Kirche aktuell

Ökumenebrief 1997: Wir bleiben dabei!

Ökumenebrief 1997: Wir bleiben dabei!
Präsident Synodalrat
Benno Schnüriger
Benno Schnüriger war bis Sommer 2018 Präsident des Synodalrats, der neunköpfigen Exekutive der Körperschaft vor. Nach einem Studium der Jurisprudenz an der Universität Zürich arbeitet er als Rechtsberater für öffentliche Verwaltungen. Spielt in einer Combo mit, bikt oft und hört sich gerne gute Musik an.
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14. März 2014

Seit kurzem liegt das Buch «Katholiken im Kanton Zürich, eingewandert, anerkannt, gefordert» vor. Was sich durch die gut 200 Jahre Geschichte wie ein roter Faden hindurchzieht, sind vor allem vier Herausforderungen:

  1. Die Pfarreien und Kirchgemeinden leben vom aktiven Engagement ihrer Mitglieder, auch wenn seit der öffentlich-rechtlichen Anerkennung 1963 den Kirchgemeinden ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
  2. Entscheidend bleibt, wie glaubwürdig wir in der Gesellschaft auftreten und diese Mittel für den Dienst an den Menschen einsetzen.
  3. Der Dialog der Kirchen mit Staat und Gesellschaft und untereinander dient dem Religionsfrieden und dem Wohle der ganzen Bevölkerung. So wäre die institutionelle Entwicklung von Katholisch Zürich ohne gesellschaftliche Kräfte und das Wohlwollen der reformierten Bevölkerung nicht möglich gewesen. Spätestens seit dem Ökumenebrief 1997 wird in den meisten Gemeinden beider Konfessionen die eucharistische Gastfreundschaft in gegenseitigem Respekt geübt. Hinter diese Position können wir nicht zurück.
  4. Wir sind eine Einwanderungskirche . Kamen bis vor kurzem die Einwanderer aus Europa, so kommt heute das weltweite Christentum. Das ist eine Bereicherung und Herausforderung zugleich. Katholisch Zürich nahm das Heft schon immer selbst in die Hand. So kommt, dass wir uns heute von einem Bischof mit Sitz in der grössten Schweizer Stadt Impulse für neue Modelle der Pastoral versprechen und die Schaffung eines Bistums Zürich anregen.

Am Aschermittwoch wurde das fast 300-seitige Werk den Medienschaffenden vorgestellt und mit aktuellen Herausforderungen von Katholisch Zürich verknüpft.

Eingewandert

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich ist eine Einwanderungskirche, die sich unter sehr beengten Verhältnissen institutionell kraftvoll entwickelt hat. Die katholische Bevölkerung wanderte seit 1798 zunächst aus den umliegenden deutschsprachigen Gebieten in den Kanton Zürich ein, später aus Norditalien und seit dem 2. Weltkrieg aus Südeuropa und andern Kontinenten. Sie kamen meist aus ländlichen Kulturen und mussten sich an die Arbeits- und Lebensformen der Industrie- und später der Dienstleistungsgesellschaft anpassen. Heute ist ein Drittel der katholischen Bevölkerung fremdsprachig . Kamen bis vor kurzem die Einwanderer aus Europa, so kommt heute das weltweite Christentum. Das ist eine Bereicherung und Herausforderung zugleich.

Anerkannt

Seit der öffentlich-rechtlichen Anerkennung 1963 kann Katholisch Zürich auf ein solidarisches Kirchenfinanzierungssystem setzen, das einen grossen und nachhaltigen Dienst an den Menschen und der Gesellschaft ermöglicht. Es gilt aber nach wie vor, dass die Kirchgemeinden und Pfarreien vom aktiven Engagement ihrer Mitglieder leben, ohne die sie ihren Auftrag nicht erfüllen können.

Gefordert

Die Kirchensteuer-Initiative gefährdet das Finanzierungssystem , wie es seit 2010 mit dem neuen Kirchengesetz in der Verfassung steht und damit viele kirchliche Leistungen für die Gesellschaft.

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich

Schild
stellt heute einmal mehr die Frage nach einer Neueinteilung der Bistümer in der Schweiz und der Schaffung eines Bistums Zürich.

Seit dem Ökumenebrief ist der reformierten und katholischen Kirche bewusst, dass sie viel mehr verbindet als trennt. Generalvikar Josef Annen : «Hinter die Position einer eucharistischen Gastfreundschaft im Respekt des eigenen Gewissens Katholisch Zürich nicht zurück. Einen Rückschritt, wie es die Schweizer Bischofskonferenz mit einer restriktiven Auslegung der eucharistischen Gastfreundschaft in Erwägung zieht, können wir uns nicht leisten.»

Staat und Kirche wirken in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur zum Wohle derselben Menschen im Kanton Zürich. Dieses Engagement alleine genügt der Kirche nicht. Nur eine Kirche, die sich in Kult und Gottesdienst versammelt, ist Quelle für soziales Handeln und hat Zukunft.