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Ferien mit Schwester Sonne und Bruder Mond

Ferien mit Schwester Sonne und Bruder Mond
Behindertenseelsorge
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21. Juli 2015

21 Feriengäste und deren 14 Assistent_innen freuten sich auch dieses Jahr auf eine fröhliche und zugleich abwechslungsreiche Ferienwoche mit der Behindertenseelsorge in Delémont . Marianne Federer war mit dabei und lässt uns mit ihrem Erzählen teilhaben.

Centre Saint François in Delsberg

Anna Wörsdörfer erwartet uns, vollgepackt mit vielen guten Ideen, mit inspirierenden Texten, und mit einem eigens für die diese Woche gestalteten Liederbüchlein und begrüsst uns alle ganz herzlich. Bereits am Samstagnachmittag treffen wir uns zu einer originellen musikalischen Vorstellungsrunde in unserem grossen „Arbeitszimmer“ und Anna führt uns in unser Wochenthema „Franziskus von Assisi“ ein.

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Franz von Assisi lebte etwa von 1181 bis 1226 nach Christus. Er wuchs in einer reichen Kaufmannsfamilie auf, wurde später Offizier und führte ein gutes Leben. 1202 gab es Krieg zwischen der Stadt Assisi und Perugia. Franziskus geriet in Gefangenschaft, hatte viel Zeit nachzudenken und beschloss nachher in Armut und für die Nächstenliebe zu leben und Jesus nachzueifern.

Das inhaltliche Thema für unsere Besinnungswoche war der „Sonnengesang von Franziskus“ : „Laudato si, Bruder Sonne, Schwester Mond und Sterne, Bruder Wind, Schwester Wasser, Bruder Feuer und Bruder Tod“.

Der Sonnengesang als Programm

Genau diese sechs Elemente sollen uns die nächsten sechs Tage näher beschäftigen. Und so beginnen wir jeden Morgen nach unserem reichlichen Frühstück um 09.30 Uhr mit dem Morgenlob in der Hauskapelle. Vielen von uns Gästen, aber auch vielen Assistent_innen ist dieser wunderschöne Ort bereits vertraut.  Anna Wörsdörfer und auch Ines Bolthausen, die etwas später als Co-Leiterin zu uns gestossen ist, führen uns so gemeinsam ins jeweilige Tagesthema ein. Passende Lieder, begleitet mit Gitarre und Querflöte, ertönen so bald. Aber auch Gäste oder Assistent_innen melden sich gerne  zu Wort und mit einem kurzen Segen bereiten wir uns auf das kommende Tagewerk vor.

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Im Saal wird nachher das Thema wieder aufgenommen. Gäste und Assistent_innen sitzen in einem grossen Kreis. Anna breitet meist ein grosses (Erzähl)-Tuch (gelb, blau, braun oder rot) aus. Anna spricht das Tagesthema an und wir alle vertiefen es mit eigenen Gedanken und arbeiten freudig mit.

Viele bringen sich ein, getrauen sich auch mal vor allen etwas zu sagen, lernen aber auch anderen, stilleren Kameraden den Vortritt zu lassen, dürfen auch persönliche Erlebnisse einbringen usw. Es entsteht oft ein sehr lebhafter Dialog.

Anna fordert uns aber ebenfalls auf, Gedanken mit vielen kleinen Gestaltungsmaterialien aus Holz und Filz zu formen und individuell und kreativ darzustellen.  Jeder kann der eigenen Fantasie freien Lauf lassen und so entstehen wirklich gemeinsam erstellte Kunstwerke, die allen immer wieder viel Spass machen und so meistens noch bis zum Ende des Tages liegen bleiben.

Schlendern und Geniessen in Delsberg

Nach dem Mittagessen, während die einen die lange Mittagspause für ein Schläfchen nutzen, besuchen andere das schmucke Städtchen Delémont, mit dem für mich speziell westschweizerischen Einschlag. Oder sie freuen sich riesig, zusammen mit ihrem Assistent_innen etwas Schmuckes zu posten und später mit ihrer Begleitung oder in einer geselligen Runde etwas zu trinken.

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Zudem arbeitet eine gelernte Masseurin als Assistenz mit und offeriert jedem Gast und jedem Assistenten eine wohltuende Massage von dreissig Minuten. Diese ist sehr, sehr wohltuend!

Nach dem Nachtessen, ca. 20 Uhr treffen sich meistens alle nochmals für das „Abendlob“ in der Hauskapelle. Wir danken gemeinsam Gott für den guten Tag. Auch hier melden sich vielfach Gäste und Assistent_innen zu Wort. Wir singen gemeinsam thematisch passende Lieder und Anna und Ines behalten sich vor, uns jeweils eine Legende von Franziskus zu lesen. Sie vertiefen das Tagesthema und bringen uns auch zum Schmunzeln.

Morgen und Abendlob geben dem Tag Rhythmus

Morgen- aber auch Abendlobe werden gerne genutzt, hier kann jedermann ganz klein, individuell etwas mitgestalten.

Jemand streift ein Klangspiel, so dass liebliche Töne erklingen, eine Triangel wird geschlagen oder man legt zusammen mit dem Assistent_innen etwas Symbolisches vor den Altar. So spielte Nadine ein Musikstück auf dem Klavier und so betet Blanka für uns das „Vater unser“ auf ganz andere Weise: Alle Bitten des Gebetes sind aufgeschrieben wie ein Telefongespräch mit Gott. Der Text wird als Dialog vorgetragen, auf eine Art witzig, aber doch auch nachdenklich und tiefgründig.

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Oft treffen sich nach dem Abendlob einige Teilnehmer noch in unserem Gruppenraum. Einige widmen sich ganz versessen dem Puzzeln und ihr Bild wächst stetig. Andere setzen sich zusammen für ein Spiel. Doch die Meisten, wie auch ich, sind eher müde vom abwechslungsreichen Tag und verabschieden sich gerne so gegen 22 Uhr ins Bett.

Erlebnisreiche Nachmittagshöhepunkte

Schon am Sonntagnachmittag begeben wir uns alle ins wunderschöne, französisch angehauchte Städtchen. In einem Gartenrestaurant an einem grossen, langen Tisch serviert der Kellner allen ein kühles Glacé oder einen Drink. An einem anderen Nachmittag zeigt uns Anna einen Film über Franziskus, der viel von uns auch sehr beeindruckt und uns so wieder Gesprächsstoff vermittelt.

Eine Car-Fahrt in den Basler Zoo steht ebenfalls an einem Nachmittag im Programm. In kleinen Gruppen oder auch nur zusammen mit unseren Assistent_innen können wir ganz verschiedene und vor allem unsere speziellen Lieblingstiere beobachten.

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Am Dienstagnachmittag (Tagesthema Wasser) machen wir eine Kneippkur. Draussen in der wunderschönen Parkanlage werden verschiedene Planschbecken aufgestellt. Gäste sowie Assistent_innen rädeln die Hosen hoch, ziehen die Socken aus, und tauchen ihre Beine mit grosser Freude ins kühle Nass. Barfuss spazieren verschiedene Teilnehmer durch die, manchmal eben auch steinige Parkanlage, spritzen sich an und geniessen den sommerlichen (fast) Badeplausch.

Olympiade

„Wir machen am Nachmittag eine Olympiade!“ verkündet Ines voll Begeisterung noch vor dem Mittagessen. „Wo, wie, was?“ fragen sich viele und auch ich. Wir sind aber echt begeistert und neugierig! Später werden wir in vier, möglichst gleich grosse und gleich starke Gruppen aufgeteilt und haben alle vier Posten zu absolvieren.

  • Büchsenwerfen
  • Feuer (Tagesthema) mit vielen farbigen Holzwürfeln zusammenstellen
  • Ballwurf in einen Korb werfen
  • und bei Anna einige Fragen, (alle im Zusammenhang mit unserer Woche) beantworten.

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Ein Fragebogen wird ausgefüllt und so stossen wir später bei den markierten Buchstaben auf das Lösungswort „Franziskus“.

Alle Resultate werden von den Schiedsrichtern genau notiert, von den „Feuerbildern“ wird ein Foto mit einer Schnellkamera geschossen und ein Aussenstehender entscheidet hier die Rangliste. Die Rang-Verkündigung erfolgt anderntags und alle haben sehr gut abgeschnitten.

Himmelslaternen tragen Grüsse zu den Liebsten

An einem sternenklaren Sommerabend werden alle aufgefordert, Grüsse an unsere jeweils Liebsten zu Hause (oder im Himmel) auf eine Ballonhülle zu schreiben. Farbstifte werden verteilt und es beginnt ein eifriges Zeichnen, Malen und Schreiben auf die weissen Himmelslaternen. Die meisten von uns, darunter auch ich, kennen diese Art von Ballons nicht.  Und so kommt es, dass Anna und ein oder zwei Assistent_innen helfen, die Zündvorrichtung, die in jeder Himmelslaterne eingebaut ist, anzuzünden und sie ganz vorsichtig in den wolkenlosen Himmel aufsteigen zu lassen.

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Staunend stehen wir vor dem Hausplatz und verfolgen jeden Ballon und somit auch unsere persönlichen Wünsche und Bitten. Wir erkennen woher der Wind kommt und verfolgen die Himmelslaternen bis sie nicht mehr zu sehen sind.

Von der leeren Leinwand zum Kunstwerk

Als krönender Abschluss wird uns Gästen eine leere Leinwand überreicht. Wir werden aufgefordert, jedes von uns, seine Lieblingseindrücke von der zu Ende gehenden Woche zu malen. Wasserfarben und Pinsel, alles wird vielseitig verteilt.

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Viele beginnen sofort zu malen, einige zögern noch etwas wie ich. Anna und andere Assistent_innen stehen uns beratend zu Seite und bringen uns oft noch auf gute Ideen. „Welcher Teil des Sonnengesanges hat Dich am meisten angesprochen oder berührt?“ Und sage und schreibe, nach etwa anderthalb Stunden, haben wir eine vielfältige, wunderschöne Bilderausstellung vor uns. Jedes Bild ist ganz anders und sehr individuell. Einige Kunstwerke des „Sonnengesanges“ wird Anna sogar für eine kurze Zeit als Leihgabe in der Behindertenseelsorge in Zürich ausstellen.

Jemand, der in dieser Woche nicht für alle sichtbar, aber für viele doch wohltuend von früh bis spät mitwirkte, war unsere fachkundige und liebevolle Pflegefachfrau Beatrice Schär. Ohne sie hätten viele nicht mitkommen können. Ihr Dienst war auch für Assistent_innen in der Pflege ganz besonders hilfreich und wichtig.

Ich bin mir ganz sicher, es war für jeden Gast ein ganz persönliches Highlight und viele freuen sich schon auf das Wiedersehen 2016 in Delémont oder … mein Delsberg.

Text: Marianne Federer

Fotos: Markus Signer