Kirche aktuell

Pride Schabbat «Zwischen Zugehörigkeit und Ausgrenzung»

Im Pride Month Juni geht es bunt zu und her. Zahlreiche Veranstaltungen der Zurich Pride sorgen für Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft und ihrer Vielfalt. Mit dabei sind auch religiöse Gemeinschaften, die sonst eher traditionell auftreten. Darunter reformierte und katholische Kirche sowie die jüdische Glaubensgemeinschaft mit Queers gegen Antisemitismus, die gleich vier Happenings organisieren.
11. Juni 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

In den meisten Religionen gibt es einen fundamentalistischen und einen progressiven Flügel sowie eine gemässigte Mitte. Auch das progressive Judentum war nicht sofort offen für die moderne Schwulen- und Lesbenbewegung, die ihren Anfang in der Revolte in einer New Yorker Schwulenbar im Juni 1969 nahm.

Erst 1974 wurde eine schwul-lesbische jüdische Gemeinde in den progressiven Dachverband der USA aufgenommen. Ab den 80er Jahren stellten progressive Synagogen offen homosexuelle Rabbinerinnen und Rabbiner an. Seit den späten 90ern sind gleichgeschlechtliche Trauungen in progressiven Synagogen möglich und Kinder aus Regenbogenfamilien werden uneingeschränkt in den Religionsunterricht aufgenommen.

In der Schweiz bewegt sich etwas

Die Schweiz hinkt diesen Entwicklungen 30 bis 50 Jahre hinter her. So organisierte die Jüdische Liberale Gemeinde (JLG) Zürich, die der World Union for Progressive Judaism angehört, erst 2002 einen Ausspracheabend unter dem Motto «Gleichgeschlechtliche Paare und liberales Judentum». Das aber auch nur, weil der Gemeinderabbiner das kantonalzürcherische Partnerschaftsgesetz offen unterstützte. Nochmals 20 Jahre später, also 2022,  fand in der liberalen Synagoge ein Queer Spirit Gebet statt. Im gleichen Jahr nahm die JLG mit einer kleinen Delegation zum ersten Mal an der Zurich Pride teil - und knüpfte so an die Revolte von 1969 an. Queere liberale Juden geniessen in ihren Gemeinden wie auch in Schwulen- und Lesbenvereinen seitdem auch in der Schweiz eine höhere Akzeptanz.

Mit einem Mal ist vieles anders

Das änderte sich mit der Eskalation der Situation zwischen Israel und Palästina nach dem 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg. Der Antisemitismus ist seitdem nicht nur in der Schweiz deutlich angestiegen. Die registrierten antisemitischen Vorfälle haben einen historischen Peak erreicht und sind im Vergleich zu den Vorjahren um fast 300 Prozent höher. 

In diese Stimmung hinein wurden im Frühjahr 2024 die Vereine «Queers gegen Antisemitismus» und «Keschet» – Hebräisch für Regenbogen – geboren. Ziel von Keschett ist es, sich für das Wohl und die Rechte queerer Menschen im jüdischen Raum sowie für das Wohl und die Sicherheit jüdischer Menschen im queeren Raum einzusetzen. Die Veranstaltungen auf der Zürich Pride in enger Zusammenarbeit mit der JLG sowie dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund sollen dieses Ziel unterstützen, aufklären und helfen Brücken zu bauen.

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Mit Begegnung gegen Vorurteile

Den Einstieg in die vierteilige Veranstaltungsreihe macht die multireligöse Schabbat-Feier am 12. Juni in der Jüdisch Liberalen Gemeinde. Nach dem traditionellen Schabbatbeginn-Gottesdienst mit einem Rabbiner, einem Imam, einem reformierten Pfarrer und einem katholischen Seelsorger findet ein vegetarisches Gemeindeessen statt. Menschen aus unterschiedlichen Religionsgemeinschaften teilen ihre Erfahrungen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung innerhalb der religiösen wie auch queeren Community. Der Abend findet seinen Ausklang im gemeinsamen Singen von Liedern.

In den kommenden Wochen, bis Ende des Pride Month Juni, finden noch weitere Veranstaltungen statt, die aufklären und so mit Begegnungen gegen Antisemitismus vorgehen sollen – insbesondere Prides, Strassenfeste und andere Aktivitäten.

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Auch die Reformierte und Katholische Kirche im Kanton Zürich sind in diesem Jahr wieder auf der Zurich Pride vertreten. Am 21. Juni findet im Grossmünster erneut der traditionelle ökumenische Pride Gottesdienst statt. Zwischen 14 und 16 Uhr wird unter dem Motto «Willkommen sein schafft Zukunft» zusammen gefeiert.