Kirche aktuell

Postkartenprojekt Überraschender Gruss aus Uster

Ein Fotoprojekt in Uster erweckt die gute alte Postkarte zu neuem Leben. Die katholische Kirche und die Migranten steuern überraschende Geschichten dazu bei.
31. Januar 2020 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Im Zeitalter der Bilderflut auf allen Social-Media-Kanälen sorgen plötzlich Postkarten mit dem altertümlichen anmutenden Aufdruck «Gruss aus Uster» für Aufmerksamkeit. Uster hat in den vergangenen Jahrzehnten sein Gesicht markant verändert: Aus dem einstigen Dorfverbund ist heute eine Wohnstadt geworden. Viele Erinnerungen an diese Entwicklung sind heute noch sichtbar. Wenig überraschend findet sich in der 72-teiligen Postkartensammlung der markante, avantgardistische Neubau der katholischen Kirche.

Katholische Migranten schreiben Geschichte(n)

Indirekt erzählen auch andere Bilder von der Präsenz der Kirche und katholischer Migranten, etwa eine Markierung im Schwimmbad.

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Bodenmarkierung als Relikt der Einwanderungswelle aus den 60-er und 70-er Jahre

Ursprünglich warnte ein zweisprachiger Hinweis in Deutsch und italienisch vor 2 Metern Wassertiefe. Nachgepinselt wurde der Hinweis in Deutsch – am Verblassen ist der Italienische. Warum dies so ist, zeigt ein Blick zurück: Viele der in den 60- er und 70-er Jahren eingewanderten Gastarbeiter aus Süditalien konnten noch nicht schwimmen. Italienisch war damals die zweitwichtigste Sprache in Uster. Nachkommen in der zweiten und bereits dritten hier aufgewachsenen Generation geniessen das Schwimmen und sprechen deutsch, also ist eine Warnung vor dem tiefen Wasser hinfällig.

Verborgene Geschichten

Mit einem wachen Blick für diese kleinen verborgenen Geschichten hat sich Kaspar Thalmann mit der Kamera auf den Weg gemacht. Er beleuchtet auf 72 Postkarten die Stadt Uster schön, ironisch, pittoresk, manchmal etwas skurril und auch (selbst)kritisch. Nach dem grossen Erfolg der ersten Serie legt er in einer Vernissage im Februar bereits die zweite Serie vor. Mit seinem Projekt will er dazu anregen, sich mit der eigenen Umgebung und den eigenen Werten auseinanderzusetzen: «Alle Postkarten haben mit Identität, Heimat, Lebensraumgestaltung, Stadtentwicklung und Wünschen zu tun. Das Postkartenformat ist zudem das Medium für Freundschaften, um Fern- und Heimweh auszudrücken.»

Thalmanns Blick fordert auch einheimische Ustermer heraus. Wer in der ersten Serie «Gruss aus Uster» alle Sujets richtig zuordnen konnte, bekam sie geschenkt. Versucht haben es etliche. Geschafft hat es niemand.

 

Vernissage: Mittwoch, 12. Februar 2020, 20 Uhr
im Kino qtopia an der Brauereistrasse 2 in Uster. Türöffnung und Apéro ab 18.15 Uhr. Die Platzzahl ist beschränkt. Kostenlose Tickets sind im Email zu bestellen. Unnummerierte Plätze.

Bild

Farbige Präsenz der portugiesischen Kommune in Uster. Foto: Kaspar Thalmann