Zürichs Kirchgemeinden feiern 50 Jahre «Stadtverband»

Einst war der Stadtverband lediglich Ansprechpartner für das Steueramt. In diesem Jahr feiert er sein 50-jähriges Bestehen.

Ein Jahr nach der Römisch-Katholischen Körperschaft des Kantons Zürich blickt eine weitere katholische Institution auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück: Der Verband der 23 Kirchgemeinden und der Missione cattolica italiana der Stadt Zürich, also der Römisch-Katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Ein Eintauchen in seine Geschichte ist spannender als sein Name vermuten lässt.

Eine kaum mehr wegzudenkende «administrative Notwendigkeit»

Der offizielle, etwas sperrige Name wurde durch den heute gängigen Begriff bereits aufs Papier verdrängt, bevor sein Statut überhaupt unterzeichnet war. Dass es sich im Grunde gar nicht um einen Stadtverband handelt, ist da nebensächlich. «'Schuld' an seiner Entstehung», schrieb einst Generalvikar Dr. Gebhard Matt, «trägt das Steueramt der Stadt Zürich, […] es sei unmöglich, innerhalb des Gemeindegebietes verschieden hohe Kirchensteuern je nach Quartier zu erheben». Nach der öffentlich-rechtlichen Anerkennung musste auf dem Stadtgebiet also eine Organisation her, die für einen einheitlichen Steuerfuss sorgte. Der Stadtverband war jedoch stets mehr als nur ein «Handlanger» des Steueramtes. Er unterstützt Aufgaben von allgemeinem kirchlichem Interesse. Als solcher finanzierte er zahlreiche Institutionen mit – auch von kantonaler Bedeutung. Einige wie die Polizeiseelsorge bis heute, sagt Andreas Meile, Leiter der Geschäftsstelle. Spannungen zwischen Stadt- und Landgemeinden, wenn es um die Übertragung der Finanzierung an die kantonale Körperschaft ging, blieben nicht aus. Diese Sonderstellung liegt in der Steuerkraft begründet: Auch heute noch bringt der Stadtverband beinahe die Hälfte der Beiträge für die kantonale Körperschaft auf.

Steuern Achillesferse und Segen zugleich

Hätte das Stimmvolk die Initiative «Weniger Steuern für das Gewerbe» angenommen, dann wäre Henri Truffers Ausblick in der Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum Realität geworden: «Sollten aber einmal die Einnahmen der juristischen Personen wegfallen, […] dann, ja dann wird es sehr sehr schwierig werden». Dem Stadtverband, so Andreas Meile, wären 52 Prozent der Einnahmen weggebrochen. Eine Herausforderung ortet er auch in der Schwierigkeit der Kirchgemeinden, Mitglieder für die Behörden zu finden. Die mögliche Folge ist eine zunehmende Zentralisierung. Die Aufgaben dürften dem Stadtverband auch in Zukunft nicht ausgehen.       

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zuletzt verändert: 23.06.2014 11:58