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Wie Vinzenzvereine Menschen in Not unterstützen

Wie Vinzenzvereine Menschen in Not unterstützen
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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12. Mai 2015

Armutsbetroffenen Menschen sporadisch helfen, wenn sie in Not gekommen sind: Das wollen Vinzenzvereine überall in der Schweiz. Im Kanton Zürich gibt es siebzehn aktive Vereine, die je nach Ort unterschiedliche «Spezialitäten» haben.

Man sieht es nicht auf den ersten Blick, manchmal nicht einmal auf den zweiten: Doch auch hierzulande fehlt es Menschen oft am Allernötigsten. Wenn Menschen durch die Maschen aller Sozialnetze fallen, leisten Vinzenzvereine ohne Blick auf Nationalität oder Konfession der Betroffenen unbürokratische Hilfe. Meistens sind die Vereine in den

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Pfarreien beheimatet, wo sie sich nach dem Vorbild von Vinzenz von Paul für Armutsbetroffene einsetzen: Der französische Priester engagierte sich bereits im 16. Jahrhundert caritativ für mittelose Menschen. Ein weiterer Franzose, Frederic Ozanam, trat in seine Fussstapfen und gründete im Jahr 1833 offiziell die Vinzenzvereine. Der im 18. Jahrhundert heilig gesprochene Vinzenz von Paul gilt auch als Begründer der neuzeitlichen Caritas, denn sein Leitsatz war: «Liebe sei Tat».

Verschiedene Armutsfallen

Bestens Bescheid über Vinzenzvereine, weiss die Winterthurerin Anita Mächler, seit einem Jahr Präsidentin der Vinzenzvereine oder Vinzenzkonferenzen (ViKo) im Kanton Zürich und zudem Präsidentin des ViKo in St. Marien, Winterthur, ist. Sie weiss, dass die Gründe, warum Menschen in materielle Not geraten, vielfältig sind. Sachkundig zählt sie auf:

«Eine Person mit kleinem Budget kann eine hohe Zahnarztrechnung nicht bezahlen, ein nötiger Umzug überfordert finanziell oder einer grossen Familie fehlt schlicht das Geld, um ausreichend Lebensmittel zu kaufen».

In Not kommen oft auch sogenannte «working poor» , nicht selten weiter «Secondos» oder allein erziehende Mütter, die neben der Betreuung der Kinder «nur» in Teilzeit arbeiten können.

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Zudem können – manchmal plötzlich auftauchende – gesundheitliche Probleme oder Arbeitslosigkeit in die Armut führen. Auf Gesuch hin bezahlen die Vinzenzvereine darum Beiträge, um den Leuten einen Schritt weiterzuhelfen. Bezahlt werden etwa: Die Miete für ein Kleinbus, der für einen Umzug benötigt wird, der Jahresbetrag für eine Vereinsmitgliedschaft, eine Reise zur Beerdigung eines Familienmitgliedes oder auch Arzt- oder Zahnarztrechnungen. Nicht selten werden über Pfarreisekretariate auch Gutscheine abgegeben, damit Armutsbetroffene im Grossverteiler (Migros) oder in Caritas-Läden Lebensmittel einkaufen können. Die über die Vinzenzvereine abgegebenen Unterstützungen verstehen sich als ein Handbieten in einer Notlage. Es können also nicht regelmässige Beiträge an immer dieselben Leute abgegeben werden. Wer auf andauernde Unterstützung angewiesen ist, muss laut Anita Mächler vom Sozialamt betreut werden.

Unterschiedlich organisiert

Die 17 Vinzenzvereine im Kanton Zürich sind verschieden organisiert. In verschiedenen Pfarreien engagieren sich Freiwillige für die Hilfe für Bedürftige, oft aus Dankbarkeit für die eigene privilegierte Situation, weiter um Benachteiligte konkret unterstützen zu können oder auch um in der eigenen Pfarrei einen wichtigen diakonischen Beitrag zu leisten.
Richten wir noch einmal den Blick auf Winterthur: Die ViKo in St. Marien Winterthur mit fünfköpfigem Vorstand unter Leitung von Anita Mächler bietet nicht nur materielle Unterstützung, sondern «verschenkt auch Zeit», wie die Präsidentin erklärt:

«Viko-Mitglieder besuchen etwa trauernde Angehörige oder ältere Menschen, um mit ihnen zusammen zu sein, zu plaudern oder sich der Not anderer zu öffnen».

In der Adventszeit besuchen ViKo-Mitglieder zusammen mit Mitgliedern der reformierten Kirchgemeinde St. Arbogast Bewohnerinnen und Bewohner des Alterszentrums Oberwinterthur. Weiter engagiert sich die Winterthurer ViKo an Pfarreianlässen. Finanziert wird sie aus Kirchenopfern der Pfarrei-Caritas und aus Spenden. Im vergangenen Vereinsjahr konnte die ViKo Winterthur insgesamt Spenden in der Höhe von 3000 Franken verschenken.

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Beispiel Horgen
Auch in Horgen gibt es einen V inzenzverein (Viko), der in der Pfarrei St. Josef beheimatet ist. Seit fünf Jahren präsidiert Erich Hollenstein den vierköpfigen Vorstand. In Horgen geht es – im Gegensatz zu Winterthur – einzig um materielle Hilfe für Armutsbetroffene: Soziale Aufgaben wie Kranken- oder Betagtenbesuche sowie weitere soziale Aufgaben werden vom Frauen- und Männerverein sowie weiteren Gruppierungen der Pfarrei übernommen. Nach einer Vakanz von zwei Jahren im Sozialdienst der Pfarrei soll nun wieder Sozialbegleitung angeboten werden.
Die ViKO Horgen wurde 1935 initiiert und leistet seither diese spezifische «vinzentinische Hilfe» nach dem Gründer Vinzenz von Paul. Im Jahr 2014 wurde sie in Horgen insgesamt 29mal aktiv, wobei sie für die beantragte Nothilfe dreimal einen abschlägigen Bescheid abgegeben werden musste. Insgesamt wurden knapp 12´000 Franken an Unterstützungen ausgerichtet: Davon profitierten 14 Einzelpersonen, 2 Familien, ein Paar, wobei zudem noch drei kleine Projekte von einer Ausschüttung profitierten.
Sowohl in Horgen, in Winterthur, in den weiteren Vinzenzvereinen im Kanton Zürich und auch schweizweit wird die Zusammenarbeit mit andern sozialen Institutionen hochgehalten. Damit wird einerseits garantiert, dass armutsbetroffene Personen nicht an jeder Tür Unterstützungsbeiträge bekommen, andererseits dass Personen mit spezifischen Problemen auch an die richtige Institution weitergewiesen werden können.

Text und Fotos: Viviane Schwizer