Kirche aktuell

Segnung des Nagelbildes am Sonntag, 8. März Mit neuem Blick auf die Kirche

Nägel stehen für Gewalt und Zerstörung – oder doch nicht? Auf den Reliefs von Günther Uecker werden sie zu besinnlichen Mandalas. Gemeindeleiter Jürgen Kaesler aus Elgg jedenfalls ist begeistert vom deutschen Künstler, der bekannt wurde wegen seinen Nagelbildern: dreidimensionale Werke, die durch Ausrichtung der Nägel und das Wechselspiel von Licht und Schatten eine eigene Dynamik entwickeln.
06. März 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

An einem Mittwochnachmittag sitzen die neun Drittklässler aus Elgg am Boden vor der Kirche St.Georg, gebeugt über ein längliches Holzbrett, in der Hand je einen Hammer und Nägel. Sie hämmern. Ein ungewohntes Bild. Und nicht ganz ungefährlich. Teils schlagen sie tatsächlich daneben, direkt auf den Finger.

Aber der Spass scheint ihnen nicht vergangen zu sein. «Ich werde immer besser», sagt ein Junge sichtlich stolz. Die versammelte Erstkommunikantenklasse arbeitet hier in ihrem Religionsunterricht auf den 8. März hin, den Gottesdienst, wenn ihr Nagelbild als Gemeinschaftswerk feierlich eingeweiht wird.

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Die Drittklässler arbeiten an ihrem Nagelbild - der Lanze des heiligen Georgs. Foto: Manuela Moser

Die Idee dazu hatte Jürgen Kaesler. «Neue Oberflächen sollen inspirieren, über Kirche und Gesellschaft müssen wir nachdenken und einen neuen Blick gewinnen», ist der Gemeindeleiter überzeugt. «Weg», meint er, «vom medialen Hype der unsäglichen Missbrauchsskandale hin neu zu einem Blick nach den Skandalen, der Chance auf eine Häutung: mehr kreativ, mehr bunt, mehr hoffnungsvoll.»

Ursprünglich war die Idee zu einem Nagelbild für den Anlass «Lange Nacht der Kirchen» entstanden: Im vergangene Jahr legte Kaesler an besagter Nacht ein weiss gestrichenes grosses Brett mit mehr als 1000 Nägeln bereit für seine Kirchgänger. Entstanden ist dann spontan ein Bild vom Drachen des heiligen Georg, dem Schutzpatron der Kirche in Elgg. Heute hängt es im Treppenhaus der Kirche.

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Gemeindeleiter Jürgen Kaesler mit seinen Schülerinnen und Schülern vor der St.Georgs-Kirche in Elgg. Foto: Manuela Moser

«Ich wollte kein 08/15-Programm anbieten», erinnert sich Kaesler. Sein Faible für Kunst und Kultur brachten ihn auf den Künstler aus Deutschland, auf Günther Uecker. Für die Besucherinnen und Besucher der «Langen Nacht der Kirchen» sei die Aktion ungewohnt gewesen, doch sie hätten sich gerne darauf eingelassen.


Das Gute gegen das Böse

Ein paar Monate später wollte Kaesler die Idee mit den Nagelbild weitertragen, und die Kinder im Religionsunterricht dazu animieren, auch ein Bild zu gestalten – dieses Mal die Lanze des heiligen Georgs, der den Drachen schliesslich tötet. Bis heute gilt die biblische Geschichte als eine Erzählung über den Kampf des Guten gegen das Böse, und steht für die Werte des Christentums gegen Chaos und Barbarei.

Seit vergangenem Frühling haben die Kinder daran gearbeitet; im Rahme des Unterrichts haben sie mehr über die biblische Geschichte des Heiligen Georgs erfahren. Am 19. April erhalten sie nun die Erstkommunion. «Die Buben hatten vielleicht etwas mehr Freude am Nagelbrett», sagt Kaesler. Doch gelernt haben alle etwas dabei.

Sonntag, 8. März 2026, 10 Uhr, Pfarreizentrum St. Georg, Elgg: Gottesdienst mit Segnung Nagelbild