Kirche aktuell

Gedenkanlass im Münsterhof und am Universitätsspital «Wir tragen einander gegenseitig»

Ein starkes Zeichen der Verbundenheit: Vertreter verschiedener Religionen feierten gemeinsam den Gedenkgottesdienst in der Fraumünsterkirche. Auch am Unispital (USZ), wo viele Opfer noch um ihr Leben kämpfen, wurde die Schweigeminute eingehalten.
09. Januar 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

«Jüdische, christliche und islamische Vertreter sind heute anwesend», eröffnete der reformierte Pfarrer Johannes Block den Trauergottesdienst in seiner Kirche, dem Fraumünster. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, alle waren gekommen, um der Brandkatastrophe von Crans-Montana zu gedenken. Jener Opfer - vorwiegend junge Leute - die unbeschwert Silvester feiern wollten, und durch ein Feuer so abrupt in ein Inferno gestürzt wurden. 40 mussten ihr Leben lassen, über 100 kämpfen im In- und Ausland noch um ihr Leben. 

Fünf Minuten zum Gedenken

Der Bundesrat hatte den 9. Januar zusammen mit den Kirchen als nationalen Trauertag ausgerufen. Schweizweit läuteten die Glocken um 14 Uhr für fünf Minuten, in Verbundenheit mit den Opfern und den Angehörigen. Aber auch als Dank für die Rettungskräfte, das medizinische, psychologische, seelsorgerische Personal sowie für die Politikerinnen und Politker, wie Pfarrer Block weiter ausführte.

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Luis Varandas im Fraumünster beim Traueranlass für Crans-Montana. Foto: Manuela Moser

Als Vertreter der römisch-katholischen Kirche sprach Luis Varandas tröstende Worte zu den Anwesenden; nach ihm der Imam Muris Begovic und schliesslich der Rabbiner Noam Hertig.

«Nehmt einander an den Händen», lautete die Aufforderung, «und haltet einander für eine Schweigeminute lang.» Schweigen sei ein lautes Zeichen, ein sehr lautes Zeichen für Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung.

Niemand blieb unberührt. Unter den Gästen war auch Synodalratspräsident Raphael Meyer, nebst der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und Regierungsrätin und Religionsministerin Jacqueline Fehr.

Schweigeminute am Spital

Auch am Universitätsspital (USZ), wo mehrere Brandopfer noch um ihr Leben kämpfen, wurde der nationale Gedenktag begangen. Die Spitalkirche war bis kurz vor 14 Uhr geöffnet; mehrere Spitalseesorgende, darunter die katholische Vertreterin Esther Stampfer und ihr reformierter Kollege Emanuel Graf, sprachen kurze Impulse. Auf einem Tisch durften die Besucherinnen und Besucher Zettel beschriften, um ihre Wut, Trauer und ihr Unverständnis niederzuschreiben.

Kurz vor 14 Uhr strömten wie aus dem Nichts Hunderte von Mitarbeitenden zusammen: Teams aus der Nuklearmedizin, Physiotherapie, Transportdiensten, Ärztinnen und Ärzte, Pflege- und Reinigungspersonal - sie alle, die dieser Tage fast ohne Unterbruch die Notversorgung der Opfer garantieren. Auf dem Pavillon kamen sie zusammen, um für eine kurze Zeit zu schweigen. Wie Seelsorgerin Esther Stampfer später sagt: «Es ist sehr bewegend zu erleben, wie auch die betroffenen Familien einander tragen. Und Wege finden, sich mit der Situation zu arrangieren.»

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