Kirche aktuell

Fastenaktion 2026 «Jedes Samenkorn bedeutet Leben»

Matthias Dörnenburg von der Fastenaktion erläutert die neuste Ökumenische Kampagne und sagt, warum man sich dieses Jahr auf das Saatgut für Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden konzentriert.
12. Januar 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich
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Matthias Dörnenburg, Co-Leiter der Ökumenischen Kampagne 2026.

«Hunger frisst Zukunft – Wer Saatgut hat, kann Zukunft säen». Mit diesem Titel machen Sie aufmerksam auf die Ökumenische Kampagne 2026, welche die Fastenaktion zusammen mit dem HEKS jedes Jahr durchführt. Warum soll das so sein?
Matthias Dörnenburg: Diese  Kampagne  ist die zweite im Zyklus «Hunger frisst Zukunft». Immer noch leidet jeder zwölfte Mensch weltweit an Hunger und fast jede dritte Person ist unterernährt. Diese Tatsache lässt arme Menschen noch ärmer werden, da sie kaum die Möglichkeiten bekommen, aus dieser Negativspirale herauskommen. Eine der wichtigsten Grundlagen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung ist der Zugang zu vielfältigem Saatgut.

Welche Rolle spielen die grossen Agrarkonzerne in diesem Szenario?
Der Saatgutmarkt ist stark monopolisiert. Wenige Konzerne beherrschen den gesamten Markt. Saatgut wird oft im «Paket» mit Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln verkauft, was für kleine Bauernbetriebe in Afrika, Lateinamerika oder Asien teuer ist. Oft darf von der Ernte - entgegen der Jahrhunderte alten Praxis - kein neues Saatgut genommen werden. Das ist für viele Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein Problem. Ebenso einschneidend sind restriktive Gesetze und Vorschriften, die in bilateralen Handelsverträgen vorgeschrieben werden, die Bäuerinnen und Bauern im Globalen Süden verbieten, Saatgut selbst herzustellen, zu teilen oder weiterzuverkaufen. Wir setzen uns dafür ein, dass Bäuerinnen und Bauern selber über Saatgut verfügen dürfen.

Was hat das Thema mit Kirche zu tun? 
Jedes Samenkorn bedeutet Leben und Leben ist ein Geschenk Gottes. Saatgut und somit die Pflanzenwelt ist ein gemeinsames Erbe, das allen Lebewesen anvertraut ist und dessen verantwortungsvolle Bewirtschaftung der gesamten Menschheit übertragen wird. Dadurch, dass Gemeinschaften über Saatgut selber verfügen können, es teilen und weiterpflegen können, wird auch das tägliche Brot gesichert und damit ihre Existenzgrundlage gesichert und ein Leben in Würde ermöglicht.

Welche Veranstaltungen führen Sie 2026 durch?
Die Kampagne beginnt mit den Einführungsveranstaltungen, die dezentral in verschiedensten Regionen durchgeführt werden - in Zürich diesen Samstag, 17. Januar. Weitere Highlights sind die Vorführungen des Films «T
he last Seed», die Auftritte unserer Gäste aus Kolumbien und gemeinsam mit dem Bistum Chur sind Events im Rahmen des Bistumsjahres geplant.

Wie können Pfarreien, Religionspädagoginnen und -pädagogen, Seelsorgende das Thema in ihre Arbeit integrieren?
Wir erarbeiten jedes Jahr Impulse für Predigten, Versöhnungsfeiern oder den Religionsunterricht. Diese finden sich in unserem 
«Kampagnenmagazin», das den Pfarreien zugestellt wird oder auf der Website sehen-und-handeln.ch. Zudem schlagen wir diverse Aktionen vor wie den Aktionstag zum Recht auf Nahrung oder eine Filmvorführung.

Wieviel Geld kommt jeweils erfahrungsgemäss zusammen bei einer solchen Spendenaktion?
Die direkte Sammlung aus den Pfarreien ergibt rund drei Millionen Franken. Dazu kommen Spenden von Privatpersonen. Jährlich spenden Privatpersonen rund sieben bis acht Millionen Franken. Wir sind sehr dankbar, dass viele Pfarreien und Spendende uns so grosszügig unterstützen. Der Gesamtumsatz von Fastenaktion beträgt rund 23 Millionen Franken.

Was waren bisher die erfolgreichsten Kampagnen?
Besonders erfolgreich war die Kampagne 2014, welche die unfaire Produktion von Kleidern thematisiert, die Kampagne 2018, in der wir Unterschriften für die Konzernverantwortungs-Initiative sammelten, die dann auch zur Abstimmung kam. Sehr gut wahrgenommen wurde die Kampagne zu 2021 zu weniger Fleischkonsum und mehr Klimagerechtigkeit. In den letzten Jahren war 2015 das erfolgreichste Jahr hinsichtlich Spenden und Beiträgen.

Was muss man sich vom Kick-Off Event, der Impulsveranstaltung in Zürich vom 17. Januar, erwarten?
Praktische und spannende Ergänzungen zu allen Materialien, die im Dezember per Post in den Pfarreien angekommen sind, sehr viele Praxistipps, Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden und Motivation beim Erfahren, was alles Tolles angeboten und gemacht wird. Zudem hat man die Möglichkeit, all die Fragen zu stellen, die man schon lange stellen wollte.

*Matthias Dörnenburg ist Co-Leiter der Ökumenischen Kampagne.

Impulsveranstaltung zur Ökumenischen Kampagne 2026 findet am Samstag, 17. Januar (8.45 bis 12.30 Uhr, Hirschengraben 50), in Zürich statt. Anmeldung noch bis Mittwoch, 12. Januar, möglich.