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Mit Ungewissheit umgehen

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Zittern, Bangen und Hoffen gehen weiter. Noch ist Vieles unklar. In ein paar Wochen wissen wir (vielleicht) mehr.
06. November 2020 1 Kommentar

Ungewiss ist nicht nur, wer in den USA der nächste Präsident sein wird. Ungelöst ist nach wie vor auch die Wiederbesetzung des Bischofsstuhls in Chur. Da schickte Papst Franziskus 2017 den damals 75jährigen Bischof schon mal in die Verlängerung und portierte im Frühjahr 2019 mit Bischof Bürcher einen Administrator. Letzterer administriert seit 18 Monaten, obwohl er selbst nur von ein paar Monaten ausgegangen ist.

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Inzwischen ist Bischof Bürcher interimistisch auch Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus, nachdem Josef Annen aus gesundheitlichen Gründen seinen definitiven Rücktritt auf Ende Oktober gegeben hat. Als Dank für seinen kräfteraubenden Einsatz haben wir von der Kommunikationsstelle eine Spezialausgabe des Informationsblatts herausgegeben. Die verschiedenen Stimmen zu seinem Abschied sind wirklich eindrücklich, wie Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding im Abspann schreibt. Aufschlussreich für mich ist insbesondere der Brief von Weihbischof Peter Henrici, wenn er davon schreibt, wie die Nachfolge von Bischof Amédée in Rom hintertrieben worden sei. Zufall oder nicht: Zeitgleich mit unserem Informationsblatt ist auch jenes des Bistums Chur erschienen. Eine Zeile zum abgetretenen Josef Annen sucht mann/frau vergebens.

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Ein wichtiger Player bei der Bischofswahl in einem Land ist der jeweilige Nuntius. Seine Aufgabe war es, aufgrund konkreter Umfragen im Bistum Chur der Bischofskongregation Vorschläge zu unterbreiten. Darauf aufbauend wird in Rom eine Dreierliste zusammengestellt, die dann den Weg zum Churer Domkapitel findet. Seit 2015 ist Erzbischof Thomas E. Gullickson (70) der offizielle Vertreter des Vatikans in der Schweiz. Er hat aus Altersgründen dem Papst seinen Rücktritt angeboten, den dieser auf Ende des Jahres angenommen hat. Aufschlussreich seine Erfahrungen und vernichtende Einschätzung, über die diverse Zeitungen berichteten. Die katholische Kirche der Schweiz mit ihren Kantonalkirchen und Kirchgemeinden sei kein gangbarer Weg mehr, so Gullickson. Die sogenannte Volkskirche sei nicht mehr geeignet, «den apostolischen Glauben weiterzutragen». Es scheine in der Schweiz so, dass die Kirche «ihre Sendung zum Heil der Seelen verraten hat». Sind damit auch die Schweizer Bischöfe gemeint?

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Wenn Stimmen sich erheben! Der Runde Tisch der Religionen im Kanton Zürich hat den Zürcher Imam Sakib Halilovic gebeten, im Gedenken an die Terroranschläge der letzten Tage ein Gebet zu formulieren. Hier sein Gebet für den Frieden und gegen Hass.

 

Die Stimme erhoben haben gestern auch eine Vielzahl von Synodalen an ihrer Sitzung. Das Kirchenparlament hat nach einer intensiven Diskussion eine Resolution zur Unterstützung der Konzernverantwortungsinitiative (KoVi) verabschiedet. Eine Mehrheit der Synodalen ist der Ansicht, dass Unternehmen überall auf der Welt Verantwortung für ihr Wirtschaften übernehmen sollen und sehen die KoVi als einen Weg dazu. Sie stehen damit ein für christliche Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Es gibt Stimmen, die den Kirchen öffentlich absprechen, für die KoVi einstehen zu dürfen. So zum Beispiel Giuseppe Gracia, Beauftragter für Medien und Kommunikation des Bistums Chur, der sich prominent im Ethik-Komitee der KoVi-Gegner engagiert. Oder zum Beispiel Béatrice Acklin Zimmermann, Studienleiterin der Paulus Akademie, die sich in einer Gruppe rechtsbürgerlicher Frauen dezidiert gegen die KoVi wendet. Wie geht das zusammen? Sie kämpfen beide gegen die KoVi, wollen anderen Christen aber verbieten, sich für die Initiative einzusetzen.

 

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Zittern, Bangen und Hoffen im Bistum Chur für einen neuen Hirten gehen weiter. Wann die Dreierliste beim Domkapitel eintrifft, ist ungewiss. Weihbischof Peter Henrici schreibt in seinem Brief an Josef Annen: «Ich hatte gehofft, dass Du bis zum hoffentlich baldigen und erfreulichen Beginn einer neuen Epoche im Bistum Chur durchhalten könnest. Es sollte nicht so sein.» Gerne hoffe ich, dass der Beginn einer erfreulichen Epoche nicht mehr so lang auf sich warten lässt.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

herzlich

 

Aschi Rutz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.