Kirche aktuell

Letzter Gottesdienst in der Spitalkapelle Kilchberg Eine Ära geht zu Ende

Am 26. April  feierten die reformierte und katholische Spitalseelsorge mit Ehemaligen, der Spitaldirektion und dem verbliebenen Personal einen letzten Gottesdienst in der Spitalkapelle Kilchberg. Aus Illanz war mit Esther Küttel eine der letzten Schwestern angereist, die im Spital tätig war. Sabine Zgraggen, Leiterin der Spitalseelsorge, beschreibt den denkwürdigen Moment.
01. Mai 2024 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Vor 50 Jahren, Ende 1974, zügelten die Ilanzer Schwestern von ihrem Spital in Zürich Enge in den Neubau am Standort Kilchberg. Seit 1905 hatten sich die Dominikanerinnen in der Krankenpflege in Zürich engagiert, besonders in der Frauenheilkunde und der Geburtshilfe.

Sie hatten das neue Spital ganz bewusst «SANITAS» genannt - Gesundheit im ganzheitlichen Sinne wollten sie fördern. Früh morgens um 4:30 Uhr begann ihr Tag mit Gebet und der täglichen Messfeier. Ihr Glaube war ihre Motivation und Kraft für diesen Dienst zum Wohle der Gesellschaft.

Als der Standort in der Enge aus allen Nähten zu platzen drohte, wurde ein Neubau geplant. Am neuen Standort liessen sie eine grosse Spitalkapelle bauen, als einen Verbindungstrakt zwischen Schwesternhaus und Spital. Das Besondere war eine grosse Empore, wo die Patienten im Bett von den Stationen her hingeschoben werden konnten. Die Kapelle mit den abstrakten Fenstern von Paul Monnier zeugt bis heute vom lebendigen, offenen Geist der Schwestern-Gemeinschaft.

Schrittweise Schliessung

Das See-Spital Kilchberg durchlebte in den letzten Jahren unruhige Zeiten. Schliesslich wurde das Spital an die Psychiatrie Sanatorium Kilchberg verkauft, die ab 2026 an der Stelle des Spitals einen Neubau plant. Die Belegärzte wechselten schon 2022 an den Standort Seespital Horgen; die Reha-Klinik Zurzach zog Ende 2023 aus. Nur die Pflege-Abteilung im 4. Stock blieb noch bis letzte Woche im Haus. Schweren Herzens mussten die letzten Bewohnerinnen und Bewohner neue Plätze finden. In den Abschiedsreden wurde der familiäre Geist an diesem Standort betont. Besonders das Pflegepersonal hat Grossartiges in all den Jahren geleistet.

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Zum Gottesdienst versammelten sich um den Altar vier Liturginnen und Liturgen. Leider war Thomas Bieger, langjähriger Pfarrer der Spitalgemeinde, krankheitsbedingt verhindert. So sprang Dekan Radoslaw Jaworski ein, an seiner Seite die langjährige Spitalpfarrerin Renate Hauser, die auch die Festpredigt hielt. Susanne Hirsch, Regionalverantwortliche von der katholischen Spital- und Klinikseelsorge, koordinierte den ganzen Anlass und führte kompetent durch die Feier. Pfarrerin Katharina Zellweger trug das Evangelium vor, das mit der Emmaus-Erzählung den Nerv traf: Denn wir alle sind unterwegs, nach Tiefschlägen merken wir erst viel später, dass Gott immer schon mit uns auf dem Weg war, wenn auch verborgen.

Die letzte Kerze brennt

Die anwesenden rund 60 Gäste durften nochmals Fürbitt-Lichter vor der von Schwester Esther Küttel gemalten Marien-Ikone entzünden, die so viele Jahre die Kranken tröstete. Begleitet wurde der feierliche Anlass von der Kirchenmusikerin Annemarie Mattioli und dem Basstuba spielenden Ergotherapeuten Martin Rieder. Eine Extra-Verdankung erhielten für ihre ehrenamtlichen Dienste Familie Hess und Frau Cusak. Sie engagierten sich über Jahrzehnte im Sakristanen- und Lektorinnen-Dienst.

Nochmals waren also alle vereint, als das letzte Mal der Tabernakel geöffnet und die Hostienschale dem Pfarrer von Adliswil übergeben wurde. Ein bewegender Moment. Die ehemalige Spital-Seelsorgerin Edith Weisshar löschte das Ewige Licht.

Neu Obdach für Asylsuchende

Hervorgehoben werden darf die Präsenz der Spitaldirektion mit CEO Markus Bircher und Pflege-Direktorin Jacqueline Bender, samt Stiftungsrat des See-Spitals Horgen und Kilchberg. Die ausgesprochene Wertschätzung und das anschliessende festliche Essen setzten einen würdigen Schlusspunkt der knapp 50-jährigen Geschichte vor Ort. 

Bis Ende 2025 werden nun Asylsuchende in die gepflegten Gebäude einziehen. Das Grundanliegen aller, hier Heilsames auch für Geflüchtete zu ermöglichen, entspricht dem Geist des Standortes.

Die Festbroschüre wird auf der Homepage  der Spitalseelsorge  aufgeschaltet.