Hoffnungsvolle Kritiker: Gespräch zu Ehe und Familie

Weltweit denken Gläubige derzeit über die Themen Ehe und Familie in der Kirche nach. Damit folgen sie dem Aufruf von Papst Franziskus, sich in die bischöfliche Familiensynode einzubringen. Auch die Ustermer Katholikinnen und Katholiken liessen sich am Dienstag vernehmen: Wenige in der Anzahl, aber nicht minder engagiert.
Hoffnungsvolle Kritiker: Gespräch zu Ehe und Familie

Von Rom nach Uster, weltweit diskutieren Katholikinnen und Katholiken über Ehe und Familie

Die Bedeutung des von Papst Franziskus eingeleiteten Prozesses wurde im Kirchzentrum Uster gleich zu Beginn des Gesprächsabends klar: Noch nie habe er Veranstaltungsbesucher im Namen des Papstes begrüssen dürfen, meinte Rudolf Vögele vom Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus. Dass ein Papst die Basis um ihre Meinung fragt, so geschehen im Herbst 2013, ist in der Geschichte der Kirche wohl einzigartig. Die Antworten liessen nicht auf sich warten: 25‘000 allein aus der Schweiz. Aus diesem ersten Prozess resultierte ein Schlussbericht, den die Bischofssynode im Herbst 2014 in Rom verabschiedete. Diesen wiederum gilt es im Hinblick auf die nächste Synode im Herbst 2015 zu reflektieren.


Zaghafter Hoffnungsschimmer

Wie schaut die Kirche auf die Lebenswirklichkeiten von Ehe und Familie? Wie behandelt sie Wiederverheiratete Geschiedene? Homosexuelle? Diese Beispiele zeigen, es sind brennende Themen, welche die Gläubigen in Uster diskutierten. Anfangs verhalten, brachten die rund 25 Anwesenden – Kirchenmitglieder, freiwillig Engagierte und Angestellte – mit zunehmender Stunde engagiert ihre Ansichten und Lösungsvorschläge ein. Einiger Unmut über die Kirche war trotzdem spürbar: Sie habe die Familien verloren, meinte ein Teilnehmer: «Schauen Sie sich um. Es sind kaum junge Leute hier.» Lehre und Praxis würden auseinanderklaffen. Aber auch zu lachen gab es einiges und begeistert fand ein älterer Herr: «Für uns […] ist es phänomenal, von Rom angefragt zu werden, sich auszutauschen. Gewohnt sind wir ein  Von-oben-herab.» Eine Portion Hoffnung gab Rudolf Vögele zum Schluss den Anwesenden mit auf den  Heimweg: «Ich bin hoffnungsvoll, dass die Synode individuelle Lösungen hervorbringt, die den einzelnen Kulturen bis hin zu den Pfarreien mehr Vertrauen im Umgang mit diesen Themen entgegenbringen.» Denn wie sagte einst Franziskus: «Jeder ist einzigartig. Es gibt keine pauschalen Lösungen.»


Weitere Synodengespräche in Zürich und Winterthur
Nach Uster lädt das Generalvikariat zu zwei weiteren Gesprächsabenden ein. Diese finden statt am Mittwoch, 4. März 2015, am Hirschengraben 66 in Zürich und am Donnerstag, 12. März 2015, im Pfarreizentrum St. Peter und Paul in Winterthur. Beginn jeweils 19 Uhr. Ein Schweizer Destillat für Rom Uster, Winterthur, Zürich, Schweiz: Aus allen Vernehmlassungen wird Bischof Jean-Marie Lovey von Sitten im Herbst 2015 ein Destillat mit an die Bischofssynode mitnehmen. Viele Blicke dürften dann nach Rom gerichtet sein.

zuletzt verändert: 26.02.2015 11:01
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