Kirche aktuell

Kirche und Kommunikation Zwischen Verkündigung und Sprachlosigkeit

«Kirche kommt ohne Kommunikation nicht aus», stellte der Ex-SRF-Journalist Mariano Tschuor im Festvortrag zum Dies academicus der Theologischen Hochschule Chur am 28. Oktober fest. Seine Ausführungen zeigten aber, dass die Kirchenleitung mit kaum einem Thema mehr Mühe habe als eben mit guter Kommunikation.
01. November 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Mariano Tschuor, Ex-TV-Journalist und Präsident der Medienkommission der Bischofskonferenz
Mariano Tschuor, Ex-TV-Journalist und Präsident der Medienkommission der Bischofskonferenz

Tschuors Analyse des gesellschaftlichen Umfelds für kirchliche Kommunikation ist schonungslos: «Wie selten zuvor entfremden sich immer mehr Menschen von der Kirche. Säkularisierung, Pluralisierung und Individualisierung sind zentrale Merkmale eines tiefgreifenen Kulturwandels.» Zeitgleich erlebe die Kirche aber auch eine starke «Zersplitterung in viele Parallel- und Partikularkirchen, die besonders im rechten Lager der Traditionalisten blühen», so der ehemalige TV-Mann, der heute das Benediktinerkloster Mariastein BL in der Kommunikation berät.

Besonders störend sind für ihn die offensichtlichen Dissonanzen in der obersten Kirchenleitung, vor allem unter Kardinälen, Bischöfen und Weihbischöfen: «Wie selten zuvor erleben wir in dieser Vielfalt von Meinungen, Äusserungen und Richtungen mehr Desorientierung und Ratlosigkeit. Und wir vermissen Einordung und Hilfe für eine eigene, persönliche und reife Denkarbeit.»

Neues Magazin als Flaggschiff

In diesen «anspruchsvollen Zeiten» ist guter Rat teuer. Tschuor plädiert für eine Bündelung der Kräfte und schlägt pro Landessprache ein von Bischöfen, Landeskirchen, Ordensgemeinschaften und theologischen Hochschulen gemeinsam getragenes katholisches Wochenmagazin vor. Dies solle als «publizistisches Flaggschiff» die unterschiedlichen Akteure der Kirche zusammenbringen und zu «publizistischer Strahlkraft» verhelfen.

Die Antwort auf die Frage, wie ein solches Flagschiff finanziert und angesichts der divergierenden Kräfte innerhalb der Kirchenleitung realisiert werden könnte, bleibt Tschuor allerdings schuldig. Zumal selbst seit Jahrzehnten etablierte Magazine der grossen Verlagshäuser in der aktuellen Medienkrise grösste Probleme haben, ihre Leser zu halten. Ob die bischöfliche Medienkommission, welche Tschuor präsidiert, das besser machen könnte als die Medienprofis der Grossverlage, müsste sie noch unter Beweis stellen. 

Vielleicht ist aber die Vorstellung eines journalistisch spannenden und publikumswirksamen kirchlichen Wochenmagazins angesichts des dramatischen Inserate-, Abo- und Leserschwunds  der allermeisten Printtitel eine Idee von gestern. 

Auch wenn Tschuor letztlich keine definitive Antworten liefern kann, so lohnt sich die Lektüre seines Vortrags trotzdem. Denn er stellt darin wichtige Fragen. Wir dokumentiern den Festvortrag im Wortlaut.

 

application/pdf Rede Dies Academicus THC Oktober 2019.pdf — 691.8 KB