer kommt die Rückmeldung: «Das hat jetzt gut getan». Das Reden über das Sterben hilft, Vertrauen zu gewinnen ins Leben, zu dem das Ende «todsicher» gehört. Es trifft uns alle früher oder später. Wenn unsere Grossmutter oder auch «nur» ein Haustier stirbt, wir sind betroffen. In unserer Kultur ist aber im Umgang damit eine grosse Unbeholfenheit spürbar. Vielleicht deshalb, weil der Tod nicht etwas ist, das wir machen, sondern etwas, das uns widerfährt. Wir sind geübt im Machen, aber weniger im Geschehen lassen.

Um diese lebens- und sterbensnotwendigen Kompetenzen zu fördern – am besten noch in jüngeren Jahren und gesund – bietet die ökumenische Spitalseelsorge neu einen dreitägigen Grundkurs für «Nicht-Profis» an. Er vermittelt Wissen zu Palliative Care und bietet Gelegenheit, sich mit der eigenen Sterblichkeit, dem Tod und der Trauer auseinanderzusetzen. Auch Fragen wie «welche Symptome plagen unheilbar Kranke? Wie können wir damit umgehen?» werden behandelt.

Bereits seit bald 10 Jahren gibt es den Tageskurs «Letzte Hilfe», der von medizinischen Fachleuten entwickelt wurde und von der Spitalseelsorge empfohlen wird. Bei der «letzten Hilfe» geht es im Gegensatz zur «ersten Hilfe», die das Überleben sichert, ums Gegenteil: «Wie kann ich einen sterbenden Menschen gut begleiten?» Diesen Kurs können Kirchgemeinden und andere Institutionen anbieten. Sie müssen eigentlich nur den Raum bereitstellen und dazu einladen. Ein festes Team von Fachleuten führt ihn dann vor Ort durch. Seit vielen Jahren schon bietet Caritas Zürich den sechstägigen «Grundkurs Sterbebegleitung» durch.

«Es sind Themen, die nicht nur beim Sterben, sondern lebenslang wichtig sind.»

In Gesprächen mit Schwerkranken und ihren Angehörigen kommt immer ein Spannungsbogen zum Ausdruck: zwischen Hoffnung und Ergebenheit, Freiheit und Angewiesensein, Glaube und Zweifel, Fluchen und Segnen. Themen, die nicht nur beim Sterben, sondern lebenslang wichtig sind. Gerade darum ist reden über das Sterben gesund. Das Leben wird menschlich, tief, und es fällt vieles weg, wovon man oft meint, es sei wichtig. Man merkt, welche Beziehungen tragen und welche nicht.

Grundkurs Palliative Care - Schwerkranke und Sterbende begleiten
Die Begleitung und Begegnung von schwerkranken Menschen braucht Respekt, Offenheit und Empathie. Der Kurs richtet sich an Personen, die in freiwilligen Einsätzen mit schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Kontakt treten, die in ihrem persönlichen Umfeld Menschen begleiten und die sich mit Palliative Care vertieft auseinandersetzen möchten.
Flyer und Anmeldung

endlich.menschlich.zürich
Vom 26. Oktober bis 1. November findet die Aktionswoche «endlich.menschlich.zürich» statt. Neben Bern findet die Veranstaltung zur Endlichkeit bzw. dem Lebensende neu auch in Zürich und weiteren Schweizer Städten statt. Unter dem Motto «Das Lebensende macht Schule – vom Anfang bis zum Ende» verwandelt sich Zürich in einen Ort der Begegnung und des Austauschs, wo Sterben, Tod und Trauer einen Platz in der Mitte des gesellschaftlichen Lebens finden.
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