Kirche aktuell

Impuls zu Himmelfahrt und 7. Ostersonntag Von Himmel und Erde

Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus
Josef Annen

Dr. theol. Josef Annen ist als Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus für das kirchliche Personal und die Pastoral in den Kantonen Zürich und Glarus verantwortlich.

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Was hat der Philosoph Martin Heidegger mit Himmelfahrt zu tun? Und: wo berühren sich Himmel und Erde? Generalvikar Josef Annens Impuls zu Himmelfahrt und dem 7. Ostersonntag eröffnet ungewohnte Perspektiven.
20. Mai 2020

Seit meiner Studienzeit begleitet mich ein Text aus dem Werk «Der Feldweg» des Philosophen Martin Heidegger:

« Die Eiche selber sprach (...),
dass wachsen heisst:
der Weite des Himmels sich öffnen
und zugleich in das Dunkel der Erde wurzeln:
dass alles Gediegene nur gedeiht,
wenn der Mensch gleich recht beides ist:
bereit dem Anspruch des höchsten Himmels
und aufgehoben im Schutz der tragenden Erde.»

Kinder der Erde und Kinder des Himmels

Was der Philosoph im Bild von der Eiche anklingen lässt, das feiern wir an Christi Himmelfahrt. Wir Menschen sind immer gleich recht beides:

Wir sind Kinder der Erde und Kinder des Himmels. Wir stehen mit beiden Füssen auf dem Boden der Erde und tragen doch Ewigkeit in uns.

Die Apostelgeschichte (Apg 1,1-11) erzählt, wie Jesus vor den Augen der Apostel in den Himmel emporgehoben wird, eine Wolke ihn aufnahm und ihren Blicken entzog. Hier geht es nicht um eine Flugreise. Das Emporgehoben-Werden meint das Verlassen des irdischen Bereichs.

Das Verschwinden in der Wolke ist Symbol für den Eingang in die Gegenwart Gottes.

„Während die Apostel unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten“, sagten zwei Männern in weissen Gewändern zu ihnen: “Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Das klingt recht vorwurfsvoll und besagt, dass die Jünger und Jüngerinnen Jesu nun ihre Aufgabe hier auf Erden in Angriff nehmen sollen.

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Wo Himmel und Erde sich berühren

Zurück bleibt die Frage, wie wir Menschen gleich recht beides sein können: Mit beiden Füssen im Leben stehen und doch offen bleiben für den Anspruch des höchsten Himmels.

Eine Antwort gibt uns das Evangelium zum 7. Ostersonntag (Joh 17, 1-11a). Jesus beendet seine Abschiedsrede mit einem grossen Gebet zu seinem Vater im Himmel. Er betet für die Welt und alle, die an ihn glauben. Auch die Jünger und Jüngerinnen Jesu haben sich nach der Himmelfahrt Jesu zusammen mit Maria in Jerusalem zum Gebet versammelt und auf die Herabkunft des Heiligen Geistes gewartet.

Das Gebet ist der Weg, auf dem sich Himmel und Erde berühren, Mensch und Gott begegnen.

Warten auf den Heiligen Geist und Beten um den Heiligen Geist: «Veni Sancte Spiritus», « Komm, Heiliger Geist», ist einer der bekanntesten und berührendsten Gesänge aus Taizé, der diese Verbindung von Himmel und Erde spüren lässt.
5 Minuten Eintauchen in dieses Geheimnis...

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Himmelsleiter bei Zuoz im Engadin. Foto: Arnold Landtwing