Wädenswil: Kirchen gemeinsam gegen Armut

Verschiedene Kirchen und Institutionen zeigten am Internationalen Tag der Armut am 17. Oktober, was bereits gegen die Not unternommen wird - unter anderem in Winterthur und Wädenswil.
Wädenswil: Kirchen gemeinsam gegen Armut

"Schrägi Vögel"-Theater zum Tag der Armut. Foto: Viviane Schwizer

Aufwändig und mit grosser Geduld brauten zwei Frauen aus Eritrea am Internationalen Tag der Armut in Wädenswil Kaffee nach ihrer heimatlichen Tradition. In kleinen Tässchen verschenkten sie das starke und süsse Getränk an die Bevölkerung. Die Geste sei ein kleines Zeichen der Dankbarkeit, da die Pfingstgemeinde ihnen wöchentlich gratis und unbürokratisch Lebensmittel abgebe.

Hilfreiche Vernetzung

Der Stand war nicht der einzige, der an der Rosenbergstrasse in Wädenswil Armut zum Thema machte. Am Anlass beteiligt waren auch Wädenswils Katholiken, allen voran Susy Tobler von der Pfarrei St. Marien, die den Anlass koordinierte. Pfarrer Peter Camenzind  begrüsste den Anlass, da er Armut als verborgene Not niederschwellig sichtbar mache.

Neben den Kirchen informierte auch die Caritas Zürich mit Plakaten über Armut, Soli-Netz Zürich erläuterte den Zusammenhang zwischen Armut und Migration, das Kreativ-Atelier des ATD Vierte Welt regte an zum Basteln, und auch die Jugendarbeit der Stadt kam mit den Leuten über Armutsprobleme ins Gespräch. Sämtliche Repräsentanten der Institutionen betonten, wie wichtig Vernetzung sei und wie gerade die Kirchen aufgefordert seien, sich gemäss ihrem Auftrag gemeinsam gegen Armut einzusetzen.

 Schräge Armutsgeschichten

Gerne konsumierten Passanten und Armutsbetroffene am kühlen Wädenswiler Herbstanlass zwischendurch eine kostenlos abgegebene heisse Suppe, Snacks oder Kuchen, wobei die Methodisten gastfreundlich ihre Räume zur Verfügung stellten. Gespräche entstanden, Asylsuchende erzählten ihre Geschichten und die Theatergruppe «Schrägi Vögel», die ihren Ursprung vor sechs Jahren in der Basisarbeit von Pfarrer Ernst Sieber hatte, zeigte ihre «Bänkligschicht». Mit viel Leidenschaft und Humor gaben randständige Personen Einblick in ihre Lebensgeschichten, ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken. Übrigens findet der Verein «Schrägi Vögel» Unterschlupf in einem Raum der katholischen Kirche: Wöchentlich wird in der Pfarrei Herz Jesu in Zürich-Wiedikon geprobt.  

Ökumenischer Geist

Susy Tobler, die schon seit 30 Jahren in Wädenswil wohnt, erlebte die Stadt schon immer ökumenisch. Zwar haben die Kirchen diesmal einzeln auf Toblers Anfrage zum Mitmachen am Tag der Armut reagiert, doch das gemeinsame kirchliche Denken und Wirken sei in der Stadt längst verankert. Nach der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Wädenswils (ackw) wurde das «Forum der Kirchen Wädenswil» aus der Taufe gehoben. Die Pfarrer der verschiedenen Gemeinden treffen sich heute einmal im Monat zum gemeinsamen Gebet, pro Jahr finden mehrere ökumenische Gottesdienste der katholischen, reformierten und methodistischen Gemeinde statt.  Susy Tobler freut sich über die Zusammenarbeit: Sie ist überzeugt, dass die Kirchen ihren Auftrag, nicht nur das Brot mit den Armen zu teilen, gemeinsam besser erfüllen können.

Pfarrer Stefan Weller, evangelisch-methodistische Kirche, Sozialdiakonin Ursula Tolle, evangelisch-reformierte Kirche, Pfarrer Peter Camenzind, römisch-katholische Kirche, Susy Tobler, Koordinatorin des sozialen Anlasses, Pastor Oliver Affolter, Pfingstgemeinde

Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung

Der 17. Oktober, Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung, wurde 1987 von Père Joseph Wresinski ins Leben gerufen - ca. 100'000 Personen trafen sich dazu in Paris auf dem Trocaderoplatz. 1992 wurde dieser Tag vom damaligen UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar offiziell initiiert und dann im Dezember von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum «Internationalen Tag zur Überwindung der Armut» erklärt. Auch der Treffpunkt Vogelsang - ein soziales Projekt der Kirchen in Winterthur - präsentierte sich mit einem bunten Programm und machte so aufmerksam auf das Thema Armut. 

Text und Fotos: Viviane Schwizer

 

 

zuletzt verändert: 19.10.2015 12:30