Nachhaltig gegen den Klimakollaps Ermutigen statt Belehren
Ende Juni trafen sich bei der ersten Tagung zur Integralen Ökologie Verantwortliche aus der gesamten Schweiz, die sich in Pfarreien, Bistümern und kirchlichen Organisationen für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, um sich kennenzulernen, Ressourcen zu teilen und voneinander zu lernen.

Auch Markus Staudinger, Nachhaltigkeitsverantwortlicher der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, war vor Ort in Freiburg i.Ue. und stellte unser Zürcher Modell für Nachhaltigkeit vor. Von der strategischen Grundlage – dem Legislaturziel des Synodalrats 2019 und der partizipativ erarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie 2021 – führt es zur konkreten Umsetzung in sieben Handlungsfeldern:
- Biodiversität
- Schöpfungsspiritualität
- Energie
- Abfall
- Konsum
- Finanzen
- Mobilität
Neben den Handlungsfeldern kommt den drei Querschnittsaufgaben Kommunikation, Engagement und Kooperation eine hohe Bedeutung zu.
«Beziehung vor Fachberatung»
Wer als Kirchgemeinde vor Ort begleitet, statt nur beraten wird, fasst eher Vertrauen. Wer vertraut, handelt auch. Das ist auch das persönliche Motto von Markus Staudinger bei seiner Arbeit:
«Wir sollten Beteiligte eng begleiten und motivieren, statt sie mit Fachwissen und Konzepten allein zu lassen.»
Bis 2027 will er jede Kirchgemeinde im Kanton besuchen und aufgezeigten, was im Bereich Nachhaltigkeit alles möglich wäre. Ein konkretes Resultat kann sich schon heute zeigen: die Kantonalkirche hat seit 2019 am Standort Zürich ihre direkten CO₂-Emissionen um rund 40 Prozent senken können.

«Zusammen statt allein»
Es ist beeindruckend, wie unterschiedlich die Zugänge und Ausrichtungen der vielen Projekte und Initiativen hin zu mehr Nachhaltigkeit sind. Die Freiburger Tagung zeigt: Wir sind in unserem Engagement für die Schöpfung nicht allein unterwegs – der Austausch über die Kantons- und Bistumsgrenzen hinweg macht die Arbeit im Bereich Nachhaltigkeit sichtbarer. Und doch bleibt, für unseren Nachhaltigkeitsbeauftragten persönlich ein zwiespältiges Gefühl zurück: Für einen Moment spürt man, dass sich etwas bewegen könnte. Gesamtgesellschaftlich und politisch müsste jedoch weit mehr passieren, denn die Zeit, die uns bleibt, um den Klimakollaps noch abzuwenden, wird knapp.
Nachhaltigkeit wird vielerorts noch als Verzicht wahrgenommen, als moralischer Zeigefinger. Dabei würden nur wenige merken, welche echten Vorteile ein nachhaltigerer Lebensstil mit sich bringen kann. Umso mehr braucht es Menschen, die den Mut haben, aufzustehen und zu handeln. Das sind wir kommenden Generationen schuldig. Genau darum setzen wir auf Motivation statt Verzicht: Kirchgemeinden sollen nicht belehrt, sondern ermutigt werden, mutig Verantwortung zu übernehmen.
Fragen zum Zürcher Modell beantwortet Markus Staudinger, Nachhaltigkeitsbeauftragter, unter nachhaltigkeit@zhkath.ch.
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