Kirche aktuell

Was Gott von der Kirche im 3. Jahrtausend erwartet

Was Gott von der Kirche im 3. Jahrtausend erwartet
Generalsekretär der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ)
Daniel Kosch
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13. November 2015

Während der Familiensynode feierten die teilnehmenden Bischöfe aus aller Welt und Papst Franziskus am 17. Oktober 2015 den 50. Jahrestag der Errichtung der Bischofssynode. Aus diesem Anlass hielt Papst Franziskus eine bemerkenswerte Rede, die weit über den Anlass hinaus von Bedeutung ist und deshalb auch bald einen Monat danach einen Hinweis verdient.

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Einleitend erinnert Franziskus an die wörtliche Bedeutung des griechischen Wortes «Synode», zusammengesetzt aus «syn» was «gemeinsam» oder «miteinander» bedeutet, und «hodos», Weg. Mit «Synodalität» ist nach seinen Worten «die Notwendigkeit und Schönheit des gemeinsamen Vorangehens» gemeint.

In seiner Rede tritt Papst Franziskus tritt für eine Aufwertung der Bischofssynode und der Synodalität in der gesamten Kirche ein.

«Auf diesem Weg müssen wir weitergehen. Die Welt, in der wir leben und die in all ihrer Widersprüchlichkeit zu lieben und ihr zu dienen wir berufen sind, verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung. Genau dieser Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.»

Beeindruckend ist, dass der Papst in diesem Prozess nicht zuerst von der Hierarchie spricht, sondern unten, an der Basis ansetzt. Bei den Getauften, beim Hinhören auf das Volk. Bei den beratenden Organen wie Priester- und Pastoralräten, «die sich manchmal mühselig dahinschleppen». Auf der nächsthöheren Ebene spricht er von den Bischofskonferenzen, bei deren Aufwertung man bisher erst «auf halbem Wege» sei und von einer notwendigen «Dezentralisierung» der Kirche. Und erst dann spricht er von der Weltkirche und der Bischofssynode. Und auch auf dieser Ebene sieht er Reformbedarf. Die Ausübung des Papstamtes müsse «besser geklärt werden», der Papst steht «nicht allein über der Kirche, sondern er steht in ihr als Getaufter unter den Getauften».

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Was das Kirchenbild und das Hierarchieverständnis betrifft, verwendet der Papst ein eingängiges Bild, das davon ausgeht, dass jedes hierarchische Amt ein «Dienstamt» ist. Deshalb befindet sich in der Kirche «der Gipfel wie bei einer auf den Kopf gestellten Pyramide unterhalb der Basis». «Vergessen wir das nie!» ruft er den Mitbrüdern im Bischofsamt zu: die einzige Autorität ist in der Kirche auch heute noch «die Autorität des Dienstes». Dementsprechend erinnert er an den altkirchlichen Grundsatz:

«Was alle angeht, muss von allen behandelt werden».

Wenn kritische Stimmen von der Unvereinbarkeit der schweizerischen Kirchenstrukturen, die von unten nach oben aufgebaut sind, mit der hierarchischen Struktur der Weltkirche sprechen, können sie sich dafür nicht auf Papst Franziskus berufen – denn auch für ihn ist die Basis das Entscheidende, die Hierarchie steht in deren Dienst und die Machtpyramide daher auf dem Kopf.

Diese Bestätigung einer gerade in der Schweiz sehr verbreiteten Vision von Kirche, die dem Volk Gottes an der Basis den Vorrang gibt, ist jedoch keine Absage an ein führungsstarkes Papst- und Bischofsamt, wie Franziskus es gerade mit dieser kraftvollen Rede ausübt. Vielmehr ist es eine Herausforderung, sich auf eine «Dynamik der Gemeinschaft» einzulassen, «die alle kirchlichen Entscheidungen inspiriert». Das sei ein Konzept – so der Papst selbst – «das sich leicht in Worte fassen lässt, aber nicht so leicht umzusetzen ist.»

Ähnlich lautet auch das Fazit von Hermann J. Pottmeyer , dem deutschen Fundamentaltheologen, in seinem knappen Kommentar: «Mit einem Wort: Die von Papst Franziskus in Einklang mit dem letzten Konzil eingeleitete Reform ist nichts weniger als eine Re-volution im ursprünglichen Sinn des Wortes: die Rückkehr zu einer Kirche des Volkes Gottes, die sich vom Kopf wieder auf ihre Füsse stellt. Ob und wieweit sie gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, in welchem Masse sich die dazu eingeladenen von seiner Freude am Evangelium anstecken lassen.»

http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2015/october/documents/papa-francesco_20151017_50-anniversario-sinodo.html

Alle Fotos der Synode in Rom stammen von Andrea Krogmann ( kath.ch) .