Jesuit über sein Leben in Syrien Das Leiden geht weiter
Obwohl das Assad-Regime im Dezember 2024 gestürzt wurde, befindet sich Syrien weiterhin in einer katastrophalen Lage. Die medizinische Versorgung ist für viele Menschen ein grosses Problem. Zahlreiche Spitäler und Krankenstationen wurden in den vergangenen Jahren zerstört oder beschädigt. Gleichzeitig haben viele Ärzte und Pflegekräfte das Land verlassen, sodass es vor Ort an qualifiziertem Personal fehlt. Auch die lokale Produktion von Medikamenten ist weitgehend zum Erliegen gekommen.
Viele Menschen haben nur eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser, die Stromversorgung ist instabil und staatliche Strukturen funktionieren oft unzureichend. Der Alltag ist für die Bevölkerung von Unsicherheit und Mangel geprägt.
Schrumpfende christliche Minderheit
Die verbliebene christliche Bevölkerung in Syrien lebt heute in einem schwierigen Umfeld. Dabei war diese Region einmal die Wiege des Christentums. Die syrisch-orthodoxe Kirche feiert die Liturgie noch heute in der Sprache Jesu, auf Aramäisch. Im Jahr 2011 lebten noch rund 1,5 Millionen Christen in Syrien, verteilt auf verschiedene Konfessionen. Heute sind es geschätzt noch 300000 bis 600000 Menschen.
Homs: Zentrum der Begegnung
Seit einigen Jahren unterstützt das katholische Hilfswerk Kirche in Not (ACN) ein christliches Begegnungszentrum in Homs, wo Gerald Baumgartner von 2021 bis 2023 tätig war. Dieses Zentrum soll für die Menschen vor Ort zu einer Art Heimat werden – ein Ort für Bildung, Austausch und Versöhnung.
Geplant sind unter anderem ein Theater mit 300 Plätzen, Bibliotheken, Werkstätten sowie Musik- und Lernräume. Ergänzt wird das Angebot durch offene, barrierefrei gestaltete Begegnungsflächen, die allen zugänglich sind.
Das Zentrum steht für eine lebendige christliche Präsenz und möchte durch Kultur, Bildung und Dialog zur Heilung einer tief gespaltenen Gesellschaft beitragen. Gerade in unsicheren Zeiten ist es für die Christen in Syrien ein wichtiges Zeichen, dass die Kirche in die Zukunft des Landes investiert.
Österreichischer Jesuit in Syrien
Gerald Baumgartner wurde 1994 in Oberösterreich geboren. 2016 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Nürnberg ein. Nach seinem Philosophiestudium in München lernte er im Libanon Arabisch und engagierte sich dort im Sozialbereich. Von 2021 bis 2023 lebte er in Homs und arbeitete in der Jugendarbeit. Anschliessend setzte er seine theologischen Studien in Innsbruck fort und empfing 2025 die Priesterweihe. Kurz darauf kehrte er nach Syrien zurück, diesmal nach Aleppo, wo er sich weiterhin in der Jugendpastoral sowie in der ökumenischen Arbeit einsetzt.
Für Pater Gerald gibt es einen guten Grund für seinen Einsatz in Syrien: «Dafür bin ich Jesuit geworden – dorthin zu gehen, wo die Not am grössten ist. Syrien ist deshalb ein Ort, an dem ich meine Berufung konkret leben kann.»
Er freut sich auf Begegnungen in der Schweiz, um von seinen Erfahrungen zu berichten und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.
Samstag, 22. August, Zürich, Kirche Maria Lourdes – Gottesdienst um 18.00 Uhr, anschliessend Gesprächsmöglichkeit
Pater Gerald mit Jugendlichen ausserhalb von Homs. Foto: KIRCHE IN NOT (ACN)
Pater Gerald mit Jugendlichen ausserhalb von Homs. Foto: KIRCHE IN NOT (ACN)
Pater Gerald beim Autofahren in Syrien. Foto: KIRCHE IN NOT (ACN)
Pater Gerald beim Autofahren in Syrien. Foto: KIRCHE IN NOT (ACN)
Aktivitäten im Kulturzentrum der Jesuiten in Homs. Foto: KIRCHE IN NOT (ACN)
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