Kirche aktuell

Das «Heilige Jahr» 2025 ist vorbei «Pilger der Hoffnung» - Was bleibt?

Bischöflich Beauftragter für die Migrantenseelsorge
Carlo de Stasio

Carlo de Stasio trägt im Generalvikariat die Verantwortung als Bischöflich Beauftragter für die Migrantenseelsorge in der Bistumsregion Zürich-Glarus.

Carlo de Stasio
2025 feierte die weltweite katholische Kirche als «Heiliges Jahr» unter dem Motto «Pilger der Hoffnung». Wohin hat der Pilgerweg geführt? Was bedeutet überhaupt «Hoffnung» in düsteren Zeiten und wie wird sie genährt? Carlo de Stasio zieht seine persönliche Bilanz.
13. Januar 2026

Wir selbst waren Pilger der Hoffnung. Die Kolleginnen und Kollegen der Körperschaft der katholischen Kirche im Kanton Zürich und des Ordinariats der Diözese Chur, waren gemeinsam unterwegs auf diesem Pilgerweg. Wir pilgerten in die ewige Stadt, haben gebetet und sind durchschritten die Heiligen Pforten.

Doch eine Frage stellt sich von selbst: Was bleibt vom Jubiläum, jetzt, da es zu Ende ist?

Hoffnung!

Ein schönes, aber auch ein verletzliches Wort. Wir leben in schwierigen Zeiten: Es gibt Kriege, Unsicherheit und Angst vor der Zukunft. Und wir haben das neue Jahr mit der Tragödie von Crans-Montana begonnen. Das dürfen wir nicht ausblenden.

Daher fragen wir uns: Was bedeutet Hoffnung heute überhaupt?

Das Jubiläum hat uns eine konkrete Antwort gegeben. Es war kein Ereignis für wenige, sondern ein Jubiläum, vom Volk getragen und genährt. Millionen von Menschen haben sich auf den Weg gemacht – nicht aus Flucht, sondern auf der Suche nach Licht.

In einem «Zeitalter der Stärke» haben wir gesehen, dass es noch immer ein Volk gibt, das an Dialog, Frieden und Versöhnung glaubt. Christliche Hoffnung ist kein naiver Optimismus. Sie leugnet das Böse nicht, aber sie überlässt ihm nicht das letzte Wort. Es ist eine Hoffnung, die die Wunden der Geschichte durchschreitet, ohne die Augen zu verschliessen.

Und so fragen wir weiter: Wie können wir diese Hoffnung nähren?

Das Jubiläum zeigt uns einen einfachen  und zugleich anspruchsvollen Weg: bei den Menschen neu anzufangen. Wir müssen die Person in den Mittelpunkt stellen, von Gott geliebt und Subjekt der Geschichte. Hoffnung wächst, wenn wir uns für Barmherzigkeit entscheiden, wenn wir der Logik der Gewalt widerstehen und das Schicksal der Welt nicht den «Systemen» überlassen, die Menschen erdrücken.

Und wie wird Hoffnung konkret und wirksam?

Durch kleine, treue Schritte in unserer Arbeit, in unseren Beziehungen und in den täglichen Entscheidungen. Durch eine Spiritualität, die nicht vor der Welt flieht, sondern mitten in ihr lebt. Indem wir unsere Kirche  – auch hier, in unserem Kontext – zu einem sichereren und gastfreundlicheren Ort machen.

Das Jubiläum ist zu Ende. Aber die Pilgerschaft geht weiter.

Vielleicht ist das das grösstes Geschenk der Heiligen Jahrs: die Gewissheit, dass Hoffnung keine blosse Idee ist, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen.