Wenn der Osterhase bitter schmeckt

Das Blatt hat sich gewendet: wurde in Übersee und Europa vor drei Generationen noch für die arme Schweiz gesammelt, liegt der Reichtum heute in unseren Händen.
Wenn der Osterhase bitter schmeckt

Inputtheater aus dem Kongo. Foto: Fastenopfer

Und wer fragt, worauf sich der Wohlstand gründet, entdeckt als ein Fundament die Armut der anderen. Da bekommt der Schoggi-Osterhase plötzlich einen bitteren Beigeschmack, das Goldkettchen verliert den Glanz, und das Handy ist gar nicht mehr so unbeschwert trendy.

Am Palmsonntag erreicht die Kampagne von Fastenopfer und Brot für Alle den Höhepunkt. Unter dem Motto „Verantwortung tragen – Gerechtigkeit stärken“ haben die kirchlichen Hilfswerke während der Fastenzeit für das Ungleichgewicht in der Welt sensibilisiert und für konkrete solidarische Taten gesorgt. Wenn Solidarität mit Benachteiligten erst einmal in Fahrt kommt, müssen sich Grosskonzerne warm anziehen. Beispielhaft zeigt dies die Bewegung „Knonaueramt Solidarisch“, welche dem Rohstoffgiganten Glencore genau auf die Finger schaut.

Hier der Bericht in Schweiz aktuell.

„Eine Banane kann man nicht mit nur einem Finger schälen“ sagte Abbé Leonard Santedi kürzlich bei einer Veranstaltung im Casino Affoltern vor 300 Zuhörern und rief damit dazu auf, mit der ganzen Hand zu schälen, indem gemeinsam Verantwortung übernommen und Missstände mutig angegangen werden. Santedi ist Generalsekretär der kongolesischen Bischofskonferenz und vertrat Bischof Fridolin Ambongo, der wegen eines Todesfalls verhindert war. Er erzählte, wie eine Kommission der kongolesischen Bischofskonferenz sich einerseits für eine bessere Gesetzgebung in den Abnehmerländern der Rohstoffe einsetzt und andrerseits ganz konkret betroffene Menschen unterstützt, damit sie Zugang zu Informationen und Wissen bekommen, um sich selber gegen Unrecht wehren zu können.

Eine kongolesische Schauspielerin führte in einem Inputtheater deutlich vor Augen, welche drastischen Auswirkungen der Rohstoffabbau für einheimische Familien nach sich zieht.

 Dass die Herkunft unserer Konsumgüter und Rohstoffe wach und kritisch hinterfragt wird, dazu trägt auch die Fastenopferagenda „Liebesbriefe an das Leben“ bei. Die Begeisterung darüber hielt sich vor allem bei Politikern in engen Grenzen, denn zwischen den Liebesbriefen fand sich auch ein Unterschriftenbogen zur Konzernverantwortungsinitiative. Diese fordert, dass Konzerne international anerkannte Menschenrechts- und Umweltstandards weltweit respektieren müssen.

 „Alles ist miteinander verbunden und das lädt uns ein, eine Spiritualität der globalen Solidarität heranreifen zu lassen.“ Diese Grundhaltung durchzieht die Umweltenzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus wie ein roter Faden. Der Blick ins Säuliamt zeigt, dass viele Menschen diese Einladung zur Solidarität verstanden haben – und was geschieht, wenn Spiritualität und Solidarität mutig in die Tat umgesetzt werden. Spätestens dann wird deutlich: Christliches Handeln ist politisch.

Aktionen wie Suppenzmittage, „Brot zum Teilen“ oder die Rosenaktion setzen jedes Jahr in der Fastenzeit besondere Akzente und tragen auch zum Spendenergebnis des Fastenopfers bei. Am Palmsonntag tragen viele kleine „Fastenopfersäckli“ von Kindern, Jugendlichen und aus Familien das ihrige zur finanziellen Solidarität bei. Spenden nimmt das Fastenopfer auch entgegen über das Postkonto 60-19191-7. Die vielen kleinen Tropfen werden zu einem Fluss, mit dessen Kraft Ungerechtigkeit bekämpft werden kann. Wo Gerechtigkeit und Menschenwürde siegen, kann Ostern als fest des neuen Lebens gefeiert werden.

 

Gebet für unserer Erde (Papst Franziskus)

Allmächtiger Gott,

der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

der du alles, was existiert,

mit deiner Zärtlichkeit umschliesst,

giesse uns die Kraft deiner Liebe ein,

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

 

Überflute uns mit Frieden,

damit wir als Brüder und Schwestern leben

und niemandem schaden.

 

Vater der Armen,

hilf uns,

die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

die so wertvoll sind in deinen Augen,

zu retten.

 

Heile unser Leben,

damit wir Beschützer der Welt sind

und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen

und nicht Verseuchung und Zerstörung.

 

Rühre die Herzen derer an,

die nur Gewinn suchen

auf Kosten der Armen und der Erde.

 

Lehre uns,

den Wert von allen Dingen zu entdecken

und voll Bewunderung zu betrachten;

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind

mit allen Geschöpfen

auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

 

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte in unserem Kampf

für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

 

zuletzt verändert: 18.03.2016 16:34