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Zürichs Schutzheiligen auf der Spur (1)

Zürichs Schutzheiligen auf der Spur (1)
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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12. September 2014

Die Glarner kommen! Am Festtag der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula hat sich eine Gruppe von Pilgern zuhinterst im Glarnerland bei der Felix-und-Regula-Quelle auf den Weg gemacht. In vier Tagesetappen pilgern sie nach Zürich. Hier treffen sie Alt-Stadträtin Monika Stocker, die in ihrem neuesten Buch einen Dialog mit historischen Persönlichkeiten — darunter auch Felix und Regula — führt. Ulrike Nitzschke pilgert bereits zum zweiten Mal mit und lässt uns im Blog an jeder Tagesetappe teilhaben. Hier Impressionen von der ersten Tagesetappe von Linthal nach Näfels.

30 Kilometer am ersten Tag – das ist kein Pappenstiel

„Dreissig Kilometer zu Fuss, gleich am ersten Tag – das ist wahrlich kein Pappenstiel“, sagt Marcel am Abend. Der Informatiker weiss, wovon er spricht. Er hat gerade das Ziel seines ersten Pilgertages erreicht. Am frühen Morgen hatten sich die Pilger am Bahnhof Linthal getroffen, einige bereits schon im Zug wieder erkannt, begrüsst und an die Begegnung vor einem Jahr angeknüpft. Da sind sie den Felix-und-Regula-Pilgerweg zum ersten Mal miteinander gegangen.  Mehr als 50 Pilger waren es 2013. In diesem Jahr haben sich gerade mal halb so viele angemeldet. Aber, was freut, so viele reformierte wie katholische. Denn diesen Weg gehen sie gemeinsam. Beginnen ihn an der Felix-und-Regula-Quelle im Tierfehd.

Infotafel Legende Felix und Regula

Informationstafel Felix-und-Regula-Quelle

Und es sind neue Pilger dabei. Dieses Mal sind auch zwei aus Zürich angereist. Wie Marcel. Er hatte im „Forum“ davon gelesen. Dreissig Kilometer zu Fuss über Stock und Stein von Tierfehd im Glarner Süden nach Näfels in Glarus-Nord. Warum tut er sich das an?

„Drei Tage laufen“, erklärt Marcel, das habe ihn gereizt. Das bedeute für ihn, drei Tage über das Leben nachdenken. In anregenden Gesprächen mit anderen auf demselben Weg. Auch mal für ein, zwei Kilometer allein. Dabei das Glarnerland und einige seiner Leute kennenlernen.

Unterwegssein hat Konsequenzen: es verwandelt den Pilger

„Als Glaubende gehen wir unseren Weg“, zitiert Franziskanerbruder Gottfried den Apostel Paulus in der Klosterkirche Näfels am Ende des ersten Pilgertages. Und auf dem Weg sind wir nun mal, solange wir leben. Nicht umsonst sprechen wir vom Lebensweg. „Wir haben keine bleibende Stadt, wir suchen die zukünftige.“ Bruder Gottfried ermutigt: Durch den Glauben finden wir auf den richtigen Weg.

Pilgern

Start zum Pilgerweg FOTO Ulrike Nitzschke

„Wer sich an Jesu Botschaft hält, ist auf dem richtigen Weg. Selbst, wenn uns auch dabei manch‘ Umweg nicht erspart bleibt.“

Ja, und auch nicht manche Strapaze.

Der Franziskaner spricht aus, was sich der eine Pilger wünscht, der andere vielleicht gar befürchtet, wieder ein anderer nicht für möglich hält, noch nicht: „Der Weg verwandelt Sie. Am Ziel werden Sie ein anderer Mensch sein.“

Ja, diese Erfahrung haben einige Pilger im vergangenen Jahr tatsächlich machen dürfen. Ihr Strahlen berichtet davon. Einige haben davon in den vergangenen Monaten geschrieben, erzählt, sind in Kontakt geblieben, haben sich ausgetauscht.

  • Ein neuer Job.
  • Eine neue Wohnung.
  • Eine neue Liebe.
  • Ja, und auch eine Trennung.
  • Und es hat Nachwuchs gegeben unter den Pilgern.

Die Jüngste sass und lag auf dem ersten Pilgerweg noch im Kinderwagen. Dieses Mal läuft sie fröhlich zwischen den Erwachsenen mit den blau-weissen Fähnchen im Rucksack, verteilt stolz die Liedhefte. Nimmt ein jüngeres Mädchen an die Hand. Das ist mit ihrer Grossmama unterwegs, weil die Ankunft des nächsten Grosskindes naht. Um die nächste Pilgergeneration muss uns also nicht bange sein.

Mit den Füssen wandern und mit dem Herzen beten

„Mit dem Abstand vom Wohn- und Arbeitsort können Sie vieles leichter einordnen“, verspricht Bruder Gottfried. Pilgern, das sei für ihn mit den Füssen wandern und mit dem Herzen beten.

„Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf der Suche nach Gott über das eigene Ich stolpern.“

Eine körperlich wie geistig beanspruchende Tätigkeit also, dieses Pilgern.
Der zweite Felix-und-Regula-Pilgerweg hatte ausgerechnet am 11. September begonnen. Am Gedenktag der beiden Märtyrer, die ihren Kopf für ihren Glauben lassen mussten. So die Legende. Und die aktuelle Wirklichkeit bringt uns an den Rand der Verzweiflung. Zweitausend Jahre später ist die Menschheit nicht schlauer geworden. Schlimmer noch. Im ach so aufgeklärten Zeitalter rollen tatsächlich noch immer Köpfe in Glaubenskriegen oder solchen, die dafür gehalten werden sollen.

Ob Wahrheit oder Legende: Felix und Regula sind ein Mahnmal für den Respekt vor Andersdenkenden – hier wie da.  Am 11. September vor zweitausend Jahren, am Nine-Eleven 2001 und heute.

Rauschender Fluss

Linth: von der Quelle zum rauschenden Fluss FOTO Ulrike Nitzschke

Dafür nehmen die zwei Dutzend Pilger die 90 Kilometer nach Zürich unter die Füsse. Das Wasser der Linth begleitet sie. Ihr Rauschen lässt hoffen.

Text: Ulrike Nitzschke