Kirche aktuell

Theater Rigiblick Perspektivenwechsel mit Maria

Was wäre, wenn Maria ein Evangelium geschrieben hätte? Wie sähe die biblische Geschichte aus, wenn dem Leben der Maria als Frau und Mutter eine zentralere Bedeutung zugekommen wäre wie ihrer Rolle als Muttergottes? Am 5. Mai feiert das Theaterstück «Maria» Premiere, das noch bis 16. Mai neue Betrachtungsweisen auf die biblische Figur der Mutter Jesu eröffnet.
05. Mai 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Regisseur Jochen Strauch verbindet in seinem aktuellen Stück «Maria» die klassische Sichtweise von Pergolesis Stabat Mater gekonnt mit dem völlig neuen Blick durch Marias Augen aus dem Roman «Marias Testament» des irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Im Duell der beiden Sichtweisen entsteht eine ganz neue Geschichte Marias, welche die Bibel über sie nicht erzählt.

Die «unheilige» Maria

Die Zürcher Schauspielerin Mona Petri spielt im Stück die Maria. Für sie liegt der Reiz der Rolle darin, die menschliche Seite der sonst eher «heiligen» Maria aufzuzeigen. Objektiv betrachtet ist Maria eine ganz normale Frau und Mutter, die sich der Herausforderung gegenübersieht, dass ihr Sohn sich von ihr entfremdet. Sie verliert den Zugriff zu ihm und scheitert daran, ihn zu retten: «Als Mutter ist es schwer, darin einen Sinn zu sehen, wenn das eigene Kind so leidet», gibt Petri zu bedenken.

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Mona Petri verkörpert die Ikone Maria auf eine ganz besondere und äusserst menschliche Weise.

Im realen Leben selbst Mutter, verkörpert Mona Petri die Gefühle der Mutter Jesu – wie die Skepsis gegenüber seinen Wundern oder die persönliche Trauer über seinen Verlust – auf ganz berührende, geerdete Weise. So entsteht ein ungeahnt menschliches Porträt der Ikone Maria.

Das Vorbild der Maria

In der katholischen Tradition wird Maria die Rolle der reinen, unbefleckten und duldsamen Frau zugeschrieben. Es stellt sich die Frage, ob diese Figur Vorbild für Frauen von heute sein kann. Jochen Strauch verneint das ganz klar: «Die Rolle einer unbefleckten und duldsamen Frau ist kein Vorbild für eine Frau heute. Einer Frau zu unterstellen, dass sie rein sein sollte, Sexualität und die Regel etwas Schmutziges sind, ist für mich schwierig nachzuvollziehen. Hier wird es für mich hochproblematisch.» Auch Mona Petri sieht Maria weder als duldsame Frau, noch würde sie ihr den Begriff Reinheit zuordnen. Als im Stück sehr nahbar gezeigte Persönlichkeit auf Augenhöhe erhält sie etwas Menschliches, mit dem sich auch heutige Frauen identifizieren können.

Der Blick auf den Glauben

In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft immer säkulärer wird, ist das Theaterstück eine spannende Herangehensweise, sich mit der Entstehung des Christentums und dem Glauben zu beschäftigen, findet Regisseur Strauch.

Selbst sehr katholisch aufgewachsen, sieht der aus dem deutschen Rheinland stammende Regisseur Parallelen zwischen den Bild- und Emotionswelten der katholischen Liturgie und dem Theater. Die Spannung zwischen Glauben und Zweifel im Stück darzustellen, den Perspektivwechsel sicht- und erlebbar werden zu lassen, war für ihn eine spannende Herausforderung. Das Stück versteht sich aber nicht als Demontage der Marien-Figur. Strauch betont: «Das Stück soll keine Provokation sein. Es geht um eine ernsthafte, ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Religion.»

Aber keine Angst, die Zuschauenden erwartet keine Bibelstunde. «Maria» ist eine äusserst menschliches Stück, das Antworten offenlässt. Und eine neue Perspektive passend zum Marien-Monat Mai.

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Infos zum Stück
Wann: Vorstellungen am 5. Mai, 6. Mai, 9. Mai, 15. Mai und 16. Mai jeweils um 20 Uhr
Wo: Theater Rigiblick, Germaniastrasse 99, 8044 Zürich