Kirche aktuell

«Wir setzen ein starkes Zeichen für Ökumene und Diakonie»

«Wir setzen ein starkes Zeichen für Ökumene und Diakonie»
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
Author
11. Juni 2014

Das «Wort zum Sonntag» feiert seinen 60. Geburtstag. Zum Jubiläum werden die katholische Theologin Nadja Eigenmann und der reformierte Pfarrer Ernst Sieber am 14. Juni zu den Fernsehzuschauern sprechen. Im Gespräch mit Nadja Eigenmann, die auch als Spitalseelsorgerin tätig ist.

Nadja Eigenmann, das „Jubiläumswort zum Sonntag“ wird anders als üblich über den Bildschirm gehen. Sie sprechen zusammen mit Pfarrer Ernst Sieber zu den Leuten. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich wurde als Sprecherin vom «Wort zum Sonntag» für den 14. Juni eingeteilt und merkte, dass dies nahe am 60. Geburtstag der Sendung liegt. Darum wollte ich etwas Besonderes kreieren. So fragte ich die SRF-Redaktorin Christine Stark, ob Pfarrer Ernst Sieber eingeladen werden könne. Meine Idee war, eine Aussenaufnahme für die Jubiläumsausgabe bei Ernst Siebers Skulpturen zu drehen.

1-_DSC00899nadja_e_skulpturen14_mi Kopie
Die Aufnahmen fanden auf dem Friedhof in Horgen statt: Auf Anhieb nicht gerade ein Ort für ein Jubiläum…

Ernst Siebers Skulpturengruppe «Jesus lebt für uns» steht auf diesem Friedhof. Darum bot sich dieser Ort quasi an. Zudem ist Pfarrer Sieber in Horgen aufgewachsen; ich wohne seit 10 Jahren hier.

Welche Botschaft vermittelt die Skulpturengruppe?

Im Zentrum der Skulpturengruppe ist der gekreuzigte und auferstandene Christus und Johannes der Täufer weist auf ihn hin. Christus vergegenwärtigt genau dort, wo die Erinnerungs- und Ruhestätten von Verstorbenen sind, dass der Tod nicht das Ende ist. Wir Christen glauben an die Auferweckung der Toten.

Pfarrer Sieber hat eigens für das Jubiläum eine neue Skulptur geschaffen: Ein Kind mit leeren Händen. Was soll dieses den Leuten näher bringen?

Die Kinder der Skulpturengruppe wenden sich den notleidenden Menschen zu. Zwei Kinder bringen Brot und einen Fisch, das erinnert an die Speisung der 5000. Das neue Kind geht mit offenen Händen auf die Menschen zu. In seine Hände haben wir etwas gelegt. Wir setzen ein starkes Zeichen für Ökumene und Diakonie.

Sie plädieren für Ökumene. Befürchten Sie keine neue «Eiszeit» zwischen den Konfessionen?

Nein, generell kann ich mir das nicht vorstellen. Zumal die wichtige Abstimmung letzten Monat zur Kirchensteuerinitiative in unserem Kanton gezeigt hat, wie die Kirchen an einem Strick ziehen.
Dass wir in der Jubiläumssendung des «Wort zum Sonntag» zu zweit auftreten, soll betonen: Wir sprechen als Mann und Frau, sind reformiert und katholisch, gehören zwei verschiedenen Generationen an, sprechen Züridütsch und Hochdeutsch. Dies ist ein Sinnbild gelebter Ökumene. Sie soll nicht nur unter uns Christen gelebt werden. Alle Menschen sollen gemeinsam Hand bieten für eine bessere Welt.

Auch Diakonie sei wichtig, betonen Sie und Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber gemeinsam. Können Sie konkrete Impulse zur Diakonie geben?

Diakonie bedeutet: Anderen dienen, sich um sie kümmern und für sie sorgen, helfen und unterstützen. Für mich bedeutet dies, bereit sein, das Naheliegende zu tun. Ich bin beispielsweise 16 Jahre hauptamtlich Mutter und Hausfrau gewesen, auch wenn viele das nicht verstehen. Aber für mich war diese Aufgabe das Naheliegendste. Nun bin ich mit Herzblut Spitalseelsorgerin. Diakonie heisst für mich weiter, Freiwilligenarbeit zu leisten und von dem Geld, das wir als Familie entbehren können, denen etwas abzugeben, die es dringend zum Überleben brauchen.

Wie würden Sie die Arbeit für dieses spezielle „Wort zum Sonntag“  charakterisieren?

Die Vorbereitung war für mich ein spannendes und wertvolles Projekt. Pfarrer Ernst Sieber ist für mich jemand, der Diakonie glaubwürdig lebt.

SONY DSC
Das Interview führte Viviane Schwizer, die Bilder stammen ebenfalls von ihr.