Über uns

Adventliche Verunsicherung

Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Kommunikation Generalvikariat, Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe und Mediator.

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«Verunsicherung» lautet das wenig adventlich anmutende Stichwort, das mir in der vergangenen Woche wohl am meisten begegnet ist, sei es ausgesprochen oder zwischen den Zeilen.
18. Dezember 2020

Was gestern noch galt und heute geplant wird, ist heute Abend vielleicht schon wieder verboten. Gerade für uns, die wir gegen alles Mögliche und Unmögliche eine Versicherung abschliessen können, ist Verunsicherung eine neue und ungewohnte Erfahrung, mit der umzugehen wir erst lernen müssen. Tragen wir uns und einander Sorge, gerade wenn alles ganz anders kommt, als es zu erwarten war.

 

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Ganz anders war ja wegen Corona schon Ostern. Und jetzt kann zum Jahresausklang ausgerechnet auch noch Weihnachten als Fest der Liebe unsere Gesundheit gefährden. Dies sorgt bei vielen Menschen für tiefe Verunsicherung. Retten wir Weihnachten? Oder: Rettet Weihnachten uns?  Einen Hoffnungsstrahl sieht Johannes Röser in seinem Beitrag in «Christ in der Gegenwart» und sinniert, dass das emotionale Fest vielleicht gerade umso biblischer wird, weil es mit Gewohnheiten bricht, Aufschrecken und Aufwachen inklusive: «Zur geistigen, geistlichen, aber auch strukturellen Reform.» Als dichtes, anspruchsvolles und erbauliches Nachdenken zur Lektüre empfohlen.

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Ewelina Bajor absolviert bei uns in der Kommunikation ein Praktikum. Mit Fotokamera und Notizblock ausgerüstet, hat sie sich auf den Weg in die Stadt gemacht und inmitten der Stadthektik zwei Orte der Ruhe (genauer: katholische Läden) gefunden, um sich selber oder andere zu beschenken. Ihre Entdeckungen und Geschenktipps präsentiert sie hier.

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Mit einer Umfrage bei allen Pfarreien im Kanton Zürich und Glarus habe ich mich auf die Suche gemacht, welche ihrer Gottesdienste und Krippenspiele über die Festtage online zu finden sind – und ich stelle erfreut fest, dass viele Pfarreien nicht nur aus der Not eine Tugend machen, sondern gleich noch einen imposanten Sprung in Sachen digitaler Verkündigung.

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Auf unserer Homepage finden Sie eine Zusammenstellung aller Livestreams von Weihnachtsgottesdiensten oder Krippenspielen. Zünden sie eine Kerze an, loggen Sie sich ein und fühlen Sie sich verbunden mit allen, die auch von zu Hause aus mitfeiern. 

Weil viele Anlässe ausgefallen sind, hat sich auch die Behindertenseelsorge etwas Besonderes einfallen lassen: Mit einem Video übermitteln Stefan Arnold und Anna Wörsdörfer persönliche Gedanken zu Weihnachtsfest.

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Wie das Puppenspiel «De chlinschti Ängel und de Wiehnachtsstern» erzählt und gleichzeitig in Gebärdensprache übersetzt wird, ist überraschend und sehenswert. Für mich eine der freudigen Entdeckungen, wie Herausforderungen auch der Kreativität Schub verleihen können.

Wer dann lieber eine persönlich-philosophisch und musikalisch schlagermässig untermalte halbe Stunde sucht, wird auch am Vorabend des 4. Adventsonntags und an Weihnachten auf Tele Z fündig, denn Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist sind weiterhin in adventlichem Austausch zu Themen, die uns beschäftigen.

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Ob es Schwester Ariane und ihren vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern adventlich oder doch eher karfreitäglich zumute ist? Ich weiss es nicht. Was ich aber weiss: Sie sind wieder dort, wo die Not am grössten ist, draussen auf der Strasse. Dort, wo es kalt ist und die Not ein Gesicht und einen Namen bekommt. «Spenden Sie ab sofort Lebensmittel-Pakete für die Menschen auf der Gasse!» ruft Schwester Ariane um Hilfe, denn die Warteschlange der Notleidenden, die für die einzige warme Mahlzeit des Tages anstehen, wird länger und länger. Jeden Tag können an der Molkestrasse 8 in Zürich um 16.45 Uhr Lebensmitteltaschen abgegeben werden.

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«Mich beeindruckt, wie es Sr. Ariane und Pfr. Wolf, unterstützt von den Freiwilligen, gelingt zu den Menschen am Rande der Gesellschaft Vertrauen aufzubauen, Halt zu geben und niederschwellig Hilfe zu leisten, wo die Hilfe des Staates nicht hinkommt», anerkennt der ehemalige Direktor des Triemlispitals, Erwin Carigiet, in einem Bericht den Einsatz von Schwester Ariane. Diese Worte sind auch von konkreten Taten begleitet. Mitglieder des Rotary-Clubs helfen nicht nur bei der Essensaugabe auf der Strasse, sondern haben an der Rotwandstrasse auch für einen warmen Raum gesorgt, mit welchem sie die Arbeit an den Hotspots der Not unterstützen. Über diesen Ort der Mitmenschlichkeit berichtet kurz und nüchtern ein Rundbrief.

Über kostenlose Angebote und offene Türen über die Festtage informiert jeweils die Stadt Zürich auf ihrer Homepage.

 

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Soviel für diese Woche zu adventlicher Verunsicherung und überraschend aufleuchtenden Weihnachtssternen. Apropos Weihnachtsstern: Am 21. Dezember ist das erste Mal seit 800 Jahren wieder die Konjunktion von Jupiter und Saturn zu sehen - der Stern von Betlehem. Wer es verpasst, muss dann wieder bis ins Jahr 2238 warten.

Nicht ganz so lange geht es, bis unser nächster Newsletter erscheinen wird: Am 8. Januar melden wir uns wieder zurück.

Im Namen des ganzen Kommunikationsteams wünsche ich Ihnen, wenn für einmal auch im kleinen Rahmen, ein gesegnetes Weihnachtsfest, frohmachende Festtage und einen guten Stern über dem kommenden Jahr. Wir freuen uns, Sie im neuen Jahr 2021 gesund und weihnächtlich gestärkt wieder als Leserin und Leser unseres Newsletters begrüssen zu dürfen.

Die Geschichte von Jesus hat als Geschichte der Verunsicherung irgendwo draussen auf dem Feld angefangen. Lassen wir uns von der Weihnachtsbotschaft erschüttern und innerlich ergreifen, denn die einzige Zusicherung, auf die wir zählen können lautet: «Heute ist uns der Heiland geboren, Christus, der Herr!»

 

Arnold Landtwing

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.