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Urdorf und die Kirchensteuerinitiative

Urdorf und die Kirchensteuerinitiative
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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12. Mai 2014

Beschaulich in die Landschaft eingebettet liegt sie, die Gemeinde Urdorf. Eine von 170 Zürcher Gemeinden, in der am 18. Mai 2014 über die Kirchensteuer-Initiative «Weniger Steuern fürs Gewerbe» abgestimmt wird. Gleich hinter dem Bahnhof empfangen den Besucher bunt bemalte Menschen aus Pappe und machen auf das Dorffest aufmerksam, welches am Abstimmungswochenende steigt. Ein lebendiges Dorf mit einem intakten Gemeinschaftssinn, so scheint es. Belegen tun dies auch Zahlen von 2013: Gut zwei Drittel der 9’412 Einwohner von Urdorf sind Mitglieder einer der drei Landeskirchen.  Zu Besuch bei der grössten Kirchgemeinde, der römisch-katholischen – eine Woche vor der Abstimmung.

Rotstift-Szenarien

Beschäftigen tut die Initiative alle Menschen rund um die Pfarrei des heiligen Bruder Klaus. Zu einschneidend wären die Folgen für die Pfarrei und das Dorf. Deshalb organisierte die Pfarrei zusammen mit den reformierten Kirchen im Januar einen Veranstaltungszyklus rund um das Thema und Ende April haben die Pfarreinagehörigen ein Schreiben erhalten, welches auf die Folgen der Initiative aufmerksam macht.

Die Kirchenpflege hat sich mit möglichen Spar-Szenarien beschäftigt. Robert Eigenmann, in der Kirchenpflege für das Personal zuständig, spricht von rund einem Drittel weniger Einnahmen:

«In beinahe sämtlichen Bereichen müssten Angebote abgebaut werden.»

Wie breit das Wirkungsfeld der Pfarrei ist, zeigt ein Blick auf das Budget: So finanziert die Kirchgemeinde zum Beispiel die Hälfte der offenen Jugendarbeit, sie organisiert Altersnachmittage, den Chor, betreibt die Pfadi, verfügt über eine aktive Gruppe von 40 Ministranten, unterstützt Vereine im Dorf, leistet Sozialhilfe, Seelsorge für Kranke und Sterbende, unterhält von allen genutzte Liegenschaften und vieles mehr. Dass hinter diesen Angeboten stets Mitarbeitende stehen, ist dabei selbstredend.

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Sakrale Aufgaben bleiben auf der Strecke

Auch Pfarrer Max Kroiss stehen die Sorgenfalten ins Gesicht geschrieben, wenn er an die sinnstiftende Arbeit der Kirche denkt, die bei einem Ja in dieser Form nicht mehr weitergeführt werden könnte.

Ganz klar betroffen wären für ihn auch die kultischen Handlungen, die nicht mit Steuermitteln finanziert werden:

«Entweder müssen aufgrund der Einsparungen Pfarreien zusammengelegt werden, das heisst weniger Priester kümmern sich um mehr Mitglieder; oder unsere Pfarrei bleibt bestehen, jedoch bliebe weniger Zeit für die Seelsorge und die Sakramente, weil ich zusätzliche Aufgaben wahrnehmen müsste».

Die Kirche trage eine ethische Sorge um den Menschen, kümmere sich um Menschen von deren Geburt bis zu ihrem Tode, meint Pfarrer Kroiss. Für ihn übe die Kirche eine gemeinschaftsbildende Funktion aus. Ein für unsere Gesellschaft nicht zu vernachlässigender Faktor. Dabei, ergänzt Robert Eigenmann, sei die Steuer bei einem Anteil von zirka 4,5 Prozent der Gesamtsteuern für das Gewerbe eine verkraftbare Ausgabe. In Urdorf lehne denn auch die Mehrheit der Gewerbler die Initiative ab: Nicht zuletzt profitiere diese von der Arbeit der Kirche und ihren Aufträgen.

Für Robert Eigenmann und Max Kroiss ist klar, in der heutigen Form könnte die Pfarrei nicht bestehen bleiben. Auf Alternativen angesprochen, winken beide ab: Von «Externen» Geld für die Nutzung der Gebäude zu verlangen oder mehr Angebote nur mit ehrenamtlichen Helfern zu stemmen, das wäre ein Tropfen auf den heissen Stein.

Kirchen: Gemeinsam am «Urdorffäscht 2014»

Ganz Urdorf ist im Mai auf den Beinen, wenn nach 20 Jahren erstmals wieder das Dorffest stattfindet. Gleich an zwei Wochenenden, vom 15. bis 18. und vom 22. – 25. Mai, erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Mit dabei sind auch die Kirchen:  Am ersten Wochenende bietet der Stand der Römisch-Katholischen Pfarrei und der Reformierten Kirchgemeinde Gelegenheit für Begegnungen. Zum Abschluss gestalten die Kirchen am 25. Mai gemeinsam mit dem Duo Birkenmeier den ökumenischen Gottesdienst.

www.urdorffaescht.ch und www.kath-urdorf.ch