Kirche aktuell

Trauerfeiern gehören zur Kirche

Alfred Böni

Alfred Böni ist Pfarrer in St. Gallus in Zürich-Schwamendingen. 

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Pfarrer Alfred Böni ist langgedienter Seelsorger in der Pfarrei St. Gallus Zürich und hat dieser Tage nicht nur mit den Erstkommunionkindern Versöhnungsgespräche geführt, sondern sich auch kräftig aufgeregt: über eine Seite im Tagblatt Zürich. Dort warb eine Firma für ihre Dienstleistungen rund um das Begräbnis und auch für Trauerfeiern.
29. März 2021

«Trauerfeiern, die über die bisherige Konventionalität hinausgehen»: So lautet die Formulierung in der Anzeige und kommt zum Abschluss noch mit der «Feier nach der Feier». Diese Formulierungen finde ich in diesem Zusammenhang schon sehr stossend!

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Nur ganz indirekt bekennen sie sich zu diesem «Übergriff» mit dem sich rechtfertigenden Satz: «Wir sind uns bewusst, dass es nicht eine ‘einzig wahre’ Art der Trauerfeiern gibt.» Kein Wort von Trauerfeiern, die durch Kirchen und Glaubensgemeinschaften angeboten werden.

So eine provokative, übergriffige Info-Werbung darf nicht kommentarlos stehenbleiben. ‘Unsere Leute’, dazu zähle ich nicht nur die ‘Gottesdienst-Christen’, sondern alle Kirchen-Angehörigen, die zwar die meiste Zeit ihres Lebens die Dienste der Kirche nicht in Anspruch nehmen, aber ihre Zugehörigkeit doch mindestens durch ihre Steuer-Zahlung bekennen, sollen wissen und von offizieller Seite hören:

Wir von der Kirche sehen gerade diese Aufgabe des Abschieds, sei es am Grab, in der Kirche oder im Friedwald, mit den Angehörigen als einen unserer ganz wichtigen Dienste!

Und dann möchten wir entsprechend all unseren Möglichkeiten wie Zeit, Gespräche, Hilfe bei der Vorbereitung des Abschieds eine Trauer-Feier halten und feiern, die sich auf persönliche Art auf die Person sowie auf die Zurückbleibenden und die an der Trauer-Feier Anwesenden ausrichtet. Diese Liturgie-Feier darf im besten Sinn des schillernden Wortes auch „unkonventionell“ sein.

Diese unsere Leute sollen auch wissen, dass es nicht nur möglich ist, sondern dass sie in einem gewissen Sinn sogar das Recht haben, eine kirchlich-liturgische Abschieds-Feier für eine verstorbene, verwandte Person, die nicht (mehr) der Kirche angehört, zu beanspruchen – und zwar für sich selber als religiös-verankerte Menschen, die gerade in so einem Gottesdienst Kraft für ihren weiteren Weg erbitten und sich schenken lassen dürfen. Schon wird manch teuer gebuchter Dienst ganz und gar unnötig.

 

Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich wirklich sagen: Rund um das Thema Tod und Trauern kommt die wirkliche Seelsorge am stärksten und direktesten zum Tragen. Und manche ‘Kirchen-Ferne’ erfahren das Wesen der Kirche und vor allem die tragende Botschaft des Glaubens in diesen existenziellen Situationen wie selten zuvor. Diese Möglichkeit, den betroffenen Menschen in einer meist herausfordernden und auch seelisch oft belastenden Situation die kompetente und tragende Bereitschaft der Kirche erfahren zu lassen, darf nicht billig von einem Kommerz-Unternehmen abgekupfert werden. Diesen Schwerpunkt der Kirche wirklich prioritär zu pflegen, zu kommunizieren, ja sogar zu ‘bewerben’ – und vor allem sich nicht ‘abluchsen’ zu lassen – ist ein Gebot der Stunde.