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Diskriminierung hat langen Atem

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Mitarbeitenden-Magazin credo

Nichts weniger als das Folgende hat sich Mentari Baumann, Präsidentin der Zurich Pride, von Papst Franziskus gewünscht.
24. Juni 2022

«Vielfalt ist etwas Wunderschönes! Vielfalt spiegelt Gottes Schöpfung wider. Am besten wäre es, wenn er persönlich vorbeikommen und sehen würde, wie schön Vielfalt ist. Vielfalt bereichert das Leben.»

 

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So bunt und laut die Pride auch dieses Jahr durch die Zürcher Innenstadt gezogen ist, die Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, intergeschlechtlichen und Trans-Menschen verschwindet nicht so schnell. Weder in der Gesellschaft noch innerhalb der Kirche. Jene, die wie ich als sogenannte Heteros unterwegs sind, können sich nur schwer vorstellen, wie queere Menschen im Alltag oft Ablehnung aus der Familie, dem Arbeitsumfeld oder in der Öffentlichkeit erleben. Letzteres manifestierte sich exemplarisch beim Pride-Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul, der letzten Sonntag von jungen Männern mit «No Pride Month» auf einem Kreuz gestört wurde.

 

Es sind auch Männer, die im Priesterkreis des Bistums Chur weiterhin andere Menschen diskriminieren wollen, wie es 20 Minuten gestern aufgegriffen hat. Und die kirchliche Diskriminierung betrifft ja nicht nur nicht-heterosexuelle Menschen, sondern auch Geschiedene, Wiederverheiratete und Frauen.

 

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Obwohl auch er dafürsteht, dass Menschen in der katholischen Kirche weiterhin ausgegrenzt werden, schreibt der ehemalige Informationsbeauftragte des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, im Feuilleton der NZZ von gestern (Artikel hinter der Bezahlschranke) wortreich gegen Diskriminierung an: Räume die katholische Kirche Homosexuellen und Frauen nicht gleiche Rechte ein, müsse sie sich vom Staat abkoppeln. «In diesem Sinn ist den Vertretern der katholischen Landeskirche Zürich, die öffentlichrechtlichen Status geniesst, zuzustimmen: Sie rufen im Hinblick auf die Grundrechte seit Jahren nach Reformen, nach einer Sexualmoral im Stil der Genderstudies, nach der Zulassung der Frau zum Priesteramt, oder nach der Abschaffung des als menschenunwürdig empfundenen Zölibats.»

 

Wer den hemdsärmligen Bistumssprecher unter dem emeritierten Bischof Vitus Huonder und ehemaligen Generalvikar Martin Grichting kennt, weiss, welchen raffinierten Purzelbaum hier Gracia schlägt. Unter dem Deckmantel eines aufgeklärten Bürgers ruft er gleichsam den Staat auf, bei den demokratisch organisierten kirchlichen Körperschaften Grundrechte einzufordern, nicht aber bei der katholischen Kirche selbst. Eine wahrlich grosszügige «Gratiswerbung» der NZZ für jene, die die vom Staat anerkannten Körperschaften zerschlagen wollen!

 

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Zurück zu den Frauen in der Kirche. Wo wir mit der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern stehen, zeigt eine von den Bischöfen und Frauenorganisationen für September vorgesehene Fachtagung an der Universität Freiburg i.Ü.: Da werden aufgrund eines sakramentalen Notstands doch tatsächlich Fragen diskutiert wie: Sollen Frauen das Sakrament der Krankensalbung spenden dürfen? Oder: Gibt es Alternativen zur sakramentalen Sendung, also jenseits einer Weihe?

 

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Einen Schritt weiter geht die Ordensschwester Philippa Rath, die beharrlich für eine Kirche kämpft, in der die Frauen Zugang zu allen Ämtern und Diensten haben wie die Männer. Im Interview mit Simon Spengler träumt sie als Päpstin und sagt, dass sie jede Form von Diskriminierung ablehnt. Vielmehr müsse das klerikale System und das hierarchisch überhöhte Weiheamt überwunden werden. Dies bedinge ein neues Amtsverständnis, ein erneuertes Bild für Priester (und Priesterinnen). Wer die Ordensschwester, Theologin, Autorin und Politikwissenschaftlerin Philippa Rat sehen und hören will, hat am kommenden Montag in der Paulus Akademie die Gelegenheit.

 

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Zum Schluss noch dies: Ich habe mich gestern gefreut, dass im Rahmen der Synodensitzung drei Frauen (und ein Mann) mit dem Ethikpreis der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ausgezeichnet worden sind. Und es war auch eine Maturandin der Freien Katholischen Schulen Zürich (Gymnasium Sumatra), die mit ihrer Arbeit den diesjährigen Publikumspreis der kantonalen Mittelschulen im Kanton Zürich gewonnen hat. Nächste Woche lesen Sie dazu mehr auf unserer Homepage.

 

Falls Sie wieder mal pilgern wollen, die traditionelle Wallfahrt am 2. Juli bietet dazu Gelegenheit: «Anliegen gibt es genug, für die wir beten wollen …», schreiben Generalvikar Luis Varandas und Daniela Koller, Präsidentin der Kommission Wallfahrt des kantonalen Seelsorgerates in ihrer Einladung. Wahrlich, Anliegen gibt es genug!

 

 

Ein entspanntes und gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen herzlich

Aschi Rutz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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