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Grüss Gott Zürich vom 25. September Sorge tragen

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Es ist eine der Redewendungen, die gerade in schwierigen Zeiten öfters zu hören ist: «Träg der Sorg». Sorge tragen zu sich, für andere sowie zu Idealen und Werten heisst auch Verantwortung übernehmen.
25. September 2020 1 Kommentar

Sorge tragen 1: Für die meisten von uns war die Medienmitteilung 329. Ordentliche Vollversammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Mitte September – wenn überhaupt – lediglich eine Randnotiz. Immerhin: Die Bischöfe erinnerten nochmals an das Leid der Menschen im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und riefen kirchliche Einrichtungen auf, Geflüchtete aufzunehmen. Die offizielle Schweiz will rund 20 Kinder und Jugendliche aufnehmen. Vielen geht das zu wenig weit. So fordern u.a. grosse Städte wie Zürich, mehr Menschen rasch und unbürokratisch aufzunehmen, die Aufnahmekapazitäten seien vorhanden. Auch die Katholische Kirche im Kanton Zürich hat dies in einem Appell gefordert, konkret nach Räumlichkeiten gesucht und in Pfarreien rund 40 Betten gefunden. Doch der Bund blockt, was mein Kollege Simon Spengler in der NZZ beschämend findet und der immer wieder betonten humanitären Tradition der Schweiz abträglich ist.

Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz
Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz

Sorge tragen 2: Einmal mehr hat diese Woche Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur, in einem Gastkommentar in der NZZ «politische Selbstbescheidung – vor allem des kirchlichen Leitungspersonals» gefordert. Eine Religionsgemeinschaft solle keine zusätzliche politische Kraft sein, sondern den Menschen eine transzendente Perspektive bieten. Unklar bleibt für mich, wie Grichting auch von ihm hochgehaltene Werte im Artikel wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung glaubhaft vertreten will, ohne im Diesseits zu konkretisieren, was er darunter versteht.

Und das mit der «Selbstbescheidung» gilt jeweils für alle, die anderer Meinung sind als Grichting. Selbstredend aber nicht für seinen Kommunikationsbeauftragten Giuseppe Gracia. Dieser mischt munter im kirchlichen «Ethik-Komitee» gegen die Konzernverantwortungsinitiative (KoVi) mit.

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Irritierend, dass auch Gottfried Locher, bis vor kurzem Präsident der Evangelischen Kirche Schweiz, im Interview mit Christoph Mörgeli in der Weltwoche die Stellungnahmen von Bischofskonferenz und seines ehemaligen Rates für die KoVi torpediert und jegliche politische Einmischung der Kirchen «im helvetischen Normalfall» als unnötig und schädlich bezeichnet. Er bewundere den Langmut vieler Unternehmer ob der wirtschaftsfeindlichen Schlagseite der Kirchen.

 

Schlagseiten anderer Art ortet erstaunlicherweise Oswald Grübel, Urgestein der Schweizer Wirtschafts- und Bankenwelt. Obwohl die Ziele der KoVi ehrenvoll und richtig seien, könne er das Engagement kirchlicher Kreise für die Initiative nicht mittragen, meinte er gegenüber reformiert.ch. Grübel spricht sich aber grundsätzlich für eine politische, meinungsstarke Kirche aus und vermisst mitunter unmissverständliche Positionsbezüge der Kirche in gesellschaftlichen Fragen.

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Sorge tragen 3: In nicht wenigen Kirchgemeinden und Pfarreien im Kanton Zürich rumpelt es im Gebälk und knirscht es im dualen Getriebe. «Exodus aus Katholischer Kirchenpflege», betitelt der Zürcher Oberländer seinen Beitrag zu den internen Spannungen innerhalb der Kirchgemeinde Pfäffikon ZH nach dem Rücktritt dreier Mitglieder. Ein Seilziehen zwischen Kirchenpflege und Seelsorgeteam soll vermieden werden, so der noch amtierende Kirchenpflegepräsident: «Hätten alle am gleichen Strick gezogen, hätte dies verhindert werden können.» Am gleichen Strick ziehen reicht eben nicht, es muss schon auf derselben Seite sein …

Hoffnung auf dem Münsterhofplatz
Hoffnung auf dem Münsterhofplatz

Sorge tragen, gerade in schwierigen Zeiten, geht nicht ohne Hoffnung. Im Mai sprachen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über die Quellen ihrer Hoffnung, am letzten Sonntag zogen sie auf dem Münsterhof Bilanz. Barbara Schmid-Federer, ehemalige Nationalrätin, zitierte die Philosophin Barbara Bleisch: «Hoffnung ist der Grundstein, um Zukunft zu gestalten. Hoffnung heisst, Verantwortung zu übernehmen.»

In diesem Sinne: Übernehmen wir Verantwortung, gehen am Wochenende stimmen und tragen uns und anderen Sorge.

Herzlich

 

Aschi Rutz

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.