Kirche aktuell

Zürcher Stadtheilige waren Migranten

In der Reformationsstadt Zürich bewegte sich am Gedenktag der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius am 11. September eine eindrückliche Prozession durch das Herz der Stadt. Die koptischen und orthodoxen Glaubensgemeinschaften begingen feierlich das Gedenken an die Zürcher Stadtpatrone. Diese kamen als Christen aus dem heutigen Ägypten und wurden wegen ihres christlichen Glaubens hingerichtet.
11. September 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich / 2 Kommentare

Da staunten so manche Passanten, als eine von Gesang begleitete und farbenfrohe Prozession vom Lindenhof zum Fraumünster und dann über die Münsterbrücke zur Wasserkirche zog. Für einen Moment verlangsamte sich die Hektik der Stadt und machte einer meditativen Stimmung Platz. Was viele nicht gewusst haben dürften: Seit dem 8. Jahrhundert ist in Zürich eine religiöse Feier lebendig, die mit dem Gedenktag der Märtyrer Felix und Regula verknüpft ist.

Festliche Prozession der orthodoxen Kirchen zu Ehren der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius_FOTO_Arnold Landtwing
Festliche Prozession der orthodoxen Kirchen zu Ehren der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius_FOTO_Arnold Landtwing

Von ägyptischen Migranten zu Stadtheiligen

Der Legende nach kamen die Geschwister im 4. Jahrhundert mit der Thebäischen Legion in die Schweiz und flüchteten vom Wallis nach Zürich. Weil sie sich weigerten, dem christlichen Glauben abzuschwören, liess der römische Statthalter sie foltern und auf einem Richtstein köpfen. In der Krypta der Wasserkirche ist dieser Stein heute noch zu sehen. Nach der Hinrichtung, so erzählt die Legende, hätten sie die abgeschlagenen Köpfe noch den Hügel hinaufgetragen. Dort, wo heute das Grossmünster steht, waren ihre Gräber. In späteren Zeiten kam als Diener noch Exuperantius dazu.

Den Glauben auf die Strasse tragen

Das Gedenken an die Märtyrer ist lebendiger denn je. Zu verdanken ist dies den koptischen und orthodoxen Christinnen und Christen in Zürich. Eine farbenprächtige Prozession führte vom Lindenhof zum Fraumünster und über die Münsterbrücke zur Wasserkirche – und erinnert damit an die alte «liturgische Achse». Die Bildergalerie zeigt eindrücklich, wie die Migrantengemeinschaften der orthodoxen Kirchen im Kanton Zürich den Glauben auf die Strasse hinaustragen.

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Prozession: Die ganze Familie ist mit dabei_FOTO_Arnold Landtwing

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Letzte Vorbereitungen für die Prozession_FOTO_Arnold Landtwing

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Ökumenisch vereint und bereit zur Prozession _FOTO_Arnold Landtwing

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Placido Rebelo mit Reliquien der Stadtheiligen_FOTO_Arnold Landtwing

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Die Gläubigen versammeln sich auf dem Lindenhof_FOTO_Arnold Landtwing

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Singend und betend unterwegs_FOTO_Arnold Landtwing

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Ungewohntes Bild: eine Prozession in den Altstadtgassen_FOTO_Arnold Landtwing

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Gesang und Weihrauch erfüllen die Gassen_FOTO_Arnold Landtwing

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Besinnlicher Zwischenhalt im Kreuzgang des Fraumünsters_FOTO_Arnold Landtwing

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Die Legende der Märtyrer Felix und Regula stimmt nachdenklich_FOTO_Arnold Landtwing

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Die alte "liturgische Achse" vom Fraumünster über die Münsterbrücke_FOTO_Arnold Landtwing

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Ein Bild für die Geschichtsbücher: Zwingli als Zaungast der Prozession_FOTO_Arnold Landtwing

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Kinder mit Ikone der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius_FOTO_Arnold Landtwing

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Besinnung vor der Wasserkirche_FOTO_Arnold Landtwing

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Gemeinsames Gebet aller orthodoxen Gemeinschaften in der Wasserkirche_FOTO_Arnold Landtwing

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Orthodoxe Christen aus aller Welt sind zum Fest der Stadtheiligen gekommen_FOTO_Arnold Landtwing

Kommentare 2
Martin Burkart schrieb am
2019-09-12 16:32
Die Zürcher Stadtheiligen waren natürlich KEINE Migranten, sondern Bürger des römischen Reiches, in der Provinz Aegyptus ebenso gut wie in der Provinz Sequania. Der inzwischen inflationäre Gebrauch des Begriffs "Migranten" mag gut gemeint sein, nützt aber überhaupt niemandem etwas.
Arnold Landtwing schrieb am
2019-09-12 16:54
Über die genaue Definition könnte man sich vortrefflich streiten. Insofern sie aus dem nordafrikanischen Raum eine weite Reise (lateinisch: migrare) hinter sich hatten, waren sie im literarischen Sinn Migranten. Obwohl sie auf der Flucht waren, können sie nicht als Flüchtlinge bezeichnet werden, da sie sich (richig angemerkt!) noch innerhalb des römischen Reiches befanden - und die Genfer Flüchtlingskonvention erst rund 1600 Jahre später ratifiziert wurde. Einig sind wir uns wohl nur in einem: Sie kamen aus Ägypten und waren KEINE Zürcher.
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