Kirche aktuell

Denkanstösse zum Missbrauchsskandal

Denkanstösse zum Missbrauchsskandal
Der Pfarreirat Pfäffikon ZH meldet sich zum Thema Missbrauch in der Kirche zu Wort. Eine weitere kirchliche Stimme, welche die verbreitete Erschütterung, den Frust und den Ruf nach konkreten Reformmassnahmen zum Ausdruck bringt. Wir dokumentieren den Wortlaut der „Denkanstösse“ aus Pfäffikon.
24. Mai 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Wir sind erschüttert und schämen uns als Mitglieder des Pfarreirates für die unsäglichen Missbrauchsverbrechen. JEDES missbrauchte Kind, jeder Jugendliche und jede Ordensfrau, die sexueller Gewalt ausgesetzt war, ist an Leib und Seele beschädigt, der Würde beraubt und erfährt unser Mitgefühl.

Was uns nicht nur durch Worte, sondern auch durch Handlungen als Heilig, als Geweiht, als Sakrament vermittelt wurde und wertvoll war, das wurde massenhaft in den Dreck gezogen. Nicht nur durch die klerikalen Täter, sondern auch durch die meist bischöflichen und anderen hochrangigen kirchlichen Vertuscher.

Wenn aber Priester der katholischen Kirche solche Verbrechen begehen, geht uns dies als engagierte Mitglieder der Kirche durch Mark und Bein. Priester sind für eine breite Öffentlichkeit immer noch Repräsentanten für höchstes Vertrauen (Beichtgeheimnis), für grösste Gottesnähe (Geweihte, speziell Berufene und wesentlich von den Laien Unterschiedene!) und gelten als Botschafter eines moralischen Anspruchs (wöchentliche Verkündigung).

Das Priestertum zieht ganz offenkundig Männer mit pädophilen Neigungen an und eröffnet labilen Personen geschützte Räume, Vertrauensbereiche und ein notwendiges Machtgefälle für Übergriffe auf Kinder, Jugendliche und sonstige Schutzbefohlene. (Die meisten Fälle passierten erst 15-20 Jahre nach der Weihe.) Dies nicht zuletzt aufgrund eines zerrütteten Verhältnisses der Kirche zur Sexualität.

Es ist höchste Zeit, dass Bischöfe, Theologen und kirchliche Gruppierungen den Beweis antreten, wie ernsthaft ihre Empörung, Betroffenheit und Abscheu gemeint sind.

Ein Beleg wäre, dass Verantwortliche statt WIR endlich ICH sagen: Statt ‘Wir als Kirche haben Schuld auf uns geladen’: ‘Ich persönlich hätte kritischer hinschauen müssen, um blinde Flecken bei mir und bei Mitbrüdern zu sehen. Ich investiere in Massnahmen, um mich davor in Zukunft zu schützen.’

Es ist doch angesichts der Fakten völlig undenkbar, dass 91 Mitglieder der deutsch-sprachigen Bischofskonferenzen (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie ein Mehrfaches an General- und Bischofsvikaren samt weiteren hochrangigen Verantwortungsträgern in ihrem Zuständigkeitsbereich nichts Konkretes mitbekommen haben.

Konkrete Reformen sind nötig – bis in die DNA der Kirche

Betroffenheit wird auch glaubhaft, wenn alle konkreten Massnahmen sofort auf den Weg gebracht, sämtliche Archive geöffnet und die Laisierung aller Schuldigen sowie aller Vertuscher betrieben werden. So könnten rechtliche Regelungen in einer Diözese durch den Ortsbischof vieles kurzfristig in Gesetzesform bringen, ohne auf weltkirchliche Entscheide zu warten.

Wir fordern umgehend strukturelle, rechtliche, pastorale und persönliche Massnahmen, die bis in die DNA der Kirchenordnung hinein reichen:

  • Kompetente Fachpersonen (Nicht-Kleriker) sollen bei der Zulassung zur Weihe mitentscheiden.
  • Alle Teams und Seelsorgenden erhalten supervisorische Begleitung, in der das Distanz-Nähe-Verhalten sowie blinde Flecken der Einzelnen bewusst gemacht werden.
  • Synodale und demokratische Strukturen werden als Normalität eingeführt; die bisher exklusiv für Kleriker vorgesehenen Organe mit Laiengremien zusammengelegt (Priester-, Seelsorgenden-, Laien-Räte).
  • Die Richtlinien der Schweizerischen Bischofskonferenz werden noch 2019 umgesetzt und rechtlich sanktionierbar.
  • Priester und Priesterkandidaten wählen ihre Lebensform frei vom Zwang zum Zölibat.
  • Frauen werden den Männern gleichgestellt: in der Weihe zu Diakoninnen, in der Zulassung zum Priesteramt und zu allen Stellen in der kirchlichen Hierarchie.
  • Die Kirche überarbeitet ihre Haltung zur Sexualmoral und passt sie der heutigen Lebenswelt an.

Wir haben sehr viel Respekt vor der grossen Mehrheit aller Priester, vor ihrer Persönlichkeit und ihrem Glauben und davor, dass sie unter den herrschenden Rahmenbedingungen dem Klerikalismus nicht anheimgefallen sind. Sie leben auf Augenhöhe mit den anderen Gläubigen und sehen sich im Schulterschluss mit Sündern und Suchenden. Sie repräsentieren unser letztes ‘Hoffnungsbiotop’.

Wir unterstützen die Stellungnahme unserer Seelsorgenden vom 12. April 2019 und alle zeichenhaften Aktivitäten unserer Pfarrei und sind froh darüber.

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