Synodalrat antwortet zum "Projekt Bistum Zürich"

Im März startete Bischof Vitus Huonder eine Befragung zur Gründung eines Bistums Zürich, im Mai veröffentlichte er seine Interpretation der Ergebnisse. Bei dieser Gelegenheit regte er gegenüber dem Zürcher Synodalrat die Gründung einer Kommission an zur weiteren Prüfung des Projekts.
Synodalrat antwortet zum "Projekt Bistum Zürich"

Der amtierende Synodalrat. Foto: Peter Knup

Der Synodalrat begrüsst grundsätzlich die Weiterarbeit, möchte aber vorher zentrale Grundsatzfragen klären. Am 21. Juni verabschiedete der Rat folgende Antwort: 

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof Dr. Vitus Huonder

Der Synodalrat der Römisch-katholischen Körperschaft dankt Ihnen für Ihre im Schreiben vom 12. Mai 2016 ausgedrückte Bereitschaft, das „Projekt Bistum Zürich“ weiter zu verfolgen. Er nimmt mit grosser Befriedigung zur Kenntnis, dass Sie sich den Gründen, welche für die Gründung eines Bistums Zürich sprechen, anschliessen. Er stellt sich jedoch die Frage, ob die Einsetzung einer kleinen Kommission, die sich mit den vorgebrachten Argumenten pro und contra vertieft auseinandersetzt und das "Projekt Bistum Zürich“ weiter prüft, zum jetzigen Zeitpunkt angezeigt ist. Wie in jedem Projekt, so ist auch im vorliegenden der Projektvorbereitung grösste Beachtung zu schenken. In dieser Phase geht es darum zu klären, ob ein Projekt überhaupt gestartet werden soll. Mit anderen Worten geht es also darum, die Voraussetzungen, welche für einen erfolgreichen Projektabschluss unabdingbar sind, zu schaffen. Die Organe der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich haben in allen jüngeren Beschlüssen, welche sie zu diesem Thema gefasst haben, zwei derartige Voraussetzungen genannt:

1. Ohne die Zustimmung der übrigen Bistumskantone kann eine Herauslösung des Kantons Zürich aus dem Bistum Chur nicht vollzogen werden.


2. Die Synode 72 forderte für alle Diözesen eine rechtlich festgelegte Mitwirkung ortskirchlicher Gremien bei der Wahl der Bischöfe. Diese Mitwirkung muss bestehenden Mitentscheidungsformen mindestens gleichwertig sein.

Zu Punkt 1 darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass die Kantone Uri (ohne Urserental), Ob- und Nidwalden, Glarus und Zürich dem Bistum Chur lediglich administrativ zugeordnet sind. Unabhängig davon haben sich die staatskirchenrechtlichen Organe der „Bistumskantone“ in der sogenannten „Biberbrugger-Konferenz“ zusammengeschlossen. In einem ersten vorbereitenden Schritt ist deshalb in diesem Gremium auszuloten, unter welchen Voraussetzungen der Bildung eines Bistums Zürich zugestimmt werden könnte. Bei allem Willen, auf ein Bistum Zürich hinzuarbeiten, suchen die Organe der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich den Konsens, ohne den die Atmosphäre in der katholischen Landschaft der Ostschweiz auf lange Zeit vergiftet würde. Eine derartige Entwicklung ist auf jeden Fall zu vermeiden. Der Synodalrat spricht sich deshalb dafür aus, dass sich die Biberbrugger-Konferenz mit dieser Thematik befasst und vor Beginn des „Projekts Bistum Zürich“ die Eckwerte des zukünftigen Verhältnisses des Bistums Zürich zum Bistum Chur skizziert. 

Im Übrigen stellt der Synodalrat fest, dass das in Punkt 2 genannte Desiderat ein Anliegen ist, das beim Abschluss der gesamtschweizerischen Synode 72 breiteste Zustimmung fand, unter anderem auch von der Schweizer Bischofskonferenz. 

Sehr geehrter Herr Diözesanbischof, wir danken Ihnen, dass Sie dem Synodalrat die Gelegenheit geboten haben, sich mit Ihren Vorschlägen zu befassen. Wir sind dankbar für Ihre Initiative - und genau deshalb auch daran interessiert, den Prozess mit aller Sorgfalt und mit Bedacht zu einem guten Ende zu bringen. Dies vor allem auch in Ihrem Sinne und in Ihrer Erkenntnis, dass die Errichtung eines Bistums Zürich aus pastoraler Sicht geboten ist. 

Mit freundlichen Grüssen 

Dr. Benno Schnüriger, Präsident Synodalrat

und 

Markus Hodel, Generalsekretär

zuletzt verändert: 24.06.2016 14:55