Vorfreude auf die «neue» 80-jährige Chororgel

Dank Eigeninitiative wird in der katholischen Pfarrkirche in Richterswil im Moment eine neue Orgel eingebaut.
Vorfreude auf die «neue» 80-jährige Chororgel

Neben dem Orgelbauer Uwe Schacht von der Firma Orgelbau Kuhn hilft auch Ortspfarrer Mario Pinggera mit (weisser Pulli). Foto: V. Schwizer

Darüber freut sich auch Pfarrer und Musiker Mario Pinggera, der den aufwändigen Einbau des herausragenden Instrumentes kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum der Pfarrei begleitet. Generalvikar Annen zelebriert den Weihegottesdienst am 12. April (18 Uhr).

Komplizierte Arbeiten an der alten Orgel

Orgelbauer und Konstrukteur Uwe Schacht von der Firma Orgelbau Kuhn aus Männedorf kann sich im Moment nicht über Arbeitsmangel beklagen. Er koordiniert zurzeit den Einbau der «neuen» Orgel in der katholischen Kirche in Richterswil, bei der auch Ortspfarrer Mario Pinggera mithilft. Die Arbeit ist aufwändig. Zu dritt arbeiten die Fachleute bereits seit zwei Wochen an der Demontage und Montage der einzelnen Orgelteile. Vermutlich werden sie bis kurz vor dem Einweihungskonzert am 12. April mit der Installation und Stimmung beschäftigt sein.
Die Arbeiten verlangen nach Fachwissen und Präzision. Konkret heisst das: Rund 750 Orgelpfeifen müssen neu montiert werden. Es gilt weiter, die Schwellmechanik wie die Traktur zu verleimen und zu verlängern. Zudem müssen Hunderte von Röhrenanschlüssen richtig verlegt und wieder angeschlossen werden. Auch der Windkanal muss wie die Bleiröhren verlängert und den Gegebenheiten der Pfarreikirche Richterswil angepasst werden. Damit nämlich die subtile Architektur der drei Fenster im Seitenschiff voll zur Geltung kommt, musste das Schwellwerk etwas weiter von dem Seitenfenster entfernt platziert werden. Ein Schwellwerk ist ein geschlossener Kasten, in welchem die Pfeifen stehen, welcher mit Jalousien geöffnet wird, um den Klang stärker oder schwächer zu machen.

Romantische Klangfarben

Die «neue» Orgel ist eigentlich eine Veteranin. Sie wurde 1934 in der Werkstatt Eisenschmid  (München) erbaut und verfügt über 2 Manuale, 12 Register und eine pneumatische Traktur. Pfarrer und Musiker Mario Pinggera sagt dazu: «Es gibt nur noch wenige Instrumente aus dieser Zeit, die meisten wurden dem andern Zeitgeist geopfert». In letzter Zeit seien die wunderbaren romantischen Klangfarben aber wiederentdeckt worden. «Sie lassen Musik aus dieser Zeit viel authentischer erklingen, als auf modernen Instrumenten», weiss Pinggera.
Vor dem Einbau des Instrumentes in Richterswil ging es zuerst um den Abbau und die sorgfältige Restauration der Münchner Orgel, welche die Orgel- und Harmoniumwerkstatt Thomas Reilich im bayerischen Oberschweinbach nahe Fürstenfeldbruck übernahm. Der Wiedereinbau der reizvollen Orgel in eine Aula in Dulliken brachte aber Schwierigkeiten, da sich die Nachbarn sich über die lauten Konzerte beschwerten.

Eine Orgel reist weiter

Da die Orgel daher nicht mehr genutzt werden konnte, musste sie weiterreisen. Relativ schnell wurde sie nach Richterswil verkauft, da man den Wert des Instrumentes erkannte und dieses umständehalber auch günstig zu erstehen war. Schon seit 2008 besteht das Interesse, ein kleines Instrument in relativer Nähe zum Altar zu bauen, um so musizierende Gruppen durch Sichtkontakt besser begleiten zu können. Das Vorhaben scheiterte bis anhin aber an den Finanzen. Exakt zwei Tage vor Weihnachten 2013 stiess Pfarrer Pinggera zufällig auf eine Email eines Orgelsachverständigenkollegen auf die sehr günstig zum Verkauf stehende Orgel. Bereits am 1. Januar 2014 reiste eine kleine Richterswiler Delegation nach Dulliken und signalisierte dem Besitzer, er möge das Instrument für eine kurze Zeit reservieren, um der Kirchenstiftung Richterswil Samstagern zu empfehlen, das Instrument anzuschaffen. Eine Woche später reiste eine grössere Richterswiler Delegation nach Dulliken und stimmte dem Kauf begeistert zu. Damit kam Richterswil sogar der Musikhochschule Bern zuvor, welche das Instrument ebenfalls erstehen wollte.
Eine Orgel, wie sie nun in Richterswil eingebaut wird, ist auch nicht ganz billig. Sie hat einen handelsüblichen Wert von zirka 400´000 Franken. Das Instrument konnte aber «nur» für zirka einen Zehntel des Preises gekauft werden. Mit Abbau, Transfers, Wiederaufbau und diversen Anpassungsarbeiten muss mit einem Betrag von insgesamt rund 100‘000 Franken gerechnet werden. Mario Pinggera dazu: «Wir investierten aber keinen einzigen Steuerfranken in den Kauf». Sämtliche Mittel seien von privaten Spenderinnen und Spendern aufgebracht worden. Dazu sei «die Initiative ‚Freunde der Chororgel‘» gegründet worden, die dieses Prunkstück nach Richterswil holte.

Konzert zur Einweihung

Die neue Orgel wird demnächst feierlich eingeweiht: Zuerst zelebriert Generalvikar Josef Annen einen feierlichen Weihegottesdienst in der Pfarrkirche in Richterswil. Dann folgt ein Konzert von Mario Pinggera: Selbstverständlich werde Literatur verwendet, die auf diesem Instrument gut darstellbar sei. Der Musiker nennt etwa Werke von Rheinberger (1839-1901), Franz Schmidt (1874-1939) oder Karg-Elert (1877-1933). Die Orgel verfügt über eine Fülle von Registern, die die dunklen Klangfarben, welche diese Kompositionen erfordern, ausgezeichnet darstellen. Die Orgelweihe ist auch der Auftakt der Feierlichkeiten zum 100 Jährigen Jubiläum der Pfarrkirche Richterswil.

Text: Viviane Schwizer

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zuletzt verändert: 10.04.2014 14:07