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Es geht nicht ohne! - Ein Weckruf

Es geht nicht ohne! - Ein Weckruf
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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15. April 2016

Den „Weckruf gegen Hunger und Armut“ lancierten Ende März mehr als 30 Organisationen der Schweizer Zivilgesellschaft. Sie fordern vom Parlament eine Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit und das Versprechen einzuhalten, 0.7% des Schweizer Nationaleinkommens für Entwicklung einzusetzen. Der Bundesrat hatte am 22. März drastische Sparmassnahmen bei der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) vorgeschlagen. Ein kleiner Film informiert über Hintergründe und Konsequenzen.

Eine der ersten Unterzeichnenden des „Weckrufs gegen Hunger und Armut“ war Monika Stocker,  ehemalige Nationalrätin, Stadträtin und Vorsteherin des Sozialdepartements der Stadt Zürich . Warum sie mit gemacht hat, schreibt sie hier:

Monika Stocker

Monika Stocker

Es geht nicht ohne, nicht ohne Fragen, nicht ohne Antwort, nicht ohne Verantwortung!

Ich bin Zeitzeugin

Ich bin Zeitzeugin, ich bin Bürgerin dieses Landes. Ich kann mich durch nichts und niemand dispensieren lassen, es ist meine Verpflichtung zu handeln, jetzt.

Man kann es drehen und wenden wie man will: die Schweiz ist ein reiches Land, den Menschen geht es – mehrheitlich – gut. Warum nur tun wir uns so schwer, eine Eidgenossenschaft zu sein und das zu zeigen? Wir sind kein Verwaltungsrat der globalen Finanz- und Wirtschaftsgier. Wir haben einen Ingress zur Bundesverfassung und kein Quartalsziel eines börsenkotierten Unternehmens!

Ich bin Schweizer Bürgerin

Die Schweiz hat einmal einen Ruf gehabt, den der humanitären Tradition, den der neutralen Konfliktvermittlerin, den des Horts des Friedens. Was ist nur passiert, dass es heute chic ist, all diese Werte in ihr Gegenteil zu verwandeln?

Wir haben über Jahre gekämpft, dass 0,7% des Bundesbudgets für die Entwicklungs-zusammenarbeit bereitgestellt wird. Warum wird es jetzt mit den Asylkosten verrechnet? Warum soll es jetzt auch netto gekürzt werden?

Was ist mit jenen, die gegen die Ankunft von Flüchtlinge mit dem Spruch aufwarten: man muss vor Ort etwas tun und genau das jetzt verweigern?

Ich halte es nicht aus

Wer kann denn die Bilder aushalten von ertrunkenen Kindern, von Frauen, die rennen, von alten Menschen, die sich mühsam vorwärts schleppen und den marschierenden Stiefeln von Militär, den mit Bomben beladenen Flugzeugen und den wegen ökonomischer Gier nach x und y aus unserem Land verschickten Waffen?

Was ist denn nur passiert?

Wann ist es passiert, dass der starke Mann im Amt redet wie der am Stammtisch? Dass böse sein, den Menschen das Leben erschweren, zur politischen Vollzugspraxis geworden ist? Wann ist es offiziell „geil“ geworden, hart zu sein und brutal? Seit wann erntet man Anerkennung, wenn man Sprüche klopft, die noch vor einigen Jahren Schamröte ins Gesicht getrieben hätten?

Ich plädiere für den Gutmenschen

Was heisst es, wenn das Wort Gutmensch zum Unwort des Jahres 2015 gekürt wird? Warum nur ist es so, dass Humanität und Solidarität, früher gern am 1. August ins Mikrofon gerufen, heute zu Schimpfwörtern geworden sind?

Und wenn wir Gutmenschen sind? Wenn wir tatsächlich das gute Leben, das ethisch vertretbare gute Leben wollen, für uns, für andere, für alle?

Weckruf gegen Armut und Hunger – ja klar!

Die Schweiz spart auf dem Buckel der Ärmsten! wer den Weckruf unterzeichnet, fordert vom Parlament, den Rotstift nicht bei der Armutsbekämpfung im Süden anzusetzen.