Gedenkanlass im Münsterhof und am Universitätsspital «Wir tragen einander gegenseitig»
«Jüdische, christliche und islamische Vertreter sind heute anwesend», eröffnete der reformierte Pfarrer Johannes Block den Trauergottesdienst in seiner Kirche, dem Fraumünster. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, alle waren gekommen, um der Brandkatastrophe von Crans-Montana zu gedenken. Jener Opfer - vorwiegend junge Leute - die unbeschwert Silvester feiern wollten, und durch ein Feuer so abrupt in ein Inferno gestürzt wurden. 40 mussten ihr Leben lassen, über 100 kämpfen im In- und Ausland noch um ihr Leben.
Fünf Minuten zum Gedenken
Der Bundesrat hatte den 9. Januar zusammen mit den Kirchen als nationalen Trauertag ausgerufen. Schweizweit läuteten die Glocken um 14 Uhr für fünf Minuten, in Verbundenheit mit den Opfern und den Angehörigen. Aber auch als Dank für die Rettungskräfte, das medizinische, psychologische, seelsorgerische Personal sowie für die Politikerinnen und Politker, wie Pfarrer Block weiter ausführte.
Als Vertreter der römisch-katholischen Kirche sprach Luis Varandas tröstende Worte zu den Anwesenden; nach ihm der Imam Muris Begovic und schliesslich der Rabbiner Noam Hertig.
«Nehmt einander an den Händen», lautete die Aufforderung, «und haltet einander für eine Schweigeminute lang.» Schweigen sei ein lautes Zeichen, ein sehr lautes Zeichen für Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung.
Niemand blieb unberührt. Unter den Gästen war auch Synodalratspräsident Raphael Meyer, nebst der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und Regierungsrätin und Religionsministerin Jacqueline Fehr.
Schweigeminute am Spital
Auch am Universitätsspital (USZ), wo mehrere Brandopfer noch um ihr Leben kämpfen, wurde der nationale Gedenktag begangen. Die Spitalkirche war bis kurz vor 14 Uhr geöffnet; mehrere Spitalseesorgende, darunter die katholische Vertreterin Esther Stampfer und ihr reformierter Kollege Emanuel Graf, sprachen kurze Impulse. Auf einem Tisch durften die Besucherinnen und Besucher Zettel beschriften, um ihre Wut, Trauer und ihr Unverständnis niederzuschreiben.
Kurz vor 14 Uhr strömten wie aus dem Nichts Hunderte von Mitarbeitenden zusammen: Teams aus der Nuklearmedizin, Physiotherapie, Transportdiensten, Ärztinnen und Ärzte, Pflege- und Reinigungspersonal - sie alle, die dieser Tage fast ohne Unterbruch die Notversorgung der Opfer garantieren. Auf dem Pavillon kamen sie zusammen, um für eine kurze Zeit zu schweigen. Wie Seelsorgerin Esther Stampfer später sagt: «Es ist sehr bewegend zu erleben, wie auch die betroffenen Familien einander tragen. Und Wege finden, sich mit der Situation zu arrangieren.»
Vor dem Fraumünster wurden zahlreiche Blumen niedergelegt. Foto: Manuela Moser
Vor dem Fraumünster wurden zahlreiche Blumen niedergelegt. Foto: Manuela Moser
Besammlung auf dem Münsterhof. Foto: Manuela Moser
Besammlung auf dem Münsterhof. Foto: Manuela Moser
Zahlreiche Vertreter des Stadtrates zusammen mit Religionsvertretern (3. v.r: Luis Varandas). Foto: Manuela Moser
Zahlreiche Vertreter des Stadtrates zusammen mit Religionsvertretern (3. v.r: Luis Varandas). Foto: Manuela Moser
Auch am Unispital, wo einige der Brandopfer untergebracht sind, wurde ein Gedenkanlass durchgeführt. Foto Sabine Zgraggen.
Auch am Unispital, wo einige der Brandopfer untergebracht sind, wurde ein Gedenkanlass durchgeführt. Foto Sabine Zgraggen.
Der reformiert Seelsorger Emanuel Graf (links) und die katholische Seelsorgerin Esther Stampfer (rechts), die durch das Ritual am Unispital führten. Auch die anwesenden muslimischen Seelsorge-Kolleginnen und Kollegen zeigten sich betroffen. Foto: Sabine Zgraggen
Kommentare anzeigen