Kirche aktuell

Neuer Raum der Stille im «Schlössli» Raum-Ereignis schafft Weite

Der neue «Raum der Stille» in der psychiatrischen Klinik Clienia Schlössli in Oetwil ist ein künstlerisch-architektonisches Gesamtkunstwerk. Impressionen einer kleinen, eindrücklichen Feier zur Eröffnung letzte Woche.
30. September 2020 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Konzipiert und geplant hat den Raum das Gestalterpaar Martina Vontobel und Bruno Wyrsch. Die Künstlerin und Raumgestalterin und der Architekt ergänzen sich hervorragend. Martina Vontobel reicht die Lorbeeren gleich weiter und betont das besondere Engagement aller Beteiligten «denn die Haltung beim Ausführen der Arbeiten schwingt im Raum als Stimmigkeit. Viel Goodwill und Lust, dieses besondere Projekt mitzutragen, waren gefordert.»

Besucher machen den Raum sakral

Wer den «Raum der Stille» besucht, nimmt sehr schnell wahr, was Martina Vontobel meint: Mit einer leisen Umarmung heisst der Raum Eintretende willkommen und lädt ein, sich in der spiralförmig angeordneten Struktur den Platz zu suchen, wo man sich wohlfühlt.

Gestalterpaar martina Vontobel und Bruno Wyrsch. Foto: Sabine Zgraggen
Gestalterpaaar Martina Vontobel und Bruno Wyrsch. Foto: Sabine Zgraggen

«Uns war wichtig, den Raum nicht hierarchisch zu gestalten. Er ist auch nicht sakral eingerichtet, wir haben bewusst auf einen Altar verzichtet. Sakral wird der Raum durch die Menschen, die sich mit ihrer Biografie einfinden, um innezuhalten.»

Wichtiger Rückzugsort für Patienten und Personal

Pflegedirektorin Ingrid Wolf freut sich im Namen der Geschäftsleitung der Clienia Schlössli AG über den «Raum der Stille» als «neutralen Rückzugsort, der zum Meditieren und Beten einlädt. Für unser Personal wie für die Patientinnen und Patienten sind Achtsamkeit und Spiritualität wichtige Themen im Alltag. Gerade im herausfordernden Berufsalltag ist es wertvoll, bei Bedarf in einem so einladenden Raum Ruhe zu finden.»

Pflegedirektorin Ingrid Wolf. Foto: Clienia Schlössli AG
Pflegedirektorin Ingrid Wolf freut sich über den Raum der Stille. Foto: Clienia Schlössli AG

Liebevolle Details schaffen Raum-Ereignis und Weite

Der spiralförmige Aufbau wirkt für Martina Vontobel sehr kraftvoll, «denn mit ausgestreckten Armen ist der Raum immer fassbar, weil die Dimensionen menschlich sind und das viele Holz wie eine zweite, schützende Haut wirkt.»

Ein wesentliches Element zur Stimmung trägt auch das Lichtkonzept bei, das verändert werden kann - vom einfachen «goldenen» Licht bin hin zum Regenbogen erinnert das leicht pulsierende Licht an Werden, Sein und Vergehen. Als Gestaltungspartnerin des Architekten Bruno Wyrsch spricht sie für beide, wenn sie schwärmt:

«Es ist wunderschön, wenn Kunst und Architektur mit den liebevollen Details in der Ausführung zum Raum-Ereignis werden und so in einer geschlossenen Institution Weite schaffen.»

Raum der Stille in der Klinik Schlössli. Foto: zVg
Der Raum der Stille schafft in einer geschlossenen Institution Weite. Foto: zVg

Spirituelle Dimension der Gesundheitsversorgung

Bei der Eröffnungsfeier anwesend war auch Sabine Zgraggen als Dienststellenleiterin der Spital- und Klinikseelsorge. In ihren Gedanken erinnerte sie an eine Resolution der WHO, die bereits 1984 forderte, neben Körper, Psyche und Sozialem, die spirituelle Dimension in der Gesundheitsversorgung zu integrieren.

«Mit dem nun realisierten neuen Raum der Stille im Schlössli, hat die Klinikdirektion mehr als nur ein symbolisches Zeichen für ihren ganzheitlichen Betreuungsansatz gesetzt! Sie hat neuen spirituellen Erfahrungsraum geschaffen.»

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der spezialisierten Klinikseelsorge setzt die Leitung des «Schlössli» seit langem Zeichen – und jetzt mit dem neuen «Raum der Stille» einen nächsten Meilenstein.

Das «Schlössli» in Oetwil ist vor über 130 Jahren auf Initiative eines Ehepaares entstanden und atmet eine langjährige Geschichte auf dem Hintergrund christlicher Nächstenliebe. Nach verschiedenen Umbauten war es der Leitung der Clienia Schlössli AG ein grosses Anliegen, in enger Zusammenarbeit mit den beiden Kirchen in der Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie einen «Raum der Stille» zu realisieren. 2/3 der Gesamtkosten trugen die Kirchen, den restlichen Drittel plus die Infrastruktur steuerte die Klinikleitung bei.