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Giesserei in Winterthur Wo Jung und Alt miteinander statt nebeneinander leben

Die Giesserei in Winterthur gilt als Vorzeigeprojekt für das Zusammenleben zwischen Jung und Alt. Sechs Jahre nach dem Einzug sind erste neue Beziehungen zwischen den Generationen geknüpft – und einige Konflikte überstanden.
05. September 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Im Brunnen planschen Kinder, zwei Väter unterhalten sich übers Bierbrauen, eine ältere Frau verfolgt von ihrem hoch oben gelegenen Balkon das Geschehen im Innenhof. Die Stimmung in der Siedlung Giesserei in Oberwinterthur ist an diesem Sommernachmittag idyllisch und passt zum Selbstbild dieses Quartiers, das mehr sein will als seine zwei über 100 Meter langen Reihen von farbigen Holzhäusern.

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Die Vision: Jung und Alt sollen auf engem Raum zusammenleben, sich für die Gemeinschaft engagieren, zueinander schauen und sich bei Bedarf auch helfen. Eine Art riesiges Mehrgenerationenhaus also, mit total 350 Bewohnern und ähnlich vielen unterschiedlichen Bedürfnissen. Kann das funktionieren?

Den Zeitgeist getroffen


Am Anfang stand eine Annonce. «Veränderte Lebensumstände + neue Interessen = neue Wohnbedürfnisse». Diese Worte liess ein Architekt im September 2005 in mehreren Zeitungen drucken. Mit der Idee für ein Mehrgenerationenprojekt traf er offenbar den Zeitgeist. Denn es meldeten sich zahlreiche Interessenten, die daraufhin einen Hausverein gründeten, ein Grundstück fanden und sich der Genossenschaft Gesewo anschlossen. Im Frühjahr 2013, bloss acht Jahre nach Erscheinen des Inserats, hielten 151 Parteien bereits die Schlüssel für ihre Wohnungen in der Hand.

Der Bau der Giesserei ist eine Erfolgsgeschichte. Damit dies auch für das Zusammenleben der Bewohner gilt, traf man bereits beim Bau einige Massnahmen. So sind etwa die Balkone der beiden langgezogenen Wohnblöcke auf der ganzen Länge miteinander verbunden. Manche haben die schmalen Durchgänge mit Gartenpflanzen zugestellt. Andere wie etwa Yvonne Lenzlinger (78), die mit ihrem Mann in einer Dreizimmerwohnung lebt, lassen sie offen. «Unsere Nachbarn haben kleine Kinder. Wir haben die Abmachung, dass die beiden jederzeit an unser Fenster klopfen dürfen», erzählt sie und ergänzt: «Wir dürfen aber jederzeit auch Nein sagen.»
Auch mehrere gemeinschaftlich genutzte Räume, Werkstätten, Waschbars, Gärten und Spielplätze sollen die Menschen im Quartier zusammenbringen, genauso regelmässige Anlässe wie etwa der «Zischtigsclub», wo jeder etwas zu essen mitbringt und man hinterher gemeinsam abwäscht.

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Yvonne Lenzlinger versteht sich gut mit den Kindern aus der Siedlung, man kennt sich. Foto: Manuela Matt