Weltgebetstag der Frauen: Liturgie aus den Bahamas

Rosa Grunder engagiert sich schon seit Jahren lokal und kantonal für den Weltgebetstag der Frauen. Am 6. März wird sie in Verbundenheit mit Christinnen aus aller Welt den Gottesdienst in ihrer Pfarrei Herz Jesu in Zürich feiern. Die Liturgie haben Frauen aus den Bahamas geschrieben.
Weltgebetstag der Frauen: Liturgie aus den Bahamas

Rosa Grunder mit dem Titelblatt der diesjährigen Liturgie zum Weltgebetstag, die aus den Bahamas kommt. Foto: V. Schwizer

«Begreift ihr, was ich an euch getan habe?» fragen Frauen aus den Bahamas in der Liturgie, die sie für den diesjährigen Weltgebetstag am 6.März geschrieben haben. Die Frage bezieht sich auf eine Bibelstelle im Johannes-Evangelium (Joh.13,1-17), wo Jesus den Jüngern die Füsse wäscht und sie auffordert das Gleiche zu tun. Er stellt also das Oben-Unten-Verhältnis auf den Kopf und fordert zu Achtung, Respekt und Wohlwollen abseits von Machtverhältnissen heraus.
Die Frauen aus dem Inselstaat stellen in ihrer Liturgie aber auch weitere Fragen in den Raum: Insgesamt 11-mal ist beispielsweise von «radikaler Liebe» die Rede. Das Wort «radikal» löst vielleicht zwiespältige Gefühle aus. Wird «radikale Liebe» aber als «grenzenlos» verstanden, kann sie zur Aufforderung werden, auch Kranken, Behinderten, Fremden, Ausgegrenzten und sogar Feinden mit umfassender Liebe zu begegnen.
Wer sich noch spezifischer mit den Bahamas auseinandersetzt, dem wird bewusst, dass das Leben auf den Inseln nicht nur Sonne, Palmenstrand und Meer bedeutet. Frau sein auf den Bahamas heisst leider auch, aussergewöhnlich bedroht zu sein von sexueller Gewalt, HIV und Brustkrebs. Die Bahamas gehören zu den Top Ten der Länder mit den meisten Vergewaltigungen und den Top Ten der meisten HIV-Fälle außerhalb von Afrika.

Informiert beten und engagiert handeln

Für Rosa Grunder sind die Überlegungen und Bitten, die Frauen aus einem bestimmten Land jedes Jahr formulieren, mehr als blosse Worte. Es berührt sie, dass am ersten Freitag in März weltumspannend in 170 Ländern fast zur gleichen Zeit Gebete für eine ausgewählte Destination formuliert werden. Dabei spiele nicht nur die spirituelle Botschaft eine grosse Rolle, sondern auch die sozialen Fragen und gesellschaftspolitischen Anliegen. Frauen wollen Aufmerksamkeit schenken und Not lindern: Dafür ist jeweils auch die Kollekte bestimmt.
Für Rosa Grunder ist es aber auch wichtig, sich eingehend über ein Land zu informieren. Die Auseinandersetzung sei bereichernd. Den Frauen aus den Bahamas sei es wichtig, die Schönheit ihres Landes zu preisen, dies vor allem in mitreissenden Liedern. Sie sagt: «Ich freue mich schon darauf, beim Singen karibische Lebensfreude in unsere Kirche zu bringen». Die Pflegefachfrau bereitet die Feier zum Weltgebetstag darum nicht nur im Quartier zusammen mit Frauen aus andern Konfessionen vor: Sie engagiert sich auch in der WGT-Kantonalgruppe, welche die verantwortlichen Frauen in den Pfarreien im Vorfeld mit Land und Thema vertraut macht. Die Tagungen würden rege besucht. «Vor allem die vertiefte Bibelarbeit und die Anregungen für lebhafte Gottesdienste werden geschätzt», sagt Rosa Grunder. Je zirka 100 Teilnehmerinnen nehmen in Winterthur und Zürich an den vorbereitenden Veranstaltungen teil.  
Rosa Grunder wünscht sich, dass die Liturgie in den Gemeinden nicht nur «heruntergelesen» wird. Sie sagt: «Mit meiner Arbeit für den Weltgebetstag möchte ich mithelfen, auf der Basis der vorgegebenen Liturgie – jedes Jahr ein Geschenk aus einem anderen Land - Gottesdienste zu gestalten, die lebendig sind, die uns selbst lebendiger machen».

Informationen zu Veranstaltungen zum Weltgebetstag sind auf den Pfarreiseiten im forum zu finden.

www.wgt.ch


Text: V. Schwizer

zuletzt verändert: 02.03.2015 13:05