Über uns

Damenwahl

Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Kommunikation Generalvikariat, Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe und Mediator.

Was waren das für Zeiten, als es noch so richtige Bälle gab: Gesellschaftliche Ereignisse, bei denen die Herren die Damen mit Stil und Eleganz zum Tanz baten. Die Damenwahl war oftmals prickelnder Höhepunkt des Abends, weil die Etikette durchbrochen wurde und jetzt die Damen frei entschieden, welchen Herrn sie gern aufs Parkett führen wollten.
03. Juni 2022

Tempi passati? Von wegen! Im Rückblick auf die Woche sind mir ausschliesslich Frauen der Kirche aufgefallen, welche zum Tanz aufforderten.
 

Was früher das Getuschel an den Tischen im Ballsaal war, ist heute das Rauschen in den Medien. Für ein solches gesorgt hat Spitalseelsorgerin Veronika Jehle, als sie öffentlich den Bischof zum Tanz aufforderte, indem sie ihre Missio, die bischöfliche Beauftragung, zurückgab und ihre Stelle kündigte. «Kann ich dem Auftrag Christi unter den Menschen gerecht werden und mit der römisch-katholischen Institution in ihrer gegenwärtigen Form uneingeschränkt verbunden bleiben?» fragt sie in ihrem offenen Brief und antwortet gleich «Nein, ich kann es nicht.»

Lehnt ein Mann die Aufforderung zum Tanz ab, sollte er einen guten Grund dafür aufführen, alles andere wäre unhöflich. So lässt das eleganzbefreite «No comment» der bischöflichen Kommunikationsstelle offen, ob der Aufgeforderte nicht tanzen will oder nicht kann.

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«Ich bin tief betroffen», fand Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding die richtigen Worte auf den Verlust der erfahrenen Seelsorgerin. Sie forderte nicht die Abschaffung der Missio, sondern dass die Kriterien für deren Erteilung transparenter werden. Angesichts von Personalnotstand und anstehender Pensionierungswelle wünscht sich die Leiterin der Spitalseelsorge, Sabine Zgraggen, eine Revision der Anstellungsordnung. Die Diskussion um die Missio nimmt an Dringlichkeit zu und benötigt pfingstlichen Schub.

«Diskriminieren und kategorisieren wir niemanden? Oder unterscheiden wir immer noch zwischen Menschen, die uns interessieren, und solchen, mit denen wir nichts anfangen können?» fragt sich Bischof Joseph Maria Bonnemain in seinem Beitrag zu Pfingsten im Parrblatt forum. Gute Fragen, finde ich, wenn ich sie mit Blick auf die Missio lese. Vielleicht gibt es dazu später mehr zu lesen, denn Veronika Jehle wird im forum als Redaktorin mehr Verantwortung übernehmen.



Mehr als ein vorpfingstlicher Volkstanz war die nächste Runde im synodalen Prozess, zu welcher sich 50 Vertreterinnen und Vertreter aus der ganzen Schweiz in Einsiedeln getroffen haben. Die Churer Theologieprofessorin Eva-Maria Faber hält nichts von weichgespülten Texten und hat sich für eine Fokussierung auf Kritikpunkte eingesetzt.

Klartext werden die Bischöfe  bei ihrer Synode in Rom vernehmen müssen, wenn es um die Forderung nach vollständiger Teilhabe von Frauen geht, um eine gerechtere Inklusion von wiederverheirateten Geschiedenen oder von Menschen aus dem LGBTIAQ*-Spektrum. Die Verantwortung für die Endredaktion des nationalen Schlussberichtes liegt – wen wunderts?! - in der Federführung von Faber und einem Mann aus der Westschweiz.

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Bevor sie sich jedoch der Redaktionsarbeit widmen kann, ist sie morgen im Glarnerland an einem Diskussionsabend zum Thema «Kirche und die Frauen» präsent. Woher sie die Beharrlichkeit nimmt, wenn Veränderungen ausbleiben, zeigt Eva-Maria Faber dort auf… Eingebettet ist dieser Anlass im ökumenischen Glarner Kirchentag, der nicht vierundzwanzig Stunden, sondern satte drei Tage dauert (3.– 5. Juni).
Ein leiser Höhepunkt ist in meinen Augen die Einweihung des «Franz-Böckle-Saals» im Fridolinsheim. Mir ist Franz Böckle noch ein Begriff, hatte ich als Student doch nicht nur Bücher dieses herausragenden Moraltheologen im Gestell, sondern habe sie auch gelesen – und deutsche Bundeskanzler liessen sich von ihm beraten.

Wem der Weg ins Glarnerland zu weit ist, der kann sich Richtung Winterthur begeben, denn dort findet wieder einmal die Afro-Pfingsten statt - interkulturell, bunt und vielfältig. Eigentlich wie Kirche. Aber ohne Missio. 


Carmela Bonomi von underkath ist mit der Kamera und Fragen von Firmbegleiterinnen und -begleitern aus Oberrieden im Gepäck ins Kloster Fahr zu Priorin Irene Gassmann gefahren. Diese war mehrmals verliebt und kennt das Heilmittel für ein gebrochenes Herz. Segen für gleichgeschlechtliche Paare? Für die Priorin selbstverständlich! Zehn Minuten Video mit überraschenden und höchst inspirierenden Gedanken.

Unbedingt empfehle ich auch, in das Kurzvideo «Entweder-oder» hineinzuschauen, in dem sich die Priorin entscheiden muss. Beichte oder Psychologie? Für sie ein klarer Fall: Beides! Ich sage nur: Damenwahl – und frage mich, ob die Bischöfe diese Einladung zum Tanz mit dem Leben annehmen. Ceterum censeo: Macht diese Priorin zur Bischöfin!

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 Zur Bischöfin reicht es Isabel Vasquez (noch) nicht, aber immerhin zu den Bischöfen. Die Schweizer Bischöfe haben sie diese Woche zur neuen Nationaldirektorin von migratio gewählt. Ab September leitet sie die Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz für die Seelsorge für Migrantinnen und Migranten sowie Menschen unterwegs.



Isabel Vasquez arbeitet derzeit an der Fachstelle für Religionspädagogik und ist verantwortlich für interkulturelle Katechese. Die Bischöfe holen sich eine Frau mit vielen Kompetenzen und Temperament an Bord. Alle guten Wünsche, die sie begleiten, kann sie für das neue Aufgabenfeld bestens brauchen. Ihren Master in Psychologie auch.

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Keinen Master, aber einen aufmerksamen Blick braucht Schwester Veronika Ebnöther, wenn sie mit der Kamera unterwegs ist. Ihr Interesse gilt dem scheinbar Unscheinbaren, dem Millimeter statt dem Meter. Mit ihrer Fotoserie «Achtsamkeit» bereichert sie unseren Jahresbericht 2021. Und wenn sie nicht am Fotografieren ist, dann ist sie im Gefängnis. Als Seelsorgerin. Hier finden sie das Interview mit ihr.



Bevor ich mich ins Pfingstwochenende verabschiede zuerst noch ein anderer Abschied. Gestern Abend hat nach 19 Jahren der Pastoraltheologe Manfred Belok an der Theologischen Hochschule Chur seine Abschiedsvorlesung gehalten. In der Schweizerischen Kirchenzeitung schaut er zurück und voraus. Und er zeigt auf, wie der Papst die Diskussion um den Verhaltenskodex mit einem Federstrich hätte vermeiden können. Ich schicke aus Zürich ein herzliches «Danke, Manfred!» nach Chur.
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Bevor Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich ins Pfingstwochenende verabschieden, wünsche ich Ihnen, dass Sie das Wirken der Heiligen Geistkraft erleben dürfen. Fünf Persönlichkeiten von Regierungsrätin Jacqueline Fehr bis Pierre Stutz haben uns verraten, wann sie es letztmals erlebt haben – und was daraus geworden ist. Ihre Impulse auf unserer Homepage laden zum Innehalten und Nachdenken ein, ideal für Pfingsten.

…und wenn Schwester Geist Sie zum Tanz einlädt, nehmen Sie die Einladung an, auch wenn es bunt, fröhlich und lebendig wird, denn dann ist göttliche Damenwahl!
 
Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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