Personalverantwortlicher Urs Länzlinger im Gespräch «Gemeinsam dem zunehmenden Personalmangel begegnen»
Was inspiriert dich in deiner täglichen Arbeit mit Seelsorgenden, Religionspädagoginnen, Priestern und Diakonen?
Urs Länzlinger: Die persönlichen Begegnungen mit unserem pastoralen Personal, mit Frauen und Männern, die sich mit Herzblut für unsere Kirche einsetzen. Sie sind unsere wertvollste Ressource. Ich versuche sie in meiner Funktion als Personalverantwortlicher in ihrer Personalentwicklung zu unterstützen, ihre Sorgen und Nöte ernst zu nehmen und Support anzubieten.
Welche Herausforderungen begleiten dich derzeit?
Das Ergebnis des professionellen Personalmonitorings des Bistums Chur, das wir zusammen mit den sieben kantonalen Körperschaften der Biberbrugger Konferenz im Jahr 2024 erarbeitet haben, welches voraussagt, dass 43 Prozent des pastoralen Personals in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen wird. Die gute Botschaft ist, dass beim verbleibenden Personal eine grosse Bereitschaft zu Übernahme von zusätzlicher Verantwortung und zur Weiterbildung besteht.
Wie geht ihr mit diesen Resultaten nun um?
Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip sind zunächst die Verantwortlichen der Kirchgemeinden, der Pfarreien und Dienststellen gefordert. Auf kantonaler Ebene haben wir uns von der externen HR-Firma Avenir beraten lassen und hatten deshalb für ein halbes Jahr mit Andrea Richenberger eine professionelle HR-Flexworkerin mit externem Blick an unserer Seite. Mit ihr haben wir vielfältige grössere und kleinere HR-Massnahmen ausgearbeitet. Bei sieben Massnahmen sind wir bereits gemeinsam mit dem Personalbereich der Körperschaft dran an der Umsetzung.
Gibt es eine Stossrichtung?
Wir wollen schlummernde Berufungen für kirchliche Dienste und Aufgaben wecken und entdecken helfen und unsere Attraktivität als sinn- und werteorientierte Arbeitgeberin «Katholische Kirche im Kanton Zürich» noch sichtbarer machen. So ist auf unserer Website zhkath nun auch eine Jobbörse prominent auffindbar.
Was weiter?
Gemeinsam mit den anderen Bistümern läuft nun der «Studiengang Seelsorge» an. Für Quereinsteigende soll es einfacher werden, das notwendige Studium auch berufsbegleitend anzustreben. Gemäss dem Bistumsparadigma der «vernetzten Kollaboration» arbeiten wir eng zusammen mit allen Beteiligten, insbesonder mit dem Regens - dem Ausbildungsleiter des Bistums Chur -, den entsprechenden Ausbildungs- und Fachstellen und dem Theologisch-pastoralen Bildungsinstitut (TBI) sowie mit dem Personalbereich des Synodalrats.
In einer kürzlichen Mail aus der Personalabteilung des Synodalrats war die Rede von Kompakt- beziehunsweise Mikroschulungen für die Personalverantwortlichen der Kirchenpflegen, Pfarrer, Pfarreiadministratoren, Pfarreibeauftragte und Stellenleitende.
Über das zusätzliche Angebot als Ergebnis der Beratung durch die HR-Flexworkerin mit Erfragung der Bedürfnisse der Personalverantwortlichen freuen wir uns besonders. Es ergänzt die bisherigen Kurse der Personalförderung und möchte die staatskirchlichen und kirchlichen Verantwortlichen der anspruchsvollen Aufgabe im Personalbereich zusätzlich unterstützen und ihnen auch die Möglichkeit des Austausches bieten. Die Kompaktschulungen finden jeweils an einem Abend im Centrum 66 in Zürich statt und dauern zirka zwei Stunden.
Nicht alle haben am Abend nebst ihren anderen Tätigkeiten noch Zeit für Weiterbildungen.
Deshalb sind die Sequenzen mit jeweils verschiedenen Themen aus dem Personalbereich auch so kurzgehalten. Meistens ist eine virtuelle Teilnahme möglich. Dieses Zusatzangebot ist in Kooperation zwischen Personalbereich Synodalrat und Generalvikariat entstanden. Ein gutes Beispiel, wie duale Kollaboration gelingen kann. Wir starten mit dem ersten Kurs am 11. März zum Thema Sozialversicherungen. Anmeldungen sind noch bis zum 25. Februar möglich.
Hat die HR-Flexworkerin Andrea Richenberger auch Vorschläge auf Bistumsebene gemacht?
Ja, tatsächlich wäre eine zusätzliche HR-Zentralstelle für das Personalwesen auf Bistumsebene wünschenswert, aber die Umsetzung mit zusätzlich notwendigen finanziellen Ressourcen wird wohl noch etwas dauern.
Gibt es noch weitere Inputs, die dir wichtig erscheinen?
Wir versuchen im «Personalmarketing» noch aktiver zu werden. Gemeinsam mit der Reformierten Kirche möchten wir beispielsweise auch an Berufsmessen wie der BMZ in Zürich präsent sein. Immerhin besuchen diese im kommenden November bis zu 3500 Leute.
Zurück zum Generalvikariat in Zürich: Auch hier gab es Wechsel und sind derzeit noch Stellen ausgeschrieben.
Mit Dr. Judith Weber haben wir seit Januar die Stelle der Pastoralbeauftragten mit einer erfahrenen, hoch qualifizierten Theologin wieder besetzen können. Sie ist unter anderem für die Förderung der Kirchenentwicklung zuständig, deren Grundlage die Handreichung des Bistums Chur für die Synodale Kirche ist. Judith Weber soll durch eine Fachperson Pastoral unterstützt werden.
Gibt es weitere Personalneuigkeiten im Generalvikariat?
Ab August 2026 wird der promovierte Theologe Martin Schacher die 60-Prozent-Stelle in der Personalentwicklung und -beratung im Generalvikariat antreten und sich entsprechend in der Personalentwicklung nachqualifizieren. Zu 40 Prozent bleibt er in seiner bisherigen Funktion als Bischofsassistent tätig. Die vom Synodalrat bewilligten Stellen sollen mithelfen, die Verantwortlichkeiten vor Ort in den kommenden grossen Herausforderungen in ihrem Zuständigkeitsbereich zu unterstützen und zu begleiten.
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