Offener Brief an Generalvikar Martin Grichting

Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding, Synodenpräsident Alexander Jäger und der Zürcher Generalvikar Josef Annen antworten Martin Grichting. Der forderte in der NZZ die Abschaffung der kirchlichen Körperschaften.
Offener Brief an Generalvikar Martin Grichting

Seltenes Ereignis: Synodenpräsident Alexander Jäger, Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und Generalvikar Josef Annen erinnern in einem offenen Brief den Churer Generalvikar Martin Grichting an geltende bischöfliche Vereinbarungen

Sehr geehrter Generalvikar Grichting

Ihre Position zu den staatskirchenrechtlichen Strukturen im Kanton Zürich ist hinlänglich bekannt und in dieser Zeitung schon mehrfach dokumentiert worden. Wir weisen nur ergänzend darauf hin, dass es die katholische Bevölkerung war, die mit kräftiger Unterstützung des damaligen Generalvikars Alfred Teobaldi und mit ausdrücklicher Zustimmung des damaligen Bischofs von Chur zu dieser Struktur ja gesagt hat. Der Kanton Zürich hat also nicht den Katholiken die staatskirchenrechtlichen Strukturen aufgezwungen, sondern das Kirchenvolk und die damaligen Verantwortungsträger der Kirche wünschten diese Struktur.

Was uns aber erstaunt, ist die Tatsache, dass das "Vademecum für die Zusammenarbeit von katholischer Kirche und staatskirchenrechtlichen Körperschaften in der Schweiz" aus dem Jahre 2012 für Sie offensichtlich zum Altpapier gehört. Sie selbst, Herr Generalvikar Grichting, haben an diesem Grundlagenpapier als Experte mitgearbeitet und alle Bischöfe haben es einmütig verabschiedet. In diesem Dokument bekräftigen die Bischöfe ihre Zustimmung und ihren Willen zur Zusammenarbeit mit den staatskirchenrechtlichen Institutionen. Das Dokument mahnt auch Verbesserungsvorschläge an für das duale System, die durchaus überlegenswert sind. Aber eine Totalopposition, wie Sie sie betreiben, widerspricht dem Geist und dem Text dieses Vademecums.

Die katholische Körperschaft wird sich weiterhin bemühen, in ihren demokratisch legitimierten Gremien, im Synodalrat, in der Synode und in den Kirchenpflegen, Voraussetzungen für eine lebendige Kirche zu schaffen. Wir erinnern auch daran, dass alle Mitwirkenden in diesen Gremien getaufte katholische Christinnen und Christen sind – also auch Glieder der Kirche.

Dass hingegen die katholische Kirche im Kanton Zürich wegen der staatskirchenrechtlichen Strukturen weniger lebendig sein sollte als z.B. die katholische Kirche in Genf, die nicht öffentlichrechtlich anerkannt ist und die deshalb ohne Kirchensteuern auskommen muss, können wir bis heute nicht feststellen. Wohl aber wissen wir, dass jeder Franken der Zürcher Katholiken in Genf sehr willkommen ist und dass Zürich einen namhaften Beitrag leistet an überkantonale kirchliche Aufgaben und Werke.

Vielleicht hätten Sie sogar Interesse, einmal an einer Synodensitzung bei uns in Zürich teilzunehmen? Dort können Sie sich ein wirklichkeitstreues Bild davon machen, dass demokratische Mitbestimmung und katholischer Glaube kein Widerspruch sind, sondern fruchtbare und lebendige kirchliche Realität. 

Josef Annen, Generalvikar für Zürich und Glarus

Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrates (Exekutive)

Alexander Jäger, Präsident der Zürcher Synode (Legislative)

 

Bericht der NZZ zum offenen Brief in der NZZ vom 24. Juli

Gastkommentar von Martin Grichting in der NZZ vom 20. Juli

zuletzt verändert: 24.07.2018 07:06