Ausstellung zum 800. Todestag des Heiligen Franziskus Alles, was wir haben, ist geliehen
Auch 800 Jahre nach seinem Tod geniesst der Heilige Franz von Assisi grosses Ansehen, gerade weil seine Werte bis heute aktuell sind. Ja, vielleicht sind sie sogar aktueller denn je: die universelle Geschwisterlichkeit, der Frieden, die Bewahrung der Schöpfung. Als Schutzpatron der Tiere ist ihm im Kirchenkalender der 4. Oktober gewidmet.
Einen Tag zuvor, am 3. Oktober, eröffnet die Pfarrei Bruder Klaus im Zürcher Stadtkreis Unterstrass die Ausstellung «Schöpfung loben». Die Erinnerung zu Ehren des grossen Heiligen hat der Maler, Bildhauer und Druckgrafiker Heinrich Röllin geschaffen. Er wohnt und arbeitet im Kreis 6, gleich neben der Kirche Bruder Klaus. An diesem Morgen ist der 78-Jährige zügig mit seinem Fahrrad unterwegs und will gerade zum Zahnarzt.
Doch der hell gekleidete Mann, das Künstlertüchlein lässig um den Hals gebunden und mit einem breiten Lachen im Gesicht, lässt es sich nicht nehmen, sein Atelier zu zeigen. Hier, in einer ehemaligen Backstube, hat Röllin in den vergangenen drei Monaten jede einzelne Strophe des berühmten «Sonnengesang» von Franz von Assisi bildnerisch umgesetzt.
Brüder im Denken
«Heinrich Röllin und der Heilige Franziskus sind Brüder im Denken», sagt Diakon Manfred Kulla. Beiden sei die Bewahrung der Schöpfung ein Anliegen, und auch die Frage nach der Beziehung zwischen Mensch und Natur sei ihnen wichtig. Der Leiter der Pfarrei Bruder Klaus hat Röllin sozusagen per Zufall entdeckt.
«Dank einer Spende konnten wir vergangenes Jahr unsere Krypta aufwerten. Wir suchten mittels Wettbewerb nach einem geeigneten Skulpteur.» Röllin bewarb sich ebenfalls – und gewann nicht. Aber Kulla gefiel die Art und Weise, wie Röllin Dinge aus dem Holz herausarbeitete.
Und der Diakon erkannte das Potenzial: «Als ich die früheren Wortstelen von Röllin sah, wusste ich, dass ich ihn mit der Umsetzung des Sonnengebets im Jubiläumsjahr des Heiligen Franz von Assisi beauftragen will.»
Der «Sonnengesang» ist ein Gebet, das der Heilige Franziskus im 13. Jahrhundert zum Lob der Schöpfung verfasst hat. Sonne, Mond, Wasser, Feuer, und auch der Mensch werden darin als «Schwester» oder «Bruder» angesprochen und gemeinsam zum Lob Gottes geführt. Die Verse über Vergebung und Frieden, Krankheit und Leid sowie den Tod kamen erst später dazu.
Insgesamt umfasst der «Sonnengesang» neun Strophen, bei Röllin also neun Holzstelen. Auf der Vorderseite stehen jeweils die dichterischen Worte des grossen Heiligen, auf der Rückseite Röllins philosophische Interpretation.
Beispielsweise steht die Sonne – im Gedicht von Franziskus als «Bruder Sonne» bezeichnet – als Sinnbild für Glanz und Strahlen. Röllin interpretiert die Strophe mit den Worten: «Alles, was wir haben, ist geliehen.» Am oberen Rand der Stele strahlt eine Sonne. Ganz figürlich, denn wie bei allen Stelen reicht diese bis über den oberen Rand hinaus.
Besonders eindrücklich ist dies bei der Stele zum Tod, der im Gedicht von Franziskus als «Schwester Tod» bezeichnet wird. Röllin hat sie ganz in Schwarz gehalten. Oben krönt sie eine schwarze Kapuze, die tief in ein nicht sichtbares Gesicht gezogen ist. So, wie man sie etwa aus Todesdarstellungen aus dem Spätmittelalter kennt.
Ein Leben für die Kunst
Sein Leben lang verdiente Röllin sein Geld als Buchdrucker. Daneben besuchte er schon früh die Kunstgewerbeschule Luzern und sammelte in Berlin Erfahrungen im Marionetten- und Puppentheater. Sein künstlerisches Werk umfasst Malerei, Holz- und Bronzeskulpturen sowie Druckgrafik. Heute, im Ruhestand, denkt der 78-Jährige auch nach dieser Ausstellung nicht daran, mit seiner Kunst aufzuhören.
Die Ausstellung «Schöpfung loben» des Bildhauers Heinrich Röllin findet in der Cafeteria des Pfarreizentrums Bruder Klaus Zürich statt und dauert vom 3. bis 17. Oktober. Die Stelen können nach der Ausstellung ausgeliehen werden. Bei Interesse wenden Sie sich an den Pfarreileiter von Bruder Klaus Zürich, Manfred Kulla. Den Flyer zur aktuellen Ausstellung finden Sie hier.
Am Sonntag, 4. Oktober, findet zudem im Grossmünster eine offene Feier zum Gedenken an den Heiligen Franziskus statt. Auf dem Programm stehen Stationen zu den Themen Frieden, Mensch, Tier und Schöpfung, sowie eine Tiersegnung im Kreuzgang. Anwesend sein werden Bischof Joseph Maria Bonnemain und Grossmünster-Pfarrer Christian Walti. Den Flyer zur Feier finden Sie hier.
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