Trotz offenen Kirchen keine Zunahme der Diebstähle

Eine Umfrage bei den katholischen Pfarreien und Kirchgemeinden zeigt: Diebstähle in Kirchen haben in den letzten Jahren nicht zugenommen. Vermehrt wird aber in Pfarrhäusern eingebrochen, worauf die Verantwortlichen mit Gegenmassnahmen reagieren. Eine Pfarrei überführt ihre Opferstock-Diebe auf sehr spezielle Art.
Trotz offenen Kirchen keine Zunahme der Diebstähle

Diebe machen auch vor liturgischen Gegenständen nicht Halt: Foto: Marina Greminger

Mit unserer Kurzumfrage reagierten wir auf eine Anfrage des Tages-Anzeigers zu Diebstählen in Kirchen (siehe Artikel vom 7. Juni). Auslöser dafür waren Meldungen in deutschen Zeitungen, dass in unserem nördlichen Nachbarland die Zahl der Diebstähle und Einbrüche in Kirchen zunimmt. Vorneweg: Diese Entwicklung können die Pfarreien nicht bestätigen. Und dies, obwohl alle katholischen Kirchen tagsüber geöffnet sind.

Diebstahl als lästiges Ärgernis

Selbstverständlich bedienen sich immer wieder Diebe aus Antonius- und Kerzenkassen oder aus Opferstöcken in den Kirchen und Kapellen, wenn es um Bargeld geht. Und sie lassen auch liturgische Gegenstände wie Kelche oder Altartücher mitgehen. Aber diese Art von Diebstählen gehört für die Pfarreien zum lästigen und wiederkehrenden Ärgernis.

Einbrüche in Pfarrhäuser mit hohen Sachschäden

Hingegen berichten einige Kirchgemeinden von zunehmenden Einbrüchen in Pfarrhäuser. Hier werden nach dem Einstieg über Fenster und Türen mit brachialer Gewalt unter Einsatz von Feuerlöschern oder Äxten Tresore und Safes aufgebrochen oder zumindest der Versuch dazu unternommen. Der Sachschaden ist meist höher als die effektiv gestohlenen Geldsummen oder Gegenstände. Die Zunahme der Einbrüche lässt sich unter anderem damit erklären, dass früher bewohnte Pfarrhäuser zu Liegenschaften mutiert sind, die heute lediglich zu Bürozeiten bevölkert sind. Nicht wenige Pfarrhäuser stehen zudem etwas abgeschieden und in einer eher dunklen Umgebung.

Vielfältige Gegenmassnahmen

Die Verantwortlichen in Pfarreien und Kirchgemeinden haben in den letzten Jahren mit verschiedenen Gegenmassnahmen reagiert. Sie tun dies durch regelmässiges Leeren der diversen Kassen und Safes, verstärkte Präsenz und Kontrollgänge, durch Fenstergitter, massivere Türen und verstärkte Tresore, durch eine intensivere Beleuchtung bei Parkplätzen und Pfarrhäusern sowie Alarm- und Videoanlagen. Allerdings: Überwachung mit Kameras ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes in etlichen Kirchgemeinden verpönt.

Dieb soll sich das nächste Mal selber herausfischen

Eine pädagogisch geradezu ausgeklügelte Massnahme hat sich eine Pfarrei im Zürcher Oberland ausgedacht. Mit einer Videokamera werden Kassen und Opferstöcke überwacht. Diese filmte schon mal einen Dieb, der sich an den Kassen zu bereichern versuchte. Ein Foto von ihm wurde ausgedruckt und in die Opferstöcke gelegt mit der Idee: Der Dieb soll sich beim nächsten Mal selber herausfischen und merken, dass ihn die Kirche gesehen hat. Und ja, die Geschichte geht weiter. Ein Dieb wurde bei seiner Arbeit dabei gefilmt, wie er sein Konterfei begutachtete – ob gelassen oder verstört, ist nicht verbrieft.

 

zuletzt verändert: 07.06.2017 15:46