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Gopf

Informationsbeauftragte Synodalrat
Kerstin Lenz

Schwerpunkte: Online-Kommunikation, Publikumsanlässe und Events

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Zum Glück traut sich heute die Sonne mal wieder hervor. Der Dauerregen der vergangenen Woche hat den schon herrschenden Corona-Blues leider noch verstärkt, Lagerkoller allüberall. Wolken brauen sich dennoch weiter zusammen, zumindest in meinem Kopf und in der Kirche.
05. Februar 2021

Am Montag erschien das Buch «Weil Gott es so will», in dem 150 Frauen Lebenszeugnisse zu ihrer Berufung als Diakonin oder Priesterin aufgeschrieben haben – ein fundierter und theologisch gut begründeter Appell, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. «Die Lebensberichte der Frauen zeugen von vielfältigen Diskriminierungserfahrungen, von mangelnder Wertschätzung und von der Sehnsucht nach Teilhabe, Mitverantwortung und Gleichberechtigung,» sagt die Herausgeberin und Benediktiner-Nonne Philippa Rath und hofft auf konkrete Veränderungen der Kirche in den nächsten Jahren. «Dann wäre Schluss mit dem Verschenken von Begabungen und die Kirche könnte Vorreiterin sein – in ihrem Innenbereich.» Eine Träumerin? Auch Hella Sodies, Pfarreileiterin in der Pfarrei Greifensee, steuerte einen Beitrag für das Buch bei und sagt: «Es ist es immer noch so, dass Männer darüber entscheiden, was für uns Frauen möglich ist. Unsere Begabungen und Berufungen werden beschnitten. Wir müssen mit angezogener Handbremse fahren.» Aus der Traum?

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Die Frauenfrage als «Lebensfrage» der Kirche – das beschäftigt nicht nur die Männer und Frauen, die sich heute in Deutschland beim sogenannten «Synodalen Weg» zur Zukunft der Kirche zumindest online treffen. Auch der im Herbst als Generalvikar aus dem Amt geschiedene Josef Annen macht sich Gedanken dazu: «Es geht um mehr Synodalität in der Kirche. Dass nicht nur die Amtsträger alle Machtkompetenz haben und alle Entscheidungen fällen, sondern die Gläubigen einbezogen werden. Ich hoffe sehr, dass wir Schritte machen in diese Richtung, das ist ganz wichtig.» Im Forum Pfarrblatt erschien gestern das Abschiedsinterview mit dem besonnenen Kirchenmann, übertitelt mit «Brückenbauer».

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Heute haben wir die Medien zu den Kirchenaustritten informiert. Die Zahlen von 2020 sind zwar nicht ganz so desaströs wie im Vorjahr, bleiben aber auf hohem Niveau. Bereits am Dienstag traf Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding rund 150 Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger, das Thema ebenfalls Kirchenaustritte. Eine Premiere war die Form: im Webinar waren Fragen nur im Chat möglich, online konnten alle dem Vortrag (hier zum nochmals Schauen) folgen.

Top-Referent war Arnd Bünker, Leiter vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut SPI in St. Gallen. Neuer Trend: Traten sonst hauptsächlich jüngere Männer aus, sind es seit 2019 nun auch zunehmend Frauen zwischen 50 und 59 Jahren. Gründe: Frauen solidarisierten sich mit den überwiegend weiblichen Missbrauchsopfern und äusserten Unverständnis und Ungeduld zur Rolle der Frauen in der Kirche, so Bünker. Skandale oder anderslautende Meinungen treiben die Menschen, die ehe schon eine schwache Kirchenbindung haben, zum Austritt. Bääm – da kriegen wir es mal wieder dicke!

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Mit starkem Tobak geht es weiter. Dies hätte ich uns allen wirklich gern erspart. Das Youtube-Video «Selbstbefriedigung ist Selbstzerstörung» eines Zürcher Vikars und Priesters kursierte schon Mitte der Woche im Netz: Beim ersten kurzen Reinzappen vermutete ich ein neues Video von Comedian Bastian Pastewka – leider, leider gefehlt.

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Wie diese Affen möchte ich am liebsten reagieren. Ob das auch die bischöfliche Strategie im Umgang mit diesem zum Priesteramt berufenen Mann ist? «Widerlich» findet Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding das Video. Auch die Präventionsbeauftragte des Bistums Chur, Karin Iten, sagt, das Video zementiere «jene Kultur der Vertuschung rund um Sexualität und sexuellen Missbrauch, von der die katholische Kirche sich befreien will und muss».

Wer sich noch über Kirchenaustritte wundert, darf jetzt aufstrecken.

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Und immer, immer wieder diese Woche bei mir Kopfschütteln beim Gespräch mit der 16jährigen beim Znacht, beim Zeitunglesen und TV-Programm studieren. Wie kann das sein? Erst in meinem Geburtsjahr durften Frauen wählen! Ist ja gar nicht lang her. Und dann beschweren sich die «dienenden» Frauen über kirchliche Strukturen?!? Ja – und auch zu Recht, aber wir sind dann auch mal kräftig frustriert oder sogar ziemlich sauer, vor allem, wenn der nächste Mann uns von oben herab die Welt erklärt.

Sprachlos und ratlos starte ich ins Wochenende und schwinge mich zum gefühlt millionsten Mal an den Herd. Das ist «die göttliche Ordnung»! Den Film gleichen Titels sollten Sie unbedingt morgen Abend schauen, gibt ja sonst nicht viel zu tun. Irgendwie bleibt mir der Wunsch nach einem «gesegneten Sonntag» gerade im Hals stecken.

Es grüsst Sie dennoch herzlich, Kerstin Lenz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.